Teneriffa – Die größte Insel des kanarischen Archipels und unser direkter Nachbar, steht derzeit unter der intensiven Beobachtung von Geologen und Vulkanologen. In den letzten Stunden hat das Nationale Geographische Institut (IGN) eine außergewöhnliche Serie von Erschütterungen im Herzen der Insel verzeichnet. Zwischen Montagabend, etwa 18:00 Uhr, und dem frühen Dienstagmorgen gegen 8:30 Uhr wurden im westlichen Gebiet von Las Cañadas del Teide mehr als 1.400 sogenannte hybride seismische Ereignisse registriert.
Diese jüngste Serie von Erschütterungen konzentrierte sich auf eine Tiefe zwischen sieben und acht Kilometern. Für die Bewohner und Urlauber der Insel blieben diese Beben unbemerkt, da die Stärke der Signale weit unter der Wahrnehmungsschwelle lag. Dennoch versetzen solche Daten die wissenschaftliche Gemeinschaft in Alarmbereitschaft – nicht aus Sorge vor einem unmittelbaren Ausbruch, sondern aufgrund der präzisen Muster, die sich hier abzeichnen. Es ist bereits das achte Mal seit 2016, dass dieses spezifische Gebiet von einem solchen „seismischen Schwarm“ heimgesucht wird.
Die Anatomie des Bebenschwarms: Hybride Signale und tiefe Schichten
Die Experten des IGN beschreiben das Phänomen als einen Schwarm aus hybriden Ereignissen, die in zwei deutlich voneinander unterscheidbaren Phasen auftraten. Den Aufzeichnungen zufolge begann die Aktivität am Montagabend zunächst sehr verhalten. Die ersten Ausschläge ab 18:00 Uhr waren so schwach, dass sie kaum vom natürlichen Hintergrundrauschen der Erde zu unterscheiden waren.
Erst in der Zeitspanne zwischen 20:00 Uhr und 21:30 Uhr intensivierten sich die Signale. Trotz der hohen Anzahl der Ereignisse blieb die Magnitude gering: Die stärkste Erschütterung erreichte lediglich einen Wert von 0,8 auf der Richter-Skala. Solche Mikroerdbeben sind für den Menschen nicht spürbar und können nur von hochsensiblen Messstationen, wie sie das IGN und das Vulkanologische Institut der Kanarischen Inseln (Involcan) betreiben, erfasst werden.
Parallel zu diesen schwachen, hybriden Beben registrierten die Messgeräte jedoch auch energiereichere, niederfrequente Ereignisse (Long Period Events, LP). Besonders auffällig war ein Signal um 4:18 Uhr morgens, das die größte Amplitude der gesamten Nacht aufwies. Diese Mischung aus verschiedenen Wellentypen ist für Vulkanologen von besonderem Interesse, da sie Rückschlüsse auf die Prozesse im Inneren des Vulkansystems zulässt.
Zweite Serie innerhalb einer Woche: Ein wiederkehrendes Muster
Was die aktuelle Situation besonders macht, ist die zeitliche Dichte der Ereignisse. Es handelt sich bereits um die zweite Serie innerhalb von nur sieben Tagen. Erst in der Vorwoche, zwischen dem 12. und 13. Februar 2026, wurden im exakt selben Gebiet 876 Mikroerdbeben dokumentiert. Auch damals lag die Tiefe der Herde konstant bei etwa acht Kilometern.
Dass nun innerhalb so kurzer Zeit erneut über 1.400 Ereignisse folgen, unterstreicht die Dynamik, die derzeit unter der Oberfläche Teneriffas herrscht. Involcan bestätigte, dass das seismische Netzwerk der Kanarischen Inseln die Daten in Echtzeit auswertet. Die Häufung dieser Schwärme ist kein Zufallsprodukt, sondern Teil einer Entwicklung, die bereits Ende 2016 begann. Seitdem wurden ähnliche Episoden in den Jahren 2019, 2022, 2024 und 2025 beobachtet.
