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Sturm Therese bisher 392 Vorfälle und 2.294 Menschen ohne Strom!

Noch stürmt es weiter auf den Inseln.

Lesedauer 5 Minuten

Kanaren – Die Kanarischen Inseln kämpfen derzeit mit den heftigen Auswirkungen des Sturmtiefs „Therese“. Was als herannahendes Schlechtwetterfront begann, hat sich zu einer ernsthaften Belastungsprobe für die Infrastruktur und die Rettungskräfte des Archipels entwickelt. Montse Román, die Leiterin des Katastrophenschutzes und der Notfallmaßnahmen der Kanarischen Inseln, trat am Freitagnachmittag vor die Presse, um ein umfassendes Update zur aktuellen Lage zu geben. Die Botschaft ist eindeutig: Die Gefahr ist noch lange nicht gebannt.

Bisher verzeichnete das Notfallzentrum (Cecoes) insgesamt 392 Vorfälle. Besonders kritisch stellt sich die Situation für die Energieversorgung dar: Aktuell sind 2.294 Menschen ohne Strom. Trotz einer kurzen Beruhigung am Vormittag wird erwartet, dass die Intensität der Niederschläge und Winde in den kommenden Stunden wieder massiv zunimmt.

Die aktuelle Wetterlage: Keine Entwarnung für die westlichen Inseln
Nach einer kurzen Atempause in den frühen Morgenstunden kehren die heftigen Regenfälle nun mit voller Wucht zurück. Laut Montse Román ist die Entspannung der letzten Stunden trügerisch. „Die Regenfälle werden in den kommenden Stunden weiterhin heftig und anhaltend sein“, warnte sie nach einem Treffen mit den Inselräten und der staatlichen Wetterbehörde Aemet. Besonders betroffen sind die westlichen Inseln sowie Gran Canaria.

Während die Regenfront am Donnerstagabend kurzzeitig nachließ, verstärkte sie sich in der Nacht erneut. Heftige Windböen und wolkenbruchartige Niederschläge prägten das Bild. Für den heutigen Freitagnachmittag wird eine weitere Intensivierung erwartet. Die Bodenbeschaffenheit ist durch die vorangegangenen Regenfälle bereits gesättigt, was das Risiko für Sturzfluten und Erdrutsche drastisch erhöht.

Regionale Unterschiede: Entspannung im Osten, Alarm im Westen

Nicht alle Teile des Archipels sind gleichermaßen betroffen. Für die östlichen Inseln Lanzarote und Fuerteventura gibt es vorsichtige Signale der Besserung. Hier werden die Niederschlagsmengen deutlich geringer ausfallen als zunächst befürchtet. Infolgedessen wurden die Notfallpläne für diese beiden Inseln angepasst.

Auch bei den Küstenphänomenen zeichnet sich im Osten eine leichte Entspannung ab. Die Wellenhöhen, die zeitweise bis zu sechs Meter erreichten, sollen auf etwa drei bis vier Meter sinken. Dennoch bleibt der Seegang gefährlich, und ab Mitternacht wird für diese Regionen eine offizielle Vorwarnung gelten, um auf mögliche Spitzenwerte vorbereitet zu sein.

Im Gegensatz dazu bleibt die Lage auf La Palma, Teneriffa, La Gomera, El Hierro und Gran Canaria kritisch. Hier gelten weiterhin hohe Warnstufen. Besonders die kumulierten Regenmengen bereiten den Experten Sorgen. In Gebieten wie den Gipfeln von Gran Canaria wurden bereits über 130 Liter pro Quadratmeter gemessen, in Frontera auf El Hierro rund 100 Liter und im Orotava-Tal auf Teneriffa zwischen 80 und 100 Liter. Jeder weitere Millimeter Regen trifft nun auf Böden, die kein Wasser mehr aufnehmen können.

Infrastruktur am Limit: Stromausfälle und gesperrte Straßen

Eines der drängendsten Probleme ist die Unterbrechung der Stromversorgung. Während am Freitagmorgen zunächst 1.910 Haushalte als stromlos gemeldet wurden, stieg diese Zahl bis zum Mittag auf 2.294 an. Die Ausfälle betreffen sowohl das Nieder- als auch das Mittelspannungsnetz.

Die betroffenen Gebiete verteilen sich über mehrere Inseln:

  • Teneriffa: Hier sind vor allem Santa Cruz de la Laguna, Granadilla und Garachico im Norden sowie Adeje und Fasnia im Süden betroffen.
  • Gran Canaria: Die Gemeinden Valsequillo, Telde, Gáldar, Guía, La Aldea, Ingenio, Tejeda und San Bartolomé melden teils massive Störungen.
  • Lanzarote: Auch in Yaiza kam es zu vereinzelten Unterbrechungen.

Die Techniker der Stromversorgungsunternehmen arbeiten unter Hochdruck daran, die Leitungen zu reparieren, werden jedoch durch den anhaltenden Wind und die schwierige Zugänglichkeit einiger Gebiete behindert.

