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Zement oder Tourismus? Kampf um Küstenabschnitt in Mogán entbrannt

Bild Info: Die Zemetfabrik der Ceisa-Gruppe in El Pajar (Arguineguin) hat eine auslafende Konzession, nun will der tourismus das Gebiet einnehmen. Bild: Screenshot GoogleEarth

Arguineguin – Viele kennen die Zementfabrik in el Pajar bei Arguineguin, diese steht ja schließlich auch schon seit 1957 an dieser Stelle der Insel. Nun ist ein Kampf entbrannt um genau diesen Standort, Zementfabrik oder Tourismus, ist die Kernfrage, die sich hier stellt. Der Anleger an der Zementfabrik gehört den Puertos Canarios und dafür läuft die Konzessionierung im Jahr 2020 wohl aus. Es werden derzeit mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen, die eine davon ist die Umwandlung in ein touristische Gebiet, denn der Küstenabschnitt würde sich dafür perfekt eignen.

Eine weitere Möglichkeit wäre die Verlängerung der Konzession für die Zementfabrik, denn schließlich hat diese in den über 60 Jahren des bestehen, auch weit vor dem Tourismus, schon Arbeitsplätze in der Region geschaffen und gesichert.

Die Gruppe Cordial Properties sieht die Zukunft klar im Tourismus und hat in der Nähe bereits damit begonnen auf einem Grundstück das Cordial Santa Agueda Resort zu bauen, es soll aus einem Komplex von Ferienhäusern mit zwei oder drei Schlafzimmern bestehen. Hinter der Gruppe steht die Hotelgruppe Cordial der Familie Castillo und der ehemalige Nationalspieler von Spanien, David Silva, er stammt ja aus Mogán. Der Generaldirektor der Gruppe Nicolás Villalobos definiert diesen Bereich der Südküste von Gran Canaria als „ein magisches Stück“. Er unterstreicht auch, dass die Zementfabrik eine Umweltsünde ist und eine „gefährliche sowie umweltschädliche Industrie darstellt“. Er ist sich auch sicher, dass die Konzession im Jahr 2020 endet und es keine Verlängerung mehr gibt, denn schließlich sind Zementfabriken für 6% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Auch wenn die negativen Auswirkungen heute lange nicht mehr so schlimm sind wie in den 1960er Jahren, denn auch hier hat sich die Technik verbessert, es ist jedoch „notwendig die Anforderungen der Umweltvorschriften der EU zu erfüllen“, so Villalobos weiter.

Die Unternehmensgruppe möchte sogar mit dem Betreiber der Zementfabrik, der Firma Ceisa, über die Aufläsung der Fabrik verhandeln, man will garantieren, dass die Menschen, die dort Arbeiten nicht auf der Straße landen. Also versucht man mit Menschlichkeit hier eine Lösung zu finden. Er behauptet allerdings das hier nur ein paar Dutzend Menschen betroffen wären, die Firma Ceisa gibt jedoch 200 direkte und 400 indirekte Arbeitsplätze an.

Villalobos ist sich so sicher, dass er die touristischen Pläne genauer erläutert, diese Umwandlung ist in mehrere Phasen unterteilt, „die erste hat bereits begonnen“, so Villalobos. Neben den Ferienunterkünften sollen dann auch ein Strandclub und eine Promenade entstehen die Stadt Arguineguin mit El Pajar verbinden wird. Man „freut sich die treibende Kraft zu sein und eine Transformation dieser Art voranzutreiben, sie wird Wohlstand erzeugen“, da ist er sich sicher. Der Kai, der derzeit von der Zementfabrik genutzt wird, soll dann auch zu einem Sporthafen umgebaut werden, etwa 500 Liegeplätze für kleine Boote und Yachten sollen hier entstehen. Es gibt aber auch die Idee hier kleine exklusive Kreuzfahrten starten zu lassen.

Die Zementfabrik könnte auch in den Hafen von Arinaga umziehen, so Villalobos, es müsste zwar eine „Millioneninvestition getätigt werden“, aber eine Möglichkeit wäre dies.

Allerdings scheint es derzeit nicht so einfach zu sein, sich hier zu einigen. Denn die Ceisa-Gruppe (Cementos Especiales de Las Islas) prüft derzeit alle rechtlichen Mittel und Wege um den Standort beizubehalten. Man denke nicht an einen besseren oder anderen Standort als den bestehenden, er sei für die „Weiterentwicklung der Aktivität ideal“.

Ursprünglich wurde die Zementfabrik 1957 an diesen Standort gebaut, weil man damals den Soria-Damm errichtete und der Steinbruch San José nur zwei Kilometer von dort entfernt liegt. Acht Jahre danach war das Produktionsvolumen der Fabrik schon verdreifacht, dann begann der Tourismus auf Gran Canaria zu wachsen. 1984 begann das Unternehmen mit dem Bai der Kaimauer, von dort aus konnte man dann auch die anderen Inseln beliefern. Vor der Wirtschaftskrise, bis 2008, produzierte das Unternehmen rund 1,3 Millionen Tonnen Zement pro Jahr. Dann platze die Immobilienblase und die Produktion kam fast zum Erliegen, im Jahr 2018 begann das Unternehmen sich wieder zu erholen und hat derzeit ein Produktionsvolumen von etwa 300.000 Tonnen. Dies entspricht etwa 5% mehr als 2017. Die Prognosen stehen auf weiteres Wachstum, denn es wird wieder viel gebaut auf den Kanarischen Inseln.

Da der Steinbruch San José eine Konzession bis zum Jahr 2046 hat, sei der Standort der Zementfabrik, so nah am Steinbruch, äußerst wichtig, die Konzession des Steinbruchs liegt auch bei der Ceisa-Gruppe, die kann diese sogar um weitere 30 Jahre verlängern. Laut Unternehmensangaben wird dies wohl auch passieren, denn der Steinbruch verfügt über ausreichende Kapazitäten bis zum Jahr 2076.

Vor einigen Monaten gab es wohl bereits eine Aussage des Direktors von Puertos Canarios, dass aus dem Dock ein Sporthafen werden soll. Allerdings gibt es auf Nachfragen keine weiteren Auskünfte. Hier scheinen voreilig Informationen herausgegeben worden zu sein. Es bleibt also abzuwarten, ob aus El Pajar ein neues touristisches Zentrum werden wird oder ob die Ceisa-Gruppe sich dort weiter halten kann. – TF

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