Diese Wiederholungsrate zeigt deutlich, dass das magmatische System unter dem Teide-Massiv keineswegs ruht. Vielmehr scheint es sich in einer Phase erhöhter innerer Aktivität zu befinden, die durch den Transport von Gasen und Flüssigkeiten in großer Tiefe geprägt ist.
Ursachenforschung: Magmatische Fluide und das hydrothermale System
Die entscheidende Frage für die Öffentlichkeit lautet: Was passiert da eigentlich genau unter der Insel? Die Wissenschaftler von Involcan haben hierfür eine fundierte Arbeitshypothese, die durch geochemische und geophysikalische Daten gestützt wird. Man geht davon aus, dass es sich um die Injektion magmatischer Fluide in das hydrothermale System der Insel handelt.
Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass heiße Gase und Flüssigkeiten aus tiefer gelegenen Magmakammern nach oben steigen und in wasserführende Schichten oder Gesteinsspalten unter Las Cañadas drücken. Dieser Prozess erzeugt Druckveränderungen, die wiederum die kleinen Erschütterungen auslösen.
Es gibt mehrere Indikatoren, die diese Theorie untermauern:
- Anstieg der CO₂-Emissionen: Im Krater des Teide wurde eine erhöhte diffuse Abgabe von Kohlendioxid gemessen.
- Geländedeformationen: Im nordöstlichen Bereich des Vulkanmassivs lassen sich leichte Verformungen der Erdoberfläche feststellen, die auf einen inneren Druckanstieg hindeuten.
- Vulkanisches Rauschen: Diese Parameter werden zusammenfassend als „vulkanisches Rauschen“ bezeichnet – ein Zustand, der bei aktiven Vulkansystemen normal ist, aber eine kontinuierliche Überwachung erfordert.
Diese Phänomene sind seit 2016 konstant messbar und belegen, dass das System „atmet“. Die magmatischen Fluide agieren wie ein Bote aus der Tiefe, der anzeigt, dass das Reservoir unter der Insel aktiv ist, ohne dass dies zwangsläufig zu einem Ausbruch führen muss.
Keine akute Gefahr: Warum Experten zur Gelassenheit raten
Trotz der beeindruckenden Zahl von 1.400 Beben in einer Nacht betonen sowohl das IGN als auch Involcan ausdrücklich, dass keine unmittelbare Ausbruchsgefahr besteht. Die Wahrscheinlichkeit einer Eruption auf Teneriffa hat sich durch diesen neuen Schwarm weder kurz- noch mittelfristig erhöht.
Vulkane wie der Teide sind komplexe Systeme, die über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte Phasen der inneren Unruhe zeigen können, ohne dass es zu einer Katastrophe kommt. Die derzeitige Aktivität findet in einer Tiefe statt, die weit genug von der Oberfläche entfernt ist, um keine direkte Bedrohung darzustellen.
Die Botschaft der Experten an die Bevölkerung und die Tourismusbranche ist daher eindeutig:
- Beobachtung statt Beunruhigung: Die Überwachungssysteme auf den Kanaren gehören zu den modernsten der Welt. Jede kleinste Veränderung wird sofort registriert.
- Normalzustand eines aktiven Vulkans: Dass ein Vulkan wie der Teide „lebt“, ist wissenschaftlich bekannt. Die aktuellen Schwärme sind Teil dieses natürlichen Lebenszyklus.
- Transparenz: Die Behörden kommunizieren die Daten offen, um Gerüchten vorzubeugen und die Sicherheit der Insel zu gewährleisten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Teneriffa zwar ein seismisch aktives Pflaster bleibt, die aktuelle Serie von Mikroerdbeben jedoch primär von wissenschaftlichem Wert ist. Sie erlaubt es den Forschern, die inneren Prozesse des Vulkans besser zu verstehen und die Vorhersagemodelle für die Zukunft zu verfeinern. Für den Alltag auf der Insel haben diese tiefsitzenden Erschütterungen keine Auswirkungen – außer der Erkenntnis, dass die Natur unter den Füßen der Urlauber und Einheimischen niemals ganz stillsteht.
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