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Caritas warnt vor immer stärkerer Armut und sozialer Ausgrenzung auf den Kanaren

Ein Job ist keine Garatie mehr für ein stabiles Leben.

Lesedauer 4 Minuten

Kanarische Inseln – Die Caritas der Kanarischen Inseln hat den neuesten Armutsbericht für die Kanarischen Inseln erstellt. Der Bericht inkludiert alle Daten des vergangenen Jahres 2023. Demnach hat sich sowohl die Armut als auch das Risiko der sozialen Ausgrenzung auf den Kanarischen Inseln weiter verschärft. Dies alles, obwohl sich die Wirtschaftsindikatoren der Kanarischen Inseln verbessert haben. Auch haben diverse Maßnahmen nicht dazu beigetragen, diese Problematik zu bekämpfen, so die Caritas.

Ganz besonders betroffen sind Familien und Haushalte,. Die sich nach der Corona-Pandemie noch nicht wieder vollständig erholt hatten. Aufgrund der gestiegenen Lebensmittelpreise und Transportkosten hat sich deren Lebensgrundlage weiter verschlechtert.

Laut Caritas wurden im Jahr 2023 insgesamt 29.100 Menschen durch die Caritas betreut, dies entspricht einem Anstieg von 17,5 %, verglichen zum Jahr 2019, also dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie. Laut Caritas sind davon sogar 9.476 Menschen sogar so stark gefährdet, dass diese von „Wohnungsausgrenzung bedroht“ sind. Diese Gruppe kann sich kaum noch die Hypothek oder die Miete leisten.

Laut Bischof José Mazuelos, der den Bericht vorstellte, „hat sich die Realität für die mehr als 29.000 von Cáritas betreuten Menschen trotz der Verbesserung der Sozialleistungen und des spürbaren wirtschaftlichen Optimismus nicht geändert. Im Gegenteil, die Armut hat sich verschärft, sie ist schlimmer und schlimmer, sie hinterlässt tiefere Spuren in den Familien und es entstehen verschärfte Profile“.

Aufgrund der immer stärker werdenden „Unsicherheit und Instabilität“ haben Menschen, die von der Caritas betreut werden, größere Schwierigkeiten, die soziale Ausgrenzung zu überwinden, um dem Strudel nach unten zu entkommen. „Soziale und wirtschaftliche Hilfe ist langsam, ineffektiv und erreicht nicht die am stärksten gefährdeten Gruppen“. Daher verschlimmert sich das Profil der Menschen auch zunehmend. Immer mehr Erwerbstätige mit zu geringem Einkommen rutschen in die Bedürftigkeit, dies wiederum führt schneller zu psychischen Erkrankungen, größerer Isolation und Einsamkeit, insbesondere wenn die Menschen schon etwas älter sind. Auch steigt dadurch die Zahl der Suchterkrankungen weiter an.

Als Folge der komplexen Realität der ärmsten Menschen auf den Kanarischen Inseln, die von immer intensiveren und umfassenderen Situationen der Armut und Ausgrenzung betroffen sind, betonte der Direktor der Caritas, Gonzalo Marrero, dass die Einrichtung „ihre Anstrengungen verdoppeln musste“, hauptsächlich bei der Zahl der Helfer. Dies wird damit begründet, dass die Caritas 20 % mehr Haushalte betreuen musste.

Er warnt, dass „die wirtschaftliche Erholung auf den Kanarischen Inseln, speziell die Erholung der Beschäftigung, und die von den öffentlichen Verwaltungen umgesetzten Maßnahmen zur Linderung der Auswirkungen der Krisen nicht ausreichen, um dabei zu helfen, die Situation der Ärmsten umzukehren“.

Mit Job trotzdem in die Armut auf den Kanaren

Die immer komplexeren Probleme wurden von der Generalsekretärin der Caritas, Caya Suárez, erläutert: „Wir reagieren auf Familien mit Schwierigkeiten bei der angemessenen Ernährung, Schwierigkeiten beim Zugang zur Registrierung, nicht anerkannten Behinderungskrankheiten, Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit der Betreuung von Minderjährigen und pflegebedürftigen Menschen, psychischen Gesundheitsproblemen, kognitiven Defiziten, geringer Qualifikation, Überbelegung von Wohnungen, unzureichendem Einkommen und andere Hindernisse.“ Zudem sind auch Probleme wie Konflikte, Familienzerfall, Einsamkeit älterer Menschen usw. im Aufwind.

Das, was die Caritas noch feststellen musste, ist besonders besorgniserregend, denn ein Job garantiert keine Integration in die Gesellschaft mehr. Die Zahl der verarmten Arbeitnehmer steigt immer weiter an und „normalisiert“ sich. Dies bedeutet, dass Menschen, die ein regelmäßiges Einkommen erwirtschaften, nicht grundlegend die Kosten des Haushaltes decken können; dazu zählen Nahrung, Energie, Instandhaltung der Immobilie und auch die Absicherung des Dachs über dem Kopf. Dazu nannte Suárez folgende Zahlen: „69 % der von der Caritas betreuten Menschen waren arbeitslos. Nur in 16 % der Haushalte ist eines ihrer Mitglieder erwerbstätig, davon haben 5 % einen Job in der Schattenwirtschaft. Infolgedessen ist die Zahl der armen Arbeitnehmer, die von der Caritas betreut werden, von 6 % vor der Pandemie auf 11 % im letzten Jahr gestiegen.“

Der derzeitige Mangel an bezahlbarem Wohnraum macht es noch schlimmer, die Gefahr in soziale Ausgrenzung zu rutschen steigt dadurch sprunghaft an. Diese „Armutsspirale“ setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen, ist schwer zu durchbrechen. „Das Recht auf Wohnraum ist das am häufigsten verletzte Recht und der Hauptgrund für soziale Ausgrenzung der kanarischen Familien“. 33 % der betreuten Personen besitzen keine eigene Immobilie.

59 % der betreuten Personen sind weiblich und 47 & zwischen 40 und 59 Jahre alt. 45 % sind alleinerziehende Mütter und 69 % aller betreuten Menschen sind arbeitslos. 45 % haben gar kein Einkommen irgendeiner Art. Im Grunde stellt die Caritas die positiven Meldungen aus der Wirtschaft infrage, denn die Bedrohung durch Armut sei ein wichtiger Indikator, der genau das Gegenteil aufzeigt. Die Caritas fordert daher auch eine „gerechtere Verteilung des Reichtums und den Schutz der Grundrechte aller Menschen, wie Nahrung, Zugang zu Wohnraum und menschenwürdiger Arbeit“. – TF

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