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Der „El Tigre“-Skandal: Kartell-Millionen, Korruption und schockierende Verbindungen ins Finanzamt

Fnianzamt als "Experte für Geldwäsche" beschäftigt...?

Lesedauer 4 Minuten

Spanien – Alejandro Salgado Vega, in der Unterwelt Europas besser bekannt als „El Tigre„, ist nicht nur ein gewöhnlicher Drogenhändler. Der 48-jährige Spanier, der im September 2026 von Europol auf die Liste der meistgesuchten Kriminellen des Kontinents gesetzt wurde, hat eine Organisation aufgebaut, die einem multinationalen Konzern gleicht. Im Zentrum seiner Operationen stand nicht nur der Schmuggel von tonnenweise Kokain – darunter auch Verbindungen zu einem massiven 13-Tonnen-Fund in Algeciras –, sondern auch die ausgeklügelte Geldwäsche. Die aktuellen Enthüllungen aus der „Operation Drahab“ zeigen nun, wie tief das kriminelle Netzwerk in die spanischen Institutionen eingedrungen ist. Besonders schockierend: Kontakte bis tief in die Steuerbehörden und die Justiz sollten die illegalen Millionen reinwaschen.

Der Plan von Mijas: Villen, Politiker und das Finanzamt

Im Fokus der Ermittler der Central Economic and Fiscal Crime Unit (UDEF) steht der geplante Kauf einer luxuriösen Finca in der Gemeinde Mijas an der Costa del Sol. Diese Immobilie sollte durch die gigantischen Gewinne aus dem Drogenhandel finanziert werden. Doch um ein solches Projekt ohne das Aufsehen der Behörden umzusetzen, benötigte das Kartell Insider-Wissen.

Hier kommt Jaime Sanz-Extremera, Deckname „Nachbar“, ins Spiel. Er genoss das absolute Vertrauen von „El Tigre“ und war der Architekt eines riesigen Netzwerks von Tarnfirmen, deren einziger Zweck es war, Profite durch Immobilienkäufe oder simulierte Rechnungsstellungen zu kanalisieren. Um die Finca in Mijas zu erbauen, bediente sich die Gruppe zudem eines Bauunternehmers mit dem Pseudonym „Pumuki“. Dieser prahlte laut den von der Polizei entschlüsselten Kommunikationen mit exzellenten „politischen Kontakten“ bis hin zu den Bürgermeistern von Marbella und Mijas.

Der eigentliche Skandal offenbart sich jedoch in den Verbindungen zum Finanzamt. Ende Dezember 2020 – mitten in der Hochphase der Corona-Pandemie – stand die Vertragsunterzeichnung für das Grundstück an. Die Chat-Protokolle der Kriminellen belegen, dass „Nachbar“ direkten Kontakt zu Mitarbeitern der Finanzbehörden pflegte. Diese Beamten gaben ihm genaue „Richtlinien für die Durchführung der Operation“. Am 22. Dezember 2020 fand laut Akten ein geheimes Treffen statt, bei dem detailliert besprochen wurde, wie das Drogengeld ohne das Auslösen von Geldwäsche-Verdachtsmeldungen in den legalen Wirtschaftskreislauf fließen könne.

„Der Staatsanwalt hat es mir gesagt“: Korruption auf höchster Ebene

Die Verstrickungen der Bande machten jedoch vor dem Finanzamt nicht halt. In den Ermittlungsakten wird deutlich, dass die Organisation auf höchster Managementebene Kontakte pflegte. So berichtete der Partner von „El Tigre“ in einer Nachricht, dass ein Treffen mit Finanzinspektoren durch einen ominösen „Staatsanwalt Ost“ eingefädelt worden sei. Zwar fehlen den Ermittlern in der aktuellen Phase der Untersuchung noch die letzten Daten, um diese hochrangigen Kontaktpersonen namentlich zu identifizieren, doch die Beweislage zeichnet das Bild eines zutiefst korrupten Systems, das die Machenschaften des Kartells mit Rat und Tat unterstützte.

Die „Banca de Dubái“ und die Schattenfinanzierung

Wie bewegt man Hunderte Millionen Euro, ohne dass das offizielle Bankensystem Alarm schlägt? Die Antwort von „El Tigre“ und seinen Verbündeten war die sogenannte „Banca de Dubái“ (intern auch als „Baway Bank“ bezeichnet). Dabei handelte es sich um ein klandestines Finanznetzwerk, das auf dem traditionellen „Hawala“-System basierte. Das Prinzip: Geld wird nicht physisch oder elektronisch über offizielle Konten transferiert, sondern durch ein globales Netzwerk von Vertrauenspersonen abgewickelt, die den Kontrollen der internationalen Finanzaufsicht entgehen.

Die „Operation Drahab“ brachte dieses System schließlich zu Fall. Die Aktion der Polizei war ein historischer Schlag gegen die Logistik der Drogenkartelle und endete mit 21 Festnahmen – 14 davon in Spanien, weitere in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten, den Niederlanden und Schweden. Zudem konnten die Behörden in diesem Zuge Vermögenswerte in Höhe von rund 20 Millionen Euro lokalisieren und einfrieren.

Der Fall Óscar Sánchez und der Geldgeber Cristóbal Villaverde

Die Tragweite des Einflusses von „El Tigre“ wird noch deutlicher, wenn man die weiteren involvierten Akteure betrachtet. Die Ermittlungen haben Überschneidungen mit dem beispiellosen Skandal um Óscar Sánchez Gil aufgedeckt, einem ehemaligen Chefinspektor der UDEF. Sánchez geriet in die Schlagzeilen, nachdem Ermittler in den Wänden seines Hauses und in seinem Büro unglaubliche 20 Millionen Euro in bar fanden – mutmaßliche Drogengelder, die durch Korruption gehortet wurden.

Ein weiterer entscheidender Akteur im Raum Málaga ist Cristóbal Villaverde. Er gilt als einer der wichtigsten Geldgeber für die Drogenbosse und als Architekt der „Banca de Dubái“. Die spanische Polizei konnte ihn im Juli festnehmen, als er nach einem Verwandtenbesuch an der Costa del Sol versuchte, vom Flughafen aus das Land zu verlassen. Laut den Ermittlern ist Villaverde ein Schlüsselspieler, der in Kolumbien als Millionär gilt und über „mehr als 100 Millionen an sauberen Geldern“ verfügen soll.

Der Anfang vom Ende: Das Schiff „Nehir“

Der Stein, der dieses riesige Konstrukt aus Drogen, Korruption und Geldwäsche ins Rollen brachte, fiel bereits im Februar 2021. Damals fingen die Behörden vor der Küste von Gijón das Schiff „Nehir“ ab. An Bord befanden sich 1.835 Kilogramm Kokain. Die Besatzung hatte zuvor verzweifelt versucht, das Schiff zu versenken und weitere 1.650 Kilogramm der illegalen Fracht im Meer verschwinden zu lassen. Die Gesamtladung von rund 3.500 Kilogramm offenbarte die schiere Macht der Logistik von „El Tigre“.

Während die Logistik-Mannschaft des Schiffes längst verurteilt ist, brauchten die Ermittler Jahre, um durch die Entschlüsselung kryptografischer Chats die wahren Hintermänner zu fassen. Zwar gelang es mit der Operation Drahab, die finanzielle Infrastruktur der größten internationalen Kokainlieferungen zu zerschlagen, doch das Gehirn der Organisation, Alejandro Salgado Vega, ist weiterhin auf der Flucht.

Der ARtikel wurde durch die Berichterstattung von La Razón inspiriert. – TF

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