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Trotz Vollzeitjob am Limit: Wie die Wohnkosten auf den Kanaren Existenzen bedrohen

Über 26.000 Haushalte auf den Inseln betroffen!

Lesedauer 3 Minuten

Die bittere Realität: Wenn das Gehalt vom Wohnraum verschlungen wird

Kanaren – Ein fester Arbeitsplatz galt lange Zeit als verlässlicher Schutz vor Armut. Auf den Kanarischen Inseln und im gesamten spanischen Staatsgebiet verliert diese Gewissheit jedoch zunehmend an Gültigkeit. Wie aus einem aktuellen Bericht der Nichtregierungsorganisation Oxfam Intermón hervorgeht, treiben die stetig steigenden Kosten für Hypotheken und Mieten jeden Monat Zehntausende Arbeitnehmer in die finanzielle Notlage. Obwohl sie über ein stabiles Einkommen verfügen, bleibt ihnen nach Abzug der Wohnkosten kaum noch genug Geld für die grundlegendsten Lebensbedürfnisse.

Die betroffenen Personen bilden eine wachsende gesellschaftliche Gruppe, die in der Soziologie als „Working Poor“ oder „arbeitende Arme“ bezeichnet wird. Laut der am Montagabend veröffentlichten Studie „Wenn Arbeit nicht reicht: Die Auswirkungen der Wohnkosten auf die Armut unter Erwerbstätigen“ umfasst diese Gruppe allein auf den Kanarischen Inseln mittlerweile 130.859 Personen. Der Bericht verdeutlicht, wie der Wohnraum einen immer größeren Teil des Haushaltseinkommens aufzehrt und den Wert der eigenen Arbeit entwertet.

Spanienweite Entwicklung: Drei Millionen Erwerbstätige unter der Armutsgrenze

Die Daten von Oxfam Intermón zeichnen ein landesweites Bild der Belastung. Vor dem Abzug von Hypotheken- oder Mietkosten leben in Spanien etwa 11,48 Prozent der Arbeitnehmer in Armut – das entspricht rund 2,2 Millionen Menschen. Bezieht man jedoch die monatlichen Ausgaben für das Wohnen in die Berechnung ein, rutschen landesweit weitere 770.000 Erwerbstätige unter die Armutsgrenze. Die Gesamtzahl steigt damit auf knapp drei Millionen Menschen, was einer Armutsquote von 15,49 Prozent entspricht.

Auf den Kanarischen Inseln zeigt sich ein besonders drastischer Effekt. Bereits vor dem Abzug der Wohnkosten leben 104.527 Erwerbstätige (11,75 Prozent) unterhalb der Armutsgrenze. Nach der Zahlung von Miete oder Hypothek steigt diese Zahl auf 130.859 Personen. Das bedeutet konkret: 26.332 Menschen auf den Inseln fallen erst durch die Kosten für ihr Dach über dem Kopf in die Armut. Die Armutsquote der Erwerbstätigen klettert somit um fast drei Prozentpunkte auf 14,71 Prozent.

Der drastische Unterschied: Jeder vierte Mieter ist arm

Die Auswertung der NGO zeigt zudem signifikante Unterschiede zwischen Immobilienbesitzern mit Hypotheken und Mietern. Werden die monatlichen Raten für einen Immobilienkredit bedient, steigt der Anteil der betroffenen Arbeitnehmer auf den Kanaren, die in die Armut abrutschen, von 6,14 Prozent auf 8,80 Prozent.

Deutlich dramatischer ist die Lage auf dem freien Mietmarkt: Das Mieten zu den aktuellen Marktpreisen treibt die Armutsquote der Arbeitnehmer auf den Kanarischen Inseln um erschreckende 11,49 Prozentpunkte in die Höhe. Während vor der Mietzahlung 16,21 Prozent der Angestellten als armutsgefährdet gelten, schießt dieser Wert nach der Überweisung der Miete auf 27,70 Prozent. Anders ausgedrückt: Auf den Kanarischen Inseln lebt heute jeder vierte Arbeitnehmer, der zur Miete wohnt, in Armut.

Eine Krise mit weitreichenden gesellschaftlichen Folgen

Oxfam Intermón publiziert diese alarmierenden Zahlen in einer Phase, in der die Wohnungspolitik das Zentrum der gesellschaftlichen Debatte in Spanien bildet. Zahlreiche Bürgermobilisierungen haben in den vergangenen Monaten auf die angespannte Lage aufmerksam gemacht. Laut der NGO haben diese Proteste die menschlichen Konsequenzen einer Krise sichtbar gemacht, die weit über den bloßen Verlust einer Wohnung hinausgehen.

„Zwangsräumungen sind die extremste Ausprägung der Wohnungskrise, aber nicht die einzige“, erklärt Alejandro García-Gil, Leiter der Abteilung für Wohnen, Beschäftigung und Sozialpolitik bei Oxfam Intermón. „Es gibt eine andere, weniger sichtbare Realität: Menschen, die arbeiten und sich jeden Monat gerade so die Miete leisten können, denen aber selbst dann noch das nötige Einkommen für ein menschenwürdiges Leben fehlt.“ Das Grundbedürfnis Wohnen entwickle sich so zunehmend zu einem der Hauptfaktoren für Verarmung und soziale Ungleichheit in der modernen Gesellschaft. – TF

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