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Umstieg im Kopf: Fast drei Viertel der Hauptstädter stehen hinter der MetroGuagua

74 % Zustimmung für MetroGuagua

Lesedauer 4 Minuten

Las Palmas – Die Mobilität in Las Palmas de Gran Canaria befindet sich in einem spürbaren Wandel. Die Vorab-Diagnose des neuen nachhaltigen städtischen Mobilitätsplans (Plan de Movilidad Urbana Sostenible, PMUS) belegt einen kontinuierlichen Rückgang der Nutzung von privaten Kraftfahrzeugen. Gleichzeitig offenbart die repräsentative Erhebung eine breite Zustimmung der Bevölkerung zum Bau des neuen Schnellbussystems MetroGuagua: Fast 74 Prozent der Bürgerinnen und Bürger der Inselhauptstadt befürworten das Infrastrukturprojekt.

Hohe Akzeptanz für die MetroGuagua in den Stadtteilen

Der Stadtrat für Mobilität der Stadt Las Palmas de Gran Canaria, José Eduardo Ramírez, präsentierte die Ergebnisse der Untersuchung im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche. Laut den Erhebungsdaten bewerten rund 10 Prozent der Befragten das Projekt als „ausgezeichnet“ und weitere 63 Prozent als „ziemlich gut“. Die höchste Zustimmung verzeichnen die Stadtteile La Paterna, Escaleritas, San Cristóbal und Arenales.

In der Bevölkerung gebe es zwar durchaus kritische Stimmen zur konkreten Abwicklung und zur Verzögerung der Bauarbeiten, das Verkehrskonzept an sich treffe jedoch auf eine solide Mehrheit, betonte Ramírez. Die vorliegenden Studienergebnisse sichern aus Sicht der Stadtverwaltung die Weiterführung der Arbeiten an dem kapazitätsstarken Busnetz ab.

Politische Debatte um die Infrastruktur der Hauptstadt

Auf politischer Ebene stößt das Projekt weiterhin auf Widerstand der Opposition. Die Partei Coalición Canaria (CC) sammelte in den vergangenen Monaten rund 7.000 Unterschriften gegen die Weiterführung der MetroGuagua. Mobilitätsstadtrat Ramírez (Municipalistas Primero Canarias) zeigte sich jedoch zuversichtlich, bestehende Meinungsverschiedenheiten auszuräumen.

Ramírez verwies dabei auf die Straßenbahn in Santa Cruz de Tenerife (Tranvía de Tenerife), die in der Nachbarprovinz von der gleichen Partei unterstützt wurde. Das Prinzip eines öffentlichen Verkehrssystems mit hoher Transportkapazität sei in beiden Städten vergleichbar. Die Verwaltung geht davon aus, dass die nun nachgewiesene breite Akzeptanz in der Bevölkerung als Grundlage dienen wird, um auch auf politischer Ebene eine Einigung zu erzielen. Die klare Ausrichtung auf die Fertigstellung der MetroGuagua soll fest im neuen PMUS verankert werden.

Deutlicher Rückgang der Autonutzung seit 2011

Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Veränderung der alltäglichen Verkehrsmittelwahl. Nach Angaben der Studienautoren ist der Anteil der Fahrten mit dem privaten Personenkraftwagen in den letzten Jahren drastisch gesunken. Während im Jahr 2011 noch rund 70 Prozent aller Wege in der Stadt mit dem Auto zurückgelegt wurden, fiel dieser Wert in der aktuellen Erhebung auf etwa 40 Prozent.

Juan del Río, Direktor des Marktforschungsinstituts TSA (Técnicos en Soluciones de Automoción), erklärte im Rahmen der Präsentation, dass dieser Rückgang nicht ausschließlich auf verkehrspolitische Maßnahmen zurückzuführen sei. Vielmehr spielten auch gesellschaftliche Trends eine Rolle. Bei jüngeren Bevölkerungsgruppen sei der Stellenwert des eigenen Führerscheins gesunken. Zudem beeinflussen gestiegene Treibstoffpreise und die allgemeinen Lebenshaltungskosten die Entscheidung gegen die Nutzung eines eigenen Fahrzeugs.

Öffentlicher Nahverkehr und Fußverkehr legen deutlich zu

Parallel zum Rückgang des Individualverkehrs gewinnen nachhaltige Mobilitätsformen deutlich an Marktanteil. Der Anteil der Fahrten mit den städtischen Bussen (Guaguas Municipales) stieg von zuvor 13 Prozent auf knapp 24 Prozent. Neben dem Ausbau von Busspuren und kürzeren Taktzeiten trug auch die eingeführte Kostenfreiheit für Vielfahrer zu diesem Anstieg bei.

Auch die Fortbewegung zu Fuß verzeichnet einen starken Zuwachs: Der Anteil der Wege, die im Stadtgebiet per pedes zurückgelegt werden, stieg von 15 Prozent auf 32 Prozent. Die durchschnittliche Gehzeit liegt dabei bei knapp zehn Minuten. Der Anteil der Fahrten mit Fahrrädern oder elektrischen Tretrollern (Vehículos de Movilidad Personal, VMP) wuchs von bescheidenen 0,4 Prozent im Jahr 2011 auf nunmehr 3 Prozent.

Fahrzeiten im Vergleich: Wahrnehmung unterscheidet sich von Realität

Ein interessantes Detail der PMUS-Studie betrifft den direkten Vergleich der Reisezeiten zwischen Bus und PKW. Die Daten zeigen, dass eine durchschnittliche Fahrt mit dem Stadtbus innerhalb der Stadt etwa 17 Minuten dauert – genau so lange wie eine durchschnittliche Autofahrt, wenn die Zeit für die Parkplatzsuche unberücksichtigt bleibt.

Dennoch gaben 39 Prozent der befragten Bürger an, das Gefühl zu haben, mit öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich länger unterwegs zu sein als mit dem eigenen Auto. Lediglich 6 Prozent der Befragten gaben an, die öffentlichen Busse wegen eines mangelhaften Linienangebots nicht zu nutzen.

Hinsichtlich des Ruhenden Verkehrs ergab die Studie, dass 34 Prozent der Autofahrer direkt an ihrem Zielort einen Parkplatz finden. Weitere 35 Prozent benötigen weniger als vier Minuten für die Parkplatzsuche. Insgesamt finden 94 Prozent aller erfassten Fahrten komplett innerhalb des Stadtgebiets von Las Palmas de Gran Canaria statt. Die Experten ermittelten ein Gesamtaufkommen von rund 776.833 Wegen pro Tag, was durchschnittlich 2,47 Wegen pro Einwohner entspricht. – TF

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