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Teneriffa: Wissenschaftler analysieren „neue Phase seismischer Aktivitäten“

Schon mehr als 3.000 Mikrobeben unter dem Teide registriert.

Lesedauer 4 Minuten

Die größte Insel des kanarischen Archipels steht unter verstärkter Beobachtung. Nach einer Serie von über 3.000 Mikrobeben innerhalb einer Woche und außergewöhnlichen seismischen Impulsen unter dem Teide-Massiv diskutieren Experten über den Zustand des Vulkansystems. Während die Behörden zur Ruhe aufrufen, verdichten sich die Hinweise darauf, dass das System in eine neue, dynamischere Phase eingetreten ist.

Teneriffa – Es ist eine Nachricht, die aufhorchen lässt, auch wenn sie für die meisten Bewohner und Urlauber der Insel völlig unbemerkt blieb: Das Vulkansystem von Teneriffa zeigt derzeit eine Aktivität, die selbst erfahrene Wissenschaftler als „neuen Schritt nach vorn“ bezeichnen. Am heutigen Morgen trat der beratende Ausschuss des Sonderplans für Katastrophenschutz und Notfallmaßnahmen bei vulkanischen Risiken (Pevolca) zusammen, um die außergewöhnlichen Daten der vergangenen Tage auszuwerten.

Was die Experten des Nationalen Geographischen Instituts (IGN) und des Vulkanologischen Instituts der Kanarischen Inseln (Involcan) dort präsentierten, zeichnet das Bild eines lebendigen, arbeitenden Berges. Allein in der vergangenen Woche wurden drei markante seismische Schwärme registriert – eine Dichte an Ereignissen, wie sie im Westen von Las Cañadas del Teide seit über einem Jahrzehnt nicht mehr vorkam.

Rekordverdächtige Messwerte unter Las Cañadas

Die seismische Chronologie der letzten Tage ist beeindruckend. Alles begann mit einem ersten Schwarm zwischen dem 12. und 13. Februar 2026, bei dem etwa 900 Mikrobeben verzeichnet wurden. Nur wenige Tage später, zwischen dem 16. und 17. Februar, folgte eine noch intensivere Phase mit rund 1.400 sogenannten hybriden Ereignissen. Der dritte Schwarm setzte in der Nacht zum Donnerstag ein und hielt bis in den Nachmittag an, wobei erneut über tausend schwache Erschütterungen registriert wurden.

Zusammengenommen wurden innerhalb kürzester Zeit über 3.000 Mikrobeben gemessen. Diese ereigneten sich fast ausschließlich in einer Tiefe zwischen sieben und acht Kilometern. Ein besonderes Augenmerk legten die Forscher zudem auf einen beispiellosen seismischen Impuls am 10. Februar, der etwa eine Stunde lang anhielt und in dieser Form zuvor noch nie dokumentiert wurde.

Itahiza Domínguez, Sprecherin des wissenschaftlichen Komitees und Direktorin des IGN auf den Kanaren, ordnete die Lage sachlich, aber bestimmt ein: „Das System hat einen weiteren Schritt nach vorn gemacht, aber wir kennen immer noch nicht den genauen Weg.“ Sie räumte ein, dass das Vulkansystem in eine „neue Phase“ eingetreten sei, betonte jedoch gleichzeitig, dass die Ungewissheit über die Dauer dieser Phase zum Wesen der Vulkanologie gehöre.

Die Wissenschaft hinter den Beben: Wasser, Gas oder Magma?
Für Laien stellt sich oft die Frage, was genau tief unter der Erde passiert, wenn die Nadeln der Seismographen ausschlagen. Die Experten sprechen in diesem Zusammenhang oft von „hybriden Ereignissen“. Dabei handelt es sich um niederfrequente Erdbeben, die in der Regel durch den Bruch von Gestein entstehen, wenn Flüssigkeiten unter hohem Druck stehen. Bei diesen Flüssigkeiten kann es sich um Gase, hydrothermales Wasser oder eben Magma handeln.