Neben der Energieversorgung ist auch das Straßennetz schwer gezeichnet. Allein auf Gran Canaria wurden am Freitagmorgen 15 Erdrutsche registriert, vor allem in der Region Cumbre und in südlichen Gemeinden wie Mogán und Santa Lucía. Auf Teneriffa sind die Auswirkungen ebenfalls spürbar: In der Tahodio-Schlucht in Anaga sind sechs Häuser komplett von der Außenwelt abgeschnitten, da die Zufahrtswege durch Schlamm und Geröll blockiert sind.

Hochwassergefahr und Küstenschutz: Wenn das Meer das Land erobert
Ein weiterer kritischer Punkt ist der Sonderplan für Katastrophenschutz bei Hochwasserrisiken (PEINCA). Da das Sturmtief Therese auch massive Wellenbewegungen verursacht, kam es bereits zu schweren Küstenüberschwemmungen.

An der Nordküste Teneriffas traten Meeresarme über die Ufer und beschädigten Hochwasserschutzmauern in Orten wie Garachico und Los Silos. Auch auf Gran Canaria sind bekannte Abschnitte betroffen, wie etwa der Strand von El Confital, dessen Zufahrt gesperrt werden musste, oder der Strand von Perchel in Arguineguín, der komplett überflutet wurde.

Besondere Aufmerksamkeit widmet der Katastrophenschutz den Schluchten (Barrancos). In Arguineguín musste die Feuerwehr bereits eine dramatische Rettungsaktion durchführen: Eine Person hatte sich in der Nähe eines Fußballplatzes an einen Baum geklammert, um nicht von den Wassermassen der übertretenden Schlucht mitgerissen zu werden. Die Person konnte gerettet werden, musste jedoch wegen schwerer Unterkühlung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Wind und Schnee: Die Extreme des Sturms
Zusätzlich zum Regen bleibt der Wind ein dominanter Faktor. Die Windwarnung wurde aufrechterhalten, da starke Südwestwinde insbesondere die Hochlagen und die westlich ausgerichteten Küstenabschnitte treffen. Diese Winde fungieren oft als Beschleuniger für die Niederschläge und erhöhen die Gefahr durch umstürzende Bäume oder herabfallende Gegenstände.

Interessanterweise hat sich die Lage bezüglich des Schneefalls leicht verändert. Durch steigende Temperaturen hat sich die Schneefallgrenze nach oben verschoben. Während auf La Palma vorerst kein Neuschnee mehr erwartet wird, bleibt die Warnung für den Teide auf Teneriffa bestehen – allerdings nur in Höhenlagen zwischen 2.000 und 2.200 Metern.

Ausblick: Wann kehrt Ruhe ein?

Die Behörden mahnen die Bevölkerung weiterhin zu äußerster Vorsicht. „Wir dürfen die Wachsamkeit nicht vernachlässigen“, betonte Montse Román mehrfach. Die aktuelle Wetterlage wird als dynamisch eingestuft. Da die Schwellenwerte für Regenmengen bereits vielerorts überschritten sind, kann jeder weitere Schauer zu einer Eskalation der Lage führen.

Eine erste spürbare Besserung wird für den kommenden Sonntag erwartet. Doch auch dann ist Vorsicht geboten: Die Böden bleiben instabil, und kleinere Schluchten könnten auch nach dem Ende der Hauptregenfälle noch überlaufen. Ein stabiles Hochdruckwetter mit „gutem Wetter“ im klassischen Sinne wird laut den Meteorologen erst für den kommenden Mittwoch prognostiziert. Bis dahin kann es am Montag und Dienstag weiterhin zu vereinzelten, wenn auch weniger intensiven Niederschlägen kommen.

Verhaltensempfehlungen für Bürger und Urlauber
Der Katastrophenschutz bittet darum, folgende Sicherheitshinweise strikt zu beachten:

  1. Reisen vermeiden: Verzichten Sie auf unnötige Autofahrten, insbesondere in höheren Lagen und in der Nähe von Schluchten.
  2. Küsten meiden: Halten Sie großen Abstand zu Klippen und Strandpromenaden, da unvorhersehbare Riesenwellen auftreten können.
  3. Informationen einholen: Verfolgen Sie die offiziellen Kanäle der Regierung und des Wetterdienstes Aemet.
  4. Notrufe: Nutzen Sie die 112 nur in echten Notfällen, um die Leitungen für lebensbedrohliche Situationen frei zu halten.

Sturm Therese hat gezeigt, wie verwundbar die Infrastruktur selbst eines modernen Urlaubsarchipels gegenüber den Kräften der Natur ist. Die kommenden 48 Stunden werden entscheidend sein, um weitere Schäden zu begrenzen und die Sicherheit der Bewohner und Gäste zu gewährleisten. – TF

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