Infos Gran Canaria | Das Inselportal
GesellschaftNewsWirtschaft & Branchen

Neue Proteste: Selbstständige fordern Würde und soziale Gerechtigkeit

Hauptforderungen: Faire Arbeitsbedingungen, weniger Bürokratie und soziale Absicherung!

Lesedauer 4 Minuten

Las Palmas – Es ist ein lauter Ruf nach Veränderung, der am vergangenen Montag durch die Straßen der Inselhauptstadt hallte. Hunderte von Selbstständigen und Kleinunternehmern versammelten sich auf der Plaza de España, um gegen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage und die fehlende soziale Absicherung zu protestieren. Unter dem Motto „Wir sind nicht unsichtbar, wir sind unverzichtbar“ machten die Teilnehmer deutlich, dass sie nicht länger die „Sündenböcke des Staates“ sein wollen.

Was als friedliche Versammlung begann, entwickelte sich schnell zu einem entschlossenen Protestmarsch. Die Demonstranten zogen über die bekannte Geschäftsstraße Mesa y López und blockierten schließlich den Verkehr auf der Calle León y Castillo. Ihr Ziel: das Regierungsgebäude, um dort ein Manifest zu verlesen, das die prekäre Situation von Millionen Freiberuflern in Spanien widerspiegelt.

Ein Kampf um grundlegende Rechte
Dies ist nicht der erste Protest dieser Art. Bereits am 30. November des vergangenen Jahres gingen die Selbstständigen auf die Straße. Dass sich die Mobilisierung nun wiederholt, zeigt die wachsende Verzweiflung innerhalb der Branche. Die Kernforderungen der Gruppe sind so simpel wie fundamental: Sie verlangen Arbeitsbedingungen, die ein würdevolles Leben ermöglichen.

Derzeit fühlen sich viele Betroffene vom System im Stich gelassen. Während Angestellte durch soziale Sicherungssysteme geschützt sind, berichten Selbstständige von einer Realität ohne echten Anspruch auf Urlaub, geregelte Ruhezeiten oder ein funktionierendes Arbeitslosengeld. Besonders die stetig steigenden Sozialversicherungsbeiträge und die monatlichen Fixkosten fressen die Margen der kleinen Betriebe auf. In Kombination mit einer ausufernden Bürokratie führt dies dazu, dass viele Unternehmer kaum noch ihren Lebensunterhalt bestreiten können.

Zwischen Existenzangst und Bürokratie-Dschungel

Ein zentraler Kritikpunkt der Demonstration war die Zahlungsmoral der öffentlichen Hand. Pilar Rodríguez, die Präsidentin der „Plattform für die Würde der Selbstständigen 30N“ auf Gran Canaria, fand deutliche Worte. Sie kritisierte, dass ausgerechnet staatliche Verwaltungen oft drei Monate oder länger benötigen, um Rechnungen zu begleichen. Für einen Kleinbetrieb, der Vorleistungen erbringen und laufende Kosten decken muss, kann eine solche Verzögerung den Ruin bedeuten.

„Wir fordern weniger Bürokratie und bezahlbare Beiträge. Es kann nicht sein, dass wir das Rückgrat der Wirtschaft bilden, aber im Krankheitsfall vor dem Nichts stehen“, erklärte Rodríguez während der Kundgebung.

Einzelschicksale verdeutlichten die Dringlichkeit: Ein Teilnehmer namens Fran, der seit sechs Jahren als selbstständiger Verkäufer tätig ist, berichtete, wie er im vergangenen Jahr trotz eines gebrochenen Handgelenks weiterarbeiten musste. Ohne Anspruch auf eine Lohnfortzahlung oder echte Unterstützung im Krankheitsfall blieb ihm keine Wahl, als die Zähne zusammenzubeißen – eine Situation, die für viele seiner Kollegen zum Alltag gehört.

Fakten Autonomos Spanien
Fakten Autonomos Spanien (klicken zum vergrößern)

Ein Zeichen der Solidarität über die Inselgrenzen hinaus
Der Protest beschränkte sich nicht nur auf die Hauptstadt von Gran Canaria. Zeitgleich fanden Kundgebungen auf Lanzarote, Fuerteventura und Teneriffa statt. Insgesamt mobilisierten die Organisatoren fast tausend Menschen auf dem Archipel. Auch landesweit war die Resonanz groß: In fast 40 spanischen Städten schlossen sich Selbstständige dem Protest an.

