Kanaren – Die Kanarischen Inseln erleben derzeit ein wirtschaftliches Paradoxon: Während die Beschäftigungszahlen historische Höchststände erreichen, klafft die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinander als im Rest Spaniens. Der aktuelle Jahresbericht des Wirtschafts- und Sozialrats (CES) für das Jahr 2025 zeichnet ein deutliches Bild der Lage und mahnt dringenden Handlungsbedarf an.
Die nackten Zahlen: Eine Region unter Druck
Laut dem am Freitag vorgestellten Bericht liegt die Armutsrisikoquote auf den Kanaren bei 22,9 %. Damit ist die Quote fast fünf Prozentpunkte höher als der nationale Durchschnitt in Spanien (19,5 %). Noch deutlicher wird das Problem bei der sogenannten AROPE-Rate, die das Risiko für Armut oder soziale Ausgrenzung misst: Hier erreichen die Inseln einen Wert von 31,2 %, während der spanische Schnitt bei 25,7 % liegt.
Zwar haben sich die Daten im Vergleich zum Vorjahr leicht verbessert – 2024 lag die Armutsquote noch bei 24,6 % – doch der CES-Vorsitzende José Carlos Francisco Díaz betont, dass die sozialen Indikatoren weiterhin „verbesserungsfähig“ seien. Rund jeder fünfte Kanarier hat demnach massive Schwierigkeiten, seine Grundbedürfnisse zu decken.
Rekord-Beschäftigung trifft auf strukturelle Probleme
Das Jahr 2025 gilt wirtschaftlich eigentlich als Erfolg. Zum ersten Mal wurde die Marke von einer Million Erwerbstätigen auf den Inseln überschritten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) und das Pro-Kopf-Einkommen wuchsen sogar schneller als auf dem spanischen Festland. Warum kommt dieser Wohlstand nicht bei allen an?
Der Bericht identifiziert klare strukturelle Hürden:
- Wohnungsnot: Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist laut Regionalpräsident Fernando Clavijo das drängendste Problem. Die hohe finanzielle Belastung durch Mieten frisst die Lohnsteigerungen vieler Familien wieder auf.
- Prekäre Arbeit: Trotz der hohen Beschäftigungsquote kämpfen die Inseln mit Langzeitarbeitslosigkeit und zu vielen befristeten Verträgen.
- Bildung und Pflege: Hohe Schulabbrecherquoten und extrem lange Wartezeiten bei der Pflegebedürftigkeit bremsen die soziale Entwicklung zusätzlich.
Maßnahmen für die Zukunft
Um die Situation nachhaltig zu verbessern, fordert der Wirtschafts- und Sozialrat eine stärkere Verzahnung von Sozialleistungen und Beschäftigungsprogrammen. Ein umfassender Wohnungsbauplan soll zudem das Angebot an geschütztem Wohnraum erhöhen und die Auswirkungen von Ferienunterkünften in überlasteten Gebieten begrenzen.
Präsident Clavijo unterstrich, dass Beschäftigung zwar der wichtigste Motor für sozialen Aufstieg sei, man aber kritisch über die Angemessenheit der Löhne diskutieren müsse. Nur wenn die Gehälter mit den Lebenshaltungskosten Schritt halten, könne der wirtschaftliche Erfolg auch in der Breite der Gesellschaft ankommen.
Ausblick auf 2026
Trotz der sozialen Herausforderungen blickt der CES optimistisch auf das laufende Jahr. Für 2026 werden weiterhin positive Daten im Tourismussektor und auf dem Arbeitsmarkt erwartet. Die Aufgabe der Politik wird es nun sein, diesen Schwung zu nutzen, um die Kanarischen Inseln auch in sozialer Hinsicht wieder näher an den nationalen Durchschnitt heranzuführen. – TF
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