Gran Canaria – Nach einer Serie von schweren Unwettern, die im verheerenden Sturm „Therese“ gipfelten, hat sich die Wassersituation auf Gran Canaria grundlegend gewandelt. Die Speicherkapazitäten der Insel sind auf ein Rekordniveau gestiegen und garantieren die Versorgung des Agrarsektors für die kommenden fünf Jahre.
In einer Pressekonferenz am Montag präsentierte Antonio Morales, der Präsident des Inselrats von Gran Canaria, beeindruckende Zahlen. Gemeinsam mit Miguel Hidalgo (Ratsherr für den Primärsektor) und Carmelo Santana (Leiter des Wasserrats) zog er Bilanz nach den turbulenten Monaten seit November 2025. Was als besorgniserregend trockener Winter begann, endete in einer „doppelt historischen“ Wetterlage.
Vom Wassermangel zur Rekordfüllung
Noch vor dem ersten Sturm des Winters, „Claudia“, war die Lage kritisch: Lediglich 2,3 Millionen Kubikmeter Wasser befanden sich in den Speichern der Insel. Durch die darauffolgenden Niederschläge und insbesondere durch die gewaltigen Regenmengen des Zyklons „Therese“ in der vergangenen Woche schoss dieser Wert auf 39 Millionen Kubikmeter empor. Das entspricht einer Steigerung um das 17-Fache im Vergleich zum Stand von Ende 2025.
Das Besondere an dieser Situation ist laut Morales die Verteilung der Niederschläge. Während sich Stauseen normalerweise nur punktuell füllen – je nachdem, ob ein Sturm aus dem Norden oder Südwesten kommt –, erlebte die Insel dieses Mal eine flächendeckende Bewässerung. Nahezu alle 35 Staudämme der Insel sind derzeit vollständig gefüllt und geben kontrolliert Wasser über ihre Überläufe ab.
Staudämme als Lebensversicherung und Schutzschild
Ein zentraler Punkt der Pressekonferenz war die Sicherheitsfunktion der Bauwerke. Morales räumte mit dem Missverständnis auf, dass überlaufende Dämme eine Gefahr darstellten. Im Gegenteil: Die Staudämme fungierten während der heftigen Regenfälle von „Therese“ als wichtige Puffer. Sie bremsten die Wassermassen in den Schluchten (Barrancos) ab, reduzierten die Fließgeschwindigkeit und verhinderten so schlimmere Schäden in tiefer gelegenen Wohngebieten.
„Ein Staudamm erhöht niemals die Niederschlagsmenge; er dämpft sie und lässt das Wasser kontrolliert ab“, erklärte der Inselpräsident.
Aktuell befinden sich sechs der sieben großen Stauseen im Besitz des Inselrats in der Phase der Entlastung. Lediglich der Chira-Staudamm bietet mit einem aktuellen Füllstand von 51 % noch nennenswerten Stauraum.
Ein „doppelt historisches“ Wetterereignis
Die Daten, die derzeit noch ausgewertet werden, sind außergewöhnlich. An der Nordküste, etwa in Arucas, wurden innerhalb kürzester Zeit 160 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen – ein absoluter Rekordwert für diese Region. In den Berglagen wie San Mateo fielen an nur einem Tag fast 400 Liter pro Quadratmeter. In der Summe erhielten viele Gebiete der Insel in nur einer Woche mehr Niederschlag als üblicherweise in einem gesamten Jahr.
Neben den sichtbaren Wassermassen in den Stauseen gibt es auch positive Nachrichten aus dem Untergrund. Der Grundwasserspiegel ist massiv angestiegen, was für die langfristige Regeneration der inselweiten Wasserreserven von entscheidender Bedeutung ist. Trotz der massiven Schäden durch Erdrutsche und die Gewalt des Sturms blickt die Inselverwaltung optimistisch auf die kommenden Jahre: Die Ernährungssouveränität und die Wasserversorgung der Landwirtschaft sind bis weit in das Jahr 2030 hinein abgesichert. – TF





