Las Palmas – Die Verkehrssituation in Las Palmas de Gran Canaria steht immer wieder im Zentrum intensiver Diskussionen rund um städtische Mobilität, ständige Staus und notwendige Nachhaltigkeit. Eine aktuelle und umfassende Studie des „Alphabet Mobility Forums“, einer regelmäßigen Untersuchung eines großen Mobilitätsdienstleisters, rückt die Hauptstadt der Kanarischen Inseln nun schonungslos ins Rampenlicht. Die Ergebnisse zeichnen ein eindeutiges Bild: Las Palmas de Gran Canaria gehört neben Toledo, Badajoz und den Festland-Metropolregionen Madrid und Barcelona zur absoluten Spitzengruppe in ganz Spanien, wenn es um die tägliche Nutzung des eigenen Autos geht.
Der tägliche Verkehrsinfarkt: Warum Las Palmas das Auto liebt
Insgesamt, so zeigt die Erhebung, greifen in den am stärksten betroffenen Gebieten mittlerweile 65 Prozent der Bevölkerung auf das Auto zurück, um sich im Alltag fortzubewegen. Diese ohnehin schon hohe Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um fünf Prozentpunkte gewachsen. Damit hat das Auto in seiner städtischen Nutzungshäufigkeit erstmals mit dem Fußverkehr gleichgezogen. Besonders in Las Palmas de Gran Canaria – einer Großstadt, die aufgrund ihrer langgezogenen Topografie zwischen Bergen und dem Atlantik verkehrstechnisch ohnehin stark eingeschränkt und belastet ist – spiegelt sich dieser Trend Tag für Tag auf den Straßen wider.
Trotz massiver Staus und regelmäßiger Überlastung der Hauptverkehrsadern bleibt der Pkw der absolute Favorit der Inselbewohner. Erst kürzlich kam es durch die zeitweise Schließung der Autobahn GC-3 und des Guiniguada-Viadukts zu einem enormen Verkehrschaos, bei dem bis zu 130.000 zusätzliche Fahrzeuge Ausweichrouten wie die Avenida Marítima blockierten. Solche Vorfälle ändern jedoch kaum etwas am grundsätzlichen Verhalten: Laut der Studie nutzen 48 Prozent der Menschen ihr Fahrzeug nach wie vor regelmäßig für Wege direkt im Stadtzentrum. Der Aufwärtstrend der letzten zwei Jahre hält somit völlig ungebremst an.
Bequemlichkeit vor Kosteneinsparung
Fragt man nach den Gründen für diese anhaltende Abhängigkeit, lautet die Antwort der meisten Befragten schlichtweg: Komfort. Für stolze 75 Prozent der Fahrer ist die persönliche Bequemlichkeit das absolut entscheidende Kriterium bei der Wahl des Verkehrsmittels. Erst mit deutlichem Abstand folgen Argumente wie die gesundheitsfördernde körperliche Bewegung (38 Prozent) oder mögliche wirtschaftliche Einsparungen, die lediglich 27 Prozent der Befragten als relevant erachten.
Diese harten Zahlen stellen die städtische Infrastruktur vor enorme Hürden. Die Verwaltung von Las Palmas versucht derzeit mit Millionenprojekten wie der sogenannten „MetroGuagua“ gegenzusteuern. Dieses geplante Schnellbussystem soll die stark frequentierten gelben Busse der städtischen Flotte (Guaguas Municipales) auf den wichtigsten innerstädtischen Achsen ergänzen und beschleunigen. Das ist dringend nötig, denn während klassische Busse (44 Prozent) und Züge (16 Prozent) spanienweit ihr Nutzungsniveau in etwa halten, verliert die U-Bahn an Boden und sinkt auf 26 Prozent. Da Las Palmas über kein eigenes U-Bahn-Netz verfügt, sind die Bewohner der Stadt praktisch komplett auf den straßengebundenen Nahverkehr und eben das eigene Auto angewiesen.
Die Kultur des Eigentums bremst die Mobilitätswende
Trotz aller Bemühungen um den öffentlichen Verkehr stufen 54 Prozent der Spanier das private Fahrzeug weiterhin als absolut unerlässlich für ihre alltäglichen Wege ein – ein besorgniserregender Anstieg um drei Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Die Kultur des Eigentums dominiert dabei massiv: 84 Prozent der Menschen bevorzugen den uneingeschränkten Besitz eines Fahrzeugs gegenüber flexiblen Carsharing- oder Mietmodellen.
Unter denjenigen, die dennoch auf den eigenen Wagen verzichten, kombinieren 35 Prozent verschiedene öffentliche Verkehrsmittel, das Fahrrad oder Fußwege miteinander. Es ist jedoch auffällig, dass 31 Prozent der Nicht-Autofahrer nicht aus reinem Umweltbewusstsein verzichten, sondern schlicht durch die hohen Gesamtkosten (Kaufpreis, Versicherung, Inspektionen und teure Parkgebühren) vom Autokauf abgehalten werden.
Der Fuhrpark veraltet: Sicherheit ist oft zweitrangig
Auch hinsichtlich der Erneuerung der Fahrzeuge agieren viele Autobesitzer äußerst zurückhaltend. Rund 37 Prozent der Fahrer denken erst an einen Austausch, wenn ihr Wagen deutlich über zehn Jahre alt ist. Ein schwerer mechanischer Defekt bleibt mit 81 Prozent der unangefochtene Hauptgrund für eine Neuanschaffung. Aspekte wie Verkehrssicherheit (27 Prozent) und Umweltfreundlichkeit (24 Prozent) wachsen als Kaufargumente nur sehr langsam heran. Während Metropolen wie Madrid und Barcelona mit schnellen Austauschzyklen von unter sieben Jahren glänzen, zeigt sich in konservativeren Regionen und in Insellagen oft ein anderes Bild. Dort zögert fast die Hälfte der Besitzer die Renovierung ihres Autos weit über ein Jahrzehnt hinaus, was wiederum Auswirkungen auf Emissionen und die Sicherheit im dichten Inselverkehr hat.
Zusammenfassend zeigt der Bericht unmissverständlich, dass auf dem Weg zu einer echten Verkehrswende in Las Palmas de Gran Canaria noch viel Überzeugungsarbeit und starke infrastrukturelle Veränderungen nötig sind. Solange der persönliche Komfort den täglichen Ärger im Stau überwiegt, behalten die Autos die Vorfahrt. – TF
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