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Zum Streik: 34-Stunden-Schichten & nur eine Person zum Be- und Entladen!?

Gran Canaria – Der Streik am Flughafen von Gran Canaria durch die Mitarbeiter des Unternehmens Groundforce ist für viele Menschen unverständlich, in der jetzigen Lage sollte man doch denken, dass die Menschen froh darüber sind, dass es endlich wieder losgeht mit dem Tourismus. Nun hat sich der Präsident des Betriebsrates, Juan Agustín Viera dazu geäußert. „Die Touristen tun uns leid, aber wir haben es nicht mehr ausgehalten“, sagt er.

Er versichert, dass die Angestellten „keine andere Wahl haben“, um sich gegen die „Missbräuche“ des Unternehmens zu wehren. Man verhandelt seit Wochen mit dem Unternehmen, man war gar zuversichtlich, dass das Unternehmen beim letzten Treffen am 30. August 2021 eine Einigung mit den Angestellten erzielen wird. Dem war aber nicht so. „Wir sind die Ersten, die nicht verstehen, dass ein Unternehmen so mit seinen Kunden umgeht“, sagte Viera weiter.

Bis heute seien noch 90 % der Belegschaft des Unternehmens, 350 Personen werden dort insgesamt beschäftigt, in einem ERTE-Programm, erklärte Viera weiter. Dies, obwohl sich die Arbeit wieder auf dem Weg der Normalisierung befindet. Laut Viera ist die Arbeitsbelastung aktuell bei etwa 40 % von dem, was im Jahr 2019, vor der Pandemie, der Fall war. Demnach müssten viel mehr Mitarbeiter wieder in Vollzeit arbeiten, dem ist aber nicht so. Anstelle dessen werden die 10 % der Mitarbeiter die komplett aus dem ERTE geholt wurden mit der gesamten Arbeit allein gelassen und müssten Überstunden etc. ableisten.

Unverschämte Arbeitsbedingungen

„Angestellte mit einem 40-Stunden-Vertrag arbeiten teilweise in Schichten von bis zu 34 Stunden am Stück“, so Viera. Eine Unmöglichkeit, die man nicht verstehen kann. Laut Viera „hätten etwa 7ß % der Mitarbeiter da ERTE bereits verlassen müssen, damit diese Schichten von bis zu 34 Stunden nicht passieren“.

Diese „Situation führt zu einer Überlastung der Mitarbeiter“, zudem „verstößt das Unternehmen gegen Tarifverträge und zahlt auch nicht das korrekte Gehalt“. Wenn Mitarbeiter sich nun Krank melden, dann liegt dies einzig und allein an „der Überanstrengung“.

Er versicherte, dass alle Mitarbeiter am letzten Samstag den gesetzlichen Bedingungen entsprechend die Mindestleistung während eines Streiks abgearbeitet haben, es „kam zum Chaos, weil diese nicht die ganze Zeit gerannt sind, sondern sich an die gesetzlichen Vorschriften gehalten haben“. Schon in den Tagen vor dem Streik gab es immer wieder Verzögerungen bei der Gepäckabfertigung, dies erklärte Viera damit, dass lediglich eine Person für de Be- und Entladung einer ganzen Maschine verantwortlich ist.

Unser Kommentar dazu:
Wenn die Vorwürfe gegen Groundforce so stimmen, selbst wenn dies nur zu 50 % hinkommen würde, dann muss man an der Stelle einfach eingestehen, dass dieser Streik vollkommen berechtigt ist. Es kann in einer zivilen Gesellschaft von keinem Menschen verlangt werden, 34 Stunden am Stück zu arbeiten, besonders dann nicht, wenn noch genügend Mitarbeiter auf der ERTE-Warteposition sitzen. Es kann auch nicht sein, dass nur ein Mitarbeiter für die Be- und Entladung von einem ganzen Flugzeug eingeteilt wird, die körperliche Belastung ist enorm. Letztendlich ist das alles unter dem Strich eine bodenlose Unverschämtheit. Wir denken an der Stelle, sollte jeder Fluggast Verständnis für die Menschen haben, die hier für ihre Grundrechte einstehen. Eine Beschwerde an das Unternehmen Groundforce wäre wohl eher angebracht. – TF

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