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Valleseco: Ein neuer Stausee als Lebensversicherung für die Landwirtschaft im Norden

Das Projekt kombiniert Infrastruktur mit Umweltschutz und Tourismusförderung.

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Valleseco – In den mittleren Höhenlagen Gran Canarias wird derzeit an einem der ambitioniertesten Infrastrukturprojekte der letzten Jahre gearbeitet. Die Gemeinde Valleseco hat in enger Abstimmung mit dem Verband der Nordgemeinden, dem Inselrat (Cabildo de Gran Canaria) und der Regierung der Kanarischen Inseln ein Projekt auf den Weg gebracht, das weit über eine reine Wasserreserve hinausgeht. Im Zentrum steht der Bau eines Stausees auf dem historischen Landgut Calderetas, der mit einem Fassungsvermögen von 60.000 Kubikmetern die landwirtschaftliche Zukunft der Region sichern soll.

Eine Antwort auf den Klimawandel
Der Ursprung dieses Vorhabens liegt in den Erfahrungen der vergangenen Jahre. Zwar gab es zuletzt Perioden mit ausreichend Niederschlag, doch die generelle Tendenz zu trockeneren Wintern hat die Landwirtschaft in Bedrängnis gebracht. Bürgermeister José Luis Rodríguez betont die Dringlichkeit: „Wir hatten massive Probleme bei der Bewässerung. Es traf nicht nur die Bauern in Valleseco, sondern auch die Kollegen in Teror, Firgas und den höher gelegenen Gebieten von Arucas.“

Die strategische Idee hinter dem Reservoir ist simpel, aber effektiv: In den feuchten Wintermonaten, wenn ein Wasserüberschuss besteht, wird das Becken gefüllt. In den kritischen Sommermonaten dient es dann als verlässlicher Speicher, um die Plantagen und Felder der umliegenden Gemeinden zu speisen. Das Projekt wurde bereits dem regionalen Landwirtschaftsministerium unter Narvay Quintero vorgelegt und soll fest in den Stauseeplan der Insel integriert werden.

Strategische Lage und technische Vernetzung

Die Wahl des Standorts Calderetas fiel nicht zufällig auf das im vergangenen Jahr für rund 450.000 Euro erworbene Anwesen. Geotechnische Untersuchungen haben bereits die Stabilität des Untergrunds bestätigt. Das Gelände ist zudem ideal in das bestehende Wassernetz eingebunden. Verbindungen zu lokalen Brunnen, der Crespo-Wassergalerie und insbesondere zum Staudamm La Cumbre sind bereits vorhanden oder geplant.

Letzterer spielt eine Schlüsselrolle in der regionalen Wasserstrategie, da eine Kopplung mit den großen Systemen von Chira und Soria angestrebt wird. Über einen speziellen Kanal soll es künftig möglich sein, Wasserressourcen flexibel dorthin zu leiten, wo sie am dringendsten benötigt werden. Während die primäre Nutzung der Landwirtschaft vorbehalten bleibt, hält sich die Gemeinde eine Hintertür offen: Durch den Bau einer optionalen Aufbereitungsanlage könnte das Wasser im Extremfall auch zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung herangezogen werden.

Mehr als nur ein Wasserspeicher: Natur- und Brandschutz
Ein besonderes Highlight der Planung ist die ökologische Integration des Bauwerks. Der Stausee soll mit acht schwimmenden Plattformen ausgestattet werden, die optisch die acht Kanarischen Inseln darstellen. Diese künstlichen Inseln dienen nicht nur der Ästhetik, sondern bieten wertvolle Nistplätze für die lokale Vogelwelt.

Gleichzeitig wurde bei der Konstruktion an die Sicherheit gedacht. Die Anordnung der Plattformen lässt genügend Freiraum, damit Hubschrauber der Brandbekämpfung im Notfall direkt Wasser aufnehmen können. Dies ist besonders wichtig, da Calderetas in einer strategisch wichtigen Zone für den Schutz der Wälder in den mittleren Höhenlagen liegt. Als weitere präventive Maßnahme gegen Waldbrände ist geplant, Schafe auf dem Gelände einzusetzen. Diese sollen das Wintergras auf natürliche Weise kurz halten und so die Brandlast im Sommer reduzieren.

Ökotourismus und Bürgerbeteiligung

Neben der Wasserwirtschaft sieht die Gemeinde Valleseco ein enormes Potenzial für den Tourismus. Die verfallenen Herrenhäuser und Ställe auf dem Anwesen sollen umfassend saniert werden, um dort ein Landhotel zu errichten. Ziel ist es, den ethnografischen Wert der Region zu erhalten und gleichzeitig den Ökotourismus zu stärken. „Wir wollen den lokalen Unternehmen helfen und einen Ort schaffen, an dem Erholung und Naturerhalt Hand in Hand gehen“, erklärt Rodríguez.

Ein entscheidender Faktor ist dabei die Meinung der Bürger. Die Verwaltung hat eine detaillierte Infografik erstellt, die im Rahmen eines Bürgerbeteiligungsverfahrens präsentiert wird. Da Anwohner das Gelände traditionell für Spaziergänge oder Freizeitaktivitäten nutzen, soll die Bevölkerung mitentscheiden, wie die verbleibenden Freiflächen und der geplante Parkplatz gestaltet werden.

Mit diesem ganzheitlichen Ansatz – von der Wassersicherung über den Brandschutz bis hin zum nachhaltigen Tourismus – könnte das Projekt Calderetas zu einem Vorzeigemodell für die gesamte Insel Gran Canaria werden. – TF

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