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Landwirte warnen: Deutlicher Preisverfall und Rückgang der Nachfrage für frische Produkte

Kanarische Inseln – Die Coronapandemie hat nicht nur Auswirkungen auf die Tourismusbranche der Inseln, sondern auch auf die Landwirtschaft. Seit Jahresbeginn kämpfen die Landwirte um Abnahmen, die aber nicht kommen. Man stellt immer wieder fest, dass in jeder zweiten Monatshälfte kaum noch eine Abnahme erfolgt. Zudem drücken die Supermärkte, Verbrauchermärkte und Marktbetreiber die Preise. Viele Landwirte entscheiden sich dazu, die Ernte in Teilen zu vernichten. Auf dem Bild sieht man weggeworfenen Calabacin, ein Landwirt hatte 30.000 Kilo so entsorgt.

Der Grund für diese „Überernte“ liegt nicht darin, dass die Landwirte einfach enorm viel Produzieren, es ist viel einfacher. Im Tourismus wird nichts mehr abgenommen und durch die schlechte Wirtschaftslage kaufen auch die Verbraucher deutlich weniger ein. Es bildet sich ein Teufelskreis.

Der allgemeine Verbrauch von Lebensmitteln ist auf den Kanarischen Inseln in den Supermärkten um etwa 10 % eingebrochen, in den Markthallen und auf den Wochenmärkten gar um bis zu 20 %. Besonders bei frischen Produkten wie Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch werden diese Rückgänge durch die Verbraucher verzeichnet.

Der Preisverfall sorgt dafür, dass viele Landwirte nicht einmal die Produktionskosten pro Kilo wieder hereinbekommen. Ein weiteres Problem, für 3 Euro Kaufpreis im Supermarkt geht maximal 1 Euro an die Landwirte, dies entspricht einem Preisverlust von 300 %. Noch schlimmer ist es bei Calabacin (heller Zucchini) und Kohlsorten. Der Landwirt bekommt pro Kilo etwa 10 Cent, im Supermarkt liegt der Preis dann bei knapp einem Euro. Also ein Preisverlust von etwa 900 % für die Landwirte.

Seit April wurde es noch schlimmer

Die Präsidentin des kanarischen Bauernverbandes (ASAGA), Angela Delgado, berichtet gar, dass in der zweiten Monatshälfte des laufenden Aprils die Nachfrage um etwa 40 % eingebrochen ist. „Dies zwingt uns dazu, unter den Produktionskosten zu verkaufen“. Sie kritisiert auch, dass der Import von „außen zunimmt und dies dem Sektor der Insel überhaupt nicht zuträglich ist“. Sie kritisiert die Zuschüsse für Importprodukte, insbesondere in einer Zeit, in der die Nachfrage ohnehin so gering ist.

Sie sagte sogar, dass es nicht lohnenswert wäre, die Ware zu verschenken, denn diese müsse ja „verpackt und transportiert werden, das kostet auch Geld, es würde nur gehen, wenn die Leute die Wahre beim Landwirt selbst abholen“. Selbst die Tafeln und sozialen Einrichtungen können nicht den gesamten Überhang abnehmen, es „handelt sich ja leider um verderbliche Produkte“. Man hat dies schon öfters festgestellt, die NGOs nehmen zwar ein wenig Ware ab, aber sagen selbst man könne diese Menge nicht lagern und verteilen.

Auch der andere Verband, COAG, bestätigt diesen Trend. Beide sind der Ansicht, dass sich diese Situation nur ändern wird, wenn die massive Kurzarbeit (ERTE) auf den Kanaren weniger wird und die Menschen wieder normales Geld verdienen.

Es gäbe wohl schon Landwirte, die nach einem Jahr Pandemie und Preisverfall an der Grenze angekommen sind, um den Betrieb einzustellen. – TF

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