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KI-Kameras im Verkehr: Warum die Kanaren eine Ausnahme bleiben

Den stärksten Ausbau gibt es derzeit in Andalusien.

Lesedauer 4 Minuten

Kanaren – Die spanische Verkehrsbehörde (DGT) setzt im Kampf gegen Verkehrssünder zunehmend auf modernste Technologie. Im Mittelpunkt der aktuellen Strategie stehen hochmoderne Überwachungskameras, die mit Künstlicher Intelligenz (KI) ausgestattet sind. Während diese Systeme auf dem spanischen Festland und den Balearen kontinuierlich ausgebaut werden, zeigt ein aktueller Bericht des Europäischen Automobilclubs (AEA) eine erstaunliche Besonderheit auf: Die Kanarischen Inseln sind derzeit die einzige autonome Gemeinschaft Spaniens, in der noch keine dieser KI-gestützten Kameras installiert wurden.

Künstliche Intelligenz auf Spaniens Straßen: Eine neue Ära der Verkehrsüberwachung

Die Überwachung des Straßenverkehrs hat in den vergangenen Jahren einen massiven technologischen Sprung erlebt. Im Gegensatz zu den klassischen, herkömmlichen Radargeräten, die primär die Geschwindigkeit eines Fahrzeugs messen, sind die neuen Überwachungssysteme der DGT wesentlich komplexer. Diese Kameras sind mit fortschrittlichen Systemen der Künstlichen Intelligenz vernetzt. Die KI-Algorithmen sind in der Lage, die von den Kameras aufgenommenen hochauflösenden Bilder in Echtzeit zu analysieren und strafbare Verhaltensweisen der Fahrer vollautomatisch zu identifizieren.

Dieser Prozess stellt einen entscheidenden Schritt in der Automatisierung der Verkehrssteuerung dar. Die KI sucht auf den Aufnahmen gezielt nach bestimmten Mustern, die auf eine Missachtung der Verkehrsregeln hindeuten. Um jedoch Fehler zu vermeiden und die rechtliche Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, erfolgt die endgültige Sanktionierung nicht vollautomatisch. Der Automobilclub AEA erklärt, dass die erste Verarbeitung der Bilder zwar durch die Algorithmen geschieht, sämtliche potenziellen Sanktionen und Bußgelder jedoch im Anschluss von einem zuständigen Beamten überprüft und bestätigt werden müssen. Erst nach dieser menschlichen Verifikation wird der Strafzettel ausgestellt.

Die Kanarischen Inseln: Ein blinder Fleck im nationalen KI-Netzwerk?

Der Bericht der AEA, der die Verteilung dieser modernen Systeme in ganz Spanien analysiert, hebt die Kanarischen Inseln als absolute Ausnahme auf der nationalen Landkarte hervor. Das Fehlen dieser spezifischen KI-Kameras macht den Archipel zur einzigen Region ohne diese Art der automatisierten Verhaltenskontrolle durch die Verkehrsbehörde.

Die Daten der Studie zeigen eine stark ungleichmäßige Umsetzung der Technologie in den verschiedenen Regionen des Landes. Andalusien führt die Liste mit deutlichem Abstand an: Dort sind bereits 70 KI-Kameras im Einsatz, was fast die Hälfte aller in Spanien vorhandenen Geräte dieser Art ausmacht. Auf den weiteren Plätzen folgen Kastilien und León mit 32 Systemen, die Region Valencia mit 27 sowie Madrid mit 16 Kameras. Auch in Asturien (8), La Rioja (6), Kantabrien (3) und auf den Balearen (2) ist die Technologie bereits in den Verkehrsalltag integriert. Die Kanarischen Inseln stehen mit null installierten KI-Kameras von der DGT derzeit noch am Rande dieser technologischen Entwicklung.

Welche konkreten Verstöße decken die KI-Kameras auf?

Die Bildverarbeitungskameras der neuesten Generation sind laut den Informationen der AEA nicht darauf ausgelegt, das Tempo der Verkehrsteilnehmer zu kontrollieren. Ihr Hauptzweck liegt vielmehr darin, riskante Verhaltensweisen aufzuspüren, die mit herkömmlichen Radarsystemen nur sehr schwer bis gar nicht zu erkennen sind. Die Algorithmen sind speziell darauf trainiert, folgende gefährliche Verstöße zu identifizieren:

  • Fahren ohne Sicherheitsgurt: Die Kameras scannen den Innenraum des Fahrzeugs und erkennen, ob der Gurt ordnungsgemäß über die Schulter des Fahrers und des Beifahrers verläuft.
  • Handynutzung am Steuer: Ablenkung ist eine der Hauptunfallursachen. Die KI erkennt, wenn ein Fahrer ein Mobiltelefon in der Hand hält oder an das Ohr führt.
  • Missachtung von Stoppschildern: Mithilfe von sogenannten „Video-Stopp“-Systemen wird analysiert, ob ein Fahrzeug an der entsprechenden Haltelinie vollständig zum Stillstand gekommen ist, anstatt nur langsam darüber hinwegzurollen.
  • Überfahren einer durchgezogenen Linie: An kritischen Stellen, an denen spezielle Kameras positioniert sind, überwacht das System illegale Spurwechsel oder Überholmanöver.

Trotz fehlender KI: Strenge Kontrollen auf dem Archipel

Dass die DGT auf den Kanaren noch keine KI-Kameras zur Verhaltenserkennung installiert hat, bedeutet jedoch keineswegs, dass die Straßen der Inseln ohne technische Überwachung auskommen. Die Kanarischen Inseln setzen zur Sicherung der Verkehrswege weiterhin auf andere, etablierte Kontrollmechanismen und verfügen über ein äußerst umfangreiches und effizientes Netz von festen sowie mobilen Geschwindigkeitskameras. Diese erstrecken sich über alle großen Inseln, darunter Gran Canaria, Teneriffa, Fuerteventura, Lanzarote und La Palma, und dienen primär der strikten Geschwindigkeitskontrolle.

Die Effizienz dieser traditionellen Systeme ist enorm hoch. Ein weiterer aktueller Bericht der AEA belegt, dass einige der Radarfallen auf den Kanaren zu den aktivsten und strengsten des gesamten Landes gehören. Ein herausragendes Beispiel ist die Geschwindigkeitskamera auf der Autobahn GC-1 bei Kilometer 42 auf der Insel Gran Canaria. Dieses Gerät zählte im vergangenen Jahr zu den Kameras mit den meisten verhängten Bußgeldern in ganz Spanien – es registrierte fast 16.000 Geschwindigkeitsüberschreitungen, die zu entsprechenden Strafzetteln führten. Dies unterstreicht, dass die Verkehrsüberwachung auf den Inseln trotz des fehlenden KI-Einsatzes höchst aktiv ist.

Ausblick: Die Zukunft der Verkehrsüberwachung

Die AEA bewertet die landesweite Entwicklung als klares Zeichen für das wachsende Engagement der DGT, Technologien zur Automatisierung der Verkehrsüberwachung flächendeckend zu integrieren. Ziel ist es, die Erkennung von gefährlichem Fahrverhalten zu optimieren und die allgemeine Verkehrssicherheit zu erhöhen. Es gilt als äußerst wahrscheinlich, dass sich diese Strategie in den kommenden Jahren weiter ausbreiten wird. Experten gehen davon aus, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis das technologische Netzwerk der DGT erweitert wird und künftig auch die Straßen der Kanarischen Inseln mit intelligenten Kamerasystemen ausgestattet werden, um die Lücke in der nationalen Überwachungskarte endgültig zu schließen. – MF

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