Die aktuelle Arbeitshypothese der Involcan-Experten deutet auf eine Injektion magmatischer Fluide in das hydrothermale System der Insel hin. Vereinfacht gesagt: Heiße Gase und Flüssigkeiten aus der Tiefe drücken in das bestehende Spaltensystem unter dem Teide-Massiv und verursachen durch diesen Druckanstieg die Mikrobeben. Gestützt wird diese Theorie durch unabhängige Daten: Im Teide-Krater wurde ein Anstieg der diffusen CO₂-Emissionen gemessen, und im nordöstlichen Bereich des Vulkangebäudes lassen sich leichte Deformationen des Geländes feststellen.

Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zu einem unmittelbar bevorstehenden Ausbruch. Domínguez erklärte, dass ein magmatischer Aufbruch, der zu einer Eruption führt, normalerweise mit deutlich stärkeren Erdbeben ab einer Magnitude von 2,5 einhergeht, die dann auch von der Bevölkerung gespürt würden. Zudem würden die Bebenherde in einem solchen Fall immer flacher werden. Aktuell jedoch erreichen die Mikrobeben kaum eine Stärke von 0,8 und verharren stabil in großer Tiefe.

Historische Vergleiche und moderne Überwachung

Um die aktuelle Situation richtig einzuordnen, lohnt ein Blick in die Geschichte und auf die Nachbarinseln. Die Wissenschaftler erinnerten daran, dass seismische Unruhe nicht zwangsläufig in einer Katastrophe endet. Ein prominentes Beispiel ist der Tagoro-Ausbruch vor El Hierro im Jahr 2011. Im Anschluss an dieses Ereignis wurden sechs magmatische Intrusionen registriert, von denen jedoch keine einzige zu einem weiteren Ausbruch führte. Das System kann sich also „entladen“, ohne dass Lava an die Oberfläche tritt.

Seit dem Jahr 2016 ist die aktuelle Serie das neunte derartige Ereignis auf Teneriffa. Es beweist zwar, dass das Vulkansystem aktiv ist, doch die Experten betonen gebetsmühlenartig, dass die Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs kurz- oder mittelfristig unverändert bleibt.

Ein wesentlicher Faktor für die Beruhigung der Bevölkerung ist die beispiellose Dichte an Messgeräten. „Die Insel Teneriffa wird derzeit extrem genau überwacht“, versicherte Domínguez. Über hundert Messstationen des IGN, von Involcan und anderen internationalen Institutionen liefern eine Datenmenge, die vor 15 Jahren noch unvorstellbar war. Phänomene, die früher verborgen geblieben wären, werden heute in Echtzeit analysiert. Angesichts der aktuellen Entwicklung kündigten die Behörden dennoch an, die Überwachungssysteme nochmals zu verstärken, um jede kleinste Veränderung im Blick zu behalten.

Fazit: Wachsamkeit ohne Panik
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Natur unter Teneriffa zwar „arbeitet“, dies aber im Rahmen eines Prozesses geschieht, der für einen aktiven Inselvulkan als normal, wenn auch beobachtungswürdig, gilt. Die Botschaft des Pevolca-Ausschusses ist klar: Es besteht kein Grund zur Sorge für die Bewohner oder die Tourismusbranche. Die mikroseismischen Schwärme sind primär von wissenschaftlichem Interesse und helfen den Forschern, die komplexe Architektur unter dem Teide besser zu verstehen.

Teneriffa bleibt eine sicher zu bereisende Insel, auf der die Experten der Vulkanologie Hand in Hand mit dem Katastrophenschutz arbeiten. Die „neue Phase“, von der Itahiza Domínguez spricht, ist ein Zeugnis der geologischen Dynamik der Kanaren – ein faszinierender, tiefer Einblick in die Entstehung und das Leben einer Vulkaninsel, der dank modernster Technik so präzise wie nie zuvor dokumentiert werden kann.

Weitere Artikel zum Thema:
Unruhiger Untergrund auf Teneriffa: Über 1.400 seismische Ereignisse unter Las Cañadas registriert, vom 18.02.2026

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