In Las Palmas setzten zudem viele Einzelhändler ein sichtbares Zeichen der Solidarität. Zahlreiche Geschäfte blieben während des gesamten Montags geschlossen. In den Schaufenstern hingen Plakate, die vor den drohenden Betriebsschließungen warnten, sollte sich die politische Lage nicht bald ändern. Selbst entlang der Route gab es Unterstützung von jenen, die ihre Läden nicht schließen konnten: Applaus und zustimmende Pfiffe begleiteten den Zug der Demonstranten.

Die Entscheidung, an einem Montag zu demonstrieren, war dabei ein bewusstes Risiko. Da der Montag ein regulärer Werktag ist, konnten viele Selbstständige aus wirtschaftlicher Notwendigkeit nicht teilnehmen. Dennoch war die Präsenz stark genug, um die Aufmerksamkeit der Medien und der Politik zu erzwingen.

Prominente Unterstützung und politische Kritik

Trotz der breiten gesellschaftlichen Relevanz war die Liste der anwesenden Politiker kurz. Die Bürgermeisterin von Mogán, Onalia Bueno, war die einzige prominente politische Figur aus Gran Canaria, die sich aktiv unter die Demonstranten mischte. Ebenfalls vor Ort waren der bekannte Olympiamedaillengewinner Enhamed Enhamed sowie David Batista, der als „Drag Shiky“ durch seinen Auftritt bei der Karnevalsgala bekannt wurde, bei dem er symbolisch in einem Meer aus Rechnungen versank.

Onalia Bueno kritisierte das Fernbleiben ihrer Kollegen scharf. Sie vermutete, dass sich viele Politiker schämten, da ihre jeweiligen Regierungen den Verpflichtungen gegenüber den kleinen Betrieben nicht nachkämen. „Ich war selbst freiberuflich tätig und weiß genau, welche Opfer man bringen muss, um diesen Wohlfahrtsstaat am Laufen zu halten – und das fast ohne eigene Rechte“, so Bueno. Sie betonte zudem, dass es in ihrer Gemeinde Mogán möglich sei, Lieferanten innerhalb von durchschnittlich 25 Tagen zu bezahlen, und forderte andere Verwaltungen auf, diesem Beispiel zu folgen.

Ausblick: Ein friedlicher, aber entschlossener Appell
Die Demonstration verlief trotz der emotionalen Themen absolut friedlich und respektvoll. Die Organisatoren legten Wert darauf, dass es sich nicht um einen Angriff auf eine bestimmte Partei oder Institution handele, sondern um einen überparteilichen Weckruf.

Die Botschaft des Tages war unmissverständlich: Ohne die Millionen von Selbstständigen würde der Motor der spanischen Wirtschaft zum Stillstand kommen. Die Plattform 30N hat angekündigt, so lange weiterzumachen, bis konkrete gesetzliche Verbesserungen auf den Weg gebracht werden. Der Ball liegt nun im Spielfeld der Regierung in Madrid, die beweisen muss, dass ihr die Existenzgrundlage der kleinen Unternehmer mehr wert ist als nur warme Worte in Wahlkampfzeiten.

Weitere Artikel zum Thema:
2. Welle des Protests: Kanarische Selbstständige fordern „echte Reformen“, vom 27.02.2026
Selbstständige in Spanien gehen am 30. November auf die Straße – man fordert gleiche Rechte (völlig zu Recht!), vom 18.11.2025
PP schiebt Schuld an Misere der Selbstständigen der PSOE in die Schuhe, vom 10.12.2025

Frisches AMAZON TOP-Angebot eingetroffen, nicht verpassen!

Alle News immer sofort auf das Handy? Jetzt unseren Telegram-Kanal abonnieren.
Jetzt auch unseren WhatsApp-Kanal abonnieren, um immer die neusten News zu erhalten!
Infos-GranCanaria.com ist auch blei BlueSky! HIER folgen!

Ähnliche Beiträge

Aktuelle Corona-Daten zeigen mal wieder einen Rückgang bei Krankenhausbelegung

Thomas F. InfosGC

Corona Zahlen Kanaren aktuell: Heute „nur“ 87 Neuinfektionen gemeldet

Thomas F. InfosGC

Eurocup-Sieger CB Gran Canaria mit „Partytour“ im Cabildo & Los Alisios