Experten fordern Einschränkungen bei Schnellfähren wegen stark gestiegener Tötungen an Walen

Bild Info: Ein toter Wal auf den Kanarischen Inseln, dies kommt öfters vor, allerdings steigt die Rate an Todesfällen durch Schnellfähren massiv an. Bild: Screenshot Canarias7

Kanarische Inseln – Nachdem es immer wieder zu Kollisionen zwischen Walen und Schnellfähren in den Gewässern rund um die Kanarischen Inseln kommt, werden Stimmen lauter, das hier etwas geschehen müsse. Bisher gab es in diesem Jahr fünf Zusammenstöße zwischen Walen und Booten, alles Schnellfähren. Die Zahl mag auf den ersten Blick klein erscheinen, hat aber bei Experten Alarm ausgelöst, denn sie steigt! Normalerweise wurden bisher pro Jahr maximal 4 Zusammenstöße registriert. Die aktuelle Zahl wurde aber schon nach dreieinhalb Monaten registriert.

Pottwale sind wohl am stärksten gefährdet, was wohl daran liegt, dass diese Tiere hier häufig vorkommen. Seit dem Jahr 2000 wurden 950 tote Wale an die Küsten der Kanaren angespült, bei 840 wurde eine Autopsie durchgeführt, bei 494 Walen wurde eindeutig nachgewiesen, dass der Schiffsverkehr den Tod ausgelöst haben musste. Dies kann auch durch Sonar passieren, wenn die Tiere an Orientierung verlieren. Allerdings starben 18,6% (177 Tiere) durch direkten Kontakt mit einem Schiff. Alle zahlen stammen aus der Veterinär-Pathologie die Universität Las Palmas, der Leiter, Antonio Fernández stellte diese vor.

Er sagte auch, dass „wir ein schwerwiegendes Problem haben, welches von Experten analysiert wird und es müssten Entscheidungen getroffen werden, um Maßnahmen zu ergreifen, die diese Entwicklung abmildern“. Er führte zudem aus, dass ein Schnellboot bei einer Kollision mit einem Wal auch problemlos den Tod eines Tieres zwischen 10 und 20 Tonnen auslösen kann. Antonio Fernández sagte aber auch, dass „nicht die Pathologen dafür verantwortlich sind, ob es mehr oder weniger Seeverkehr geben werden muss oder ob und wo sich mehr oder weniger Tiere im Wasser befinden“.

Die Behörden auf den Kanaren haben allerdings keine Befugnisse hier gesetzlich einzugreifen, dafür ist der spanische Staat verantwortlich. Daher hat das Umweltministerium der Kanaren den Staat aufgefordert notwendige Maßnahmen zu prüfen und zu ergreifen, um diese Art von Unfällen zu vermeiden.

Das europäische Parlament beauftragte im Jahr 2004 Antonio Fernández für eine Studie, die nachgewiesen hatte, dass das Sonar bei U-Booten die Hauptursache für den Tod der Schnabelwale (Spitzschnauzen-Delfine) war, daraufhin wurde der Einsatz von Sonar in den Gewässern der Kanarischen Inseln verboten. „Die machte die Kanaren zu einem weltweiten Bezugspunkt für die Erhaltung von Walen“, so das Umweltministerium.

Da nun die Hauptursache für den Tod von Pottwalen auf den Kanarischen Inseln ebenfalls aufgedeckt wurden „ist es an der Zeit mögliche Lösungen anzusprechen“, sagte Antonio Fernández abschließend mit dem Hinweis auf die Vorschläge von Ben Magec.

Ben Magec Eccologistas en Acción hat auch bereits in dieser Woche auf das Problem hingewiesen und gefordert, dass die Geschwindigkeit der Schnellboote in den Gewässern der Kanaren reduziert werden müsse, zudem müssten Gebiete mit einer hohen Besiedlungsrate an Walen gemieden werden, die Schnellfähren und andere Boote müssten diese „umfahren“. Eine allgemeine Begrenzung der Schnellfähren sei auch denkbar. – TF

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