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700% Anstieg bei Betrugsfällen gegen Hotels wegen angeblicher Magen-Darm-Probleme von britischen Pauschaltouristen

Bild Info: Die mobielen Beratungsbüros von den "Piraten" Anwälten werden in Spanien seit einiger Zeit beobachtet. Bild: Screenshot MaspalomasAhora

Kanarische Inseln – Im vergangenen Herbst haben wir erstmals über eine neue Betrugsmasche gegen Hotelbetriebe auf den Kanarischen Inseln berichtet, bei der vornehmlich britische Touristen versuchen mit Magen-Darm-Problemen eine Entschädigung zu erhalten. Nun wurden die ersten offiziellen Zahlen veröffentlicht und man kann schockiert sein. Im Jahr 2016 gab es auf den Kanarischen Inseln einen Anstieg von 700% dieser Fälle.

Allein auf Gran Canaria wurden 295 Fälle registriert die einen Gesamtschaden von über 4 Millionen Euro verursacht haben. Auf Teneriffa wurden knapp 1.000 Fälle registriert mit einem Gesamtschaden von ca. 6 Millionen Euro.

Trotzt der bisherigen Bemühungen der Behörden dem einen Riegel vor zu schieben, steigt die Zahl der Fälle weiter an. Denn eine Anschuldigung dieser Art ist in Spanien eine Straftat und kann saftige Strafen nach sich ziehen. Darüber klärt mittlerweile auch die britische Botschaft auf.

Das Hauptproblem ist allerdings, dass die Urlauber von britischen Veranstaltern die Klage in Großbritannien einreichen können, die daraus vorzustreckenden Kosten für Anwälte etc. ist für Hotels meist wesentlich höher als eine Entschädigung zu zahlen. Trotzdem sagt der Hotelverband, dass man nicht einfach zahlen solle. Am besten könne man sich verteidigen indem die verabreichte Nahrung in Hotels katalogisiert und geprüft werde. Ein Vorgang der z.B. in Deutschland üblich und vorgeschrieben ist.

Der klagende Tourist ist in der Regel nicht in der Lage das Gegenteil zu beweisen, denn ein offizieller Arzt wird nie aufgesucht, sondern lediglich ein Magen-Darm-Medikament für ein paar Euro in der Apotheke gekauft und der Kassenbeleg ist das beigebrachte Beweismittel. Das hat vor Gericht kaum eine Chance. Trotzdem zahlen die Hotels weil man den Aufwand und die Kosten scheut.

Nun gibt es aber auch eine andere Möglichkeit, denn die Hotels werden künftig wohl dieses Risiko bei britischen Veranstaltern absichern indem man einfach wesentlich höhere Hotelpreise festlegt die diese Entschädigungen einkalkulieren. Das würde auch die Touristen treffen, die sich „normal“ verhalten und nicht betrügen wollen.

Eine andere Idee kommt vom britischen Reisebüro-Verband ABTA, dieser will eine Änderung im britischen Gesetz anstreben, so dass solche Fälle auch mit dem spanischen Gesetz vereinbar sind und diese auch tatsächlich nur von Menschen in Anspruch genommen werden können, die wirklich diese Probleme im Urlaub bekommen haben.

In der Tat ist dies alles besorgniserregend, wenn man auf die aktuelle Lage in Großbritannien schaut könnte man vermuten das durch die geschwächte Währung noch mehr Touristen auf diese Idee kommen könnten. Hier sollte auch der spanische Hotelverband einschreiten und entsprechend Hilfe anbieten, was auch geplant ist. Denn diese Fälle gibt es in ganz Spanien, überall dort wo britische Touristen in großen Mengen auftreten. – TF

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