Explodierende Kosten bei der MetroGuagua schockieren die Bürger
Las Palmas de Gran Canaria steht vor einer der größten infrastrukturellen Herausforderungen seiner Geschichte. Das ambitionierte Nahverkehrsprojekt „MetroGuagua“, das eigentlich für eine massive Entlastung auf den Straßen sorgen sollte, entwickelt sich zunehmend zu einer enormen finanziellen Belastung. Neueste Zahlen belegen einen beispiellosen Kostenanstieg, der nicht nur die Anwohner, sondern auch Experten fassungslos zurücklässt. Besonders im Fokus der aktuellen Debatte steht die Hauptstation „Hoya de la Plata“. Was als zukunftsweisendes Vorzeigeobjekt für umweltfreundlichen Verkehr begann, droht nun die Haushaltskassen der Stadt ausbluten zu lassen.
Die Kostenexplosion der Station „Hoya de la Plata“
Die jüngsten Berichte offenbaren das drastische Ausmaß der finanziellen Fehlkalkulationen rund um das Projekt. Im Mittelpunkt der Kritik steht die geplante südliche Hauptstation Hoya de la Plata, die als zentrales Herzstück der neuen Trasse fungieren soll. Ursprünglich wurde der Bau dieser entscheidenden Infrastruktur mit einem Budget von rund 8,65 Millionen Euro veranschlagt. Doch dieser Vertrag wurde zwischenzeitlich aufgrund zahlreicher Unstimmigkeiten, Bauverzögerungen und Streitigkeiten mit den Auftragnehmern offiziell aufgelöst.
Der neue Planungsentwurf, der im September 2026 vorgelegt wurde, rechnet nun mit Baukosten in Höhe von unfassbaren 23,8 Millionen Euro. Dies entspricht fast einer Verdreifachung des ursprünglichen Preises für eine einzige Haltestelle. Begründet wird dieser dramatische Preisanstieg von offizieller Seite unter anderem mit den stark gestiegenen Preisen für Baumaterialien, der allgemeinen globalen Inflation sowie notwendigen, komplexen Anpassungen im Bauablauf. Für viele Bürger und Steuerzahler ist dieser finanzielle Sprung jedoch kaum noch nachvollziehbar. Die Station Hoya de la Plata ist unersetzlich, da hier die hochmodernen Schnellbusse gewartet, gereinigt und nachts abgestellt werden sollen. Ein Verzicht auf den Bau ist daher schlichtweg unmöglich, was die Stadtverwaltung massiv unter Zugzwang setzt.
Ein Projekt der Superlative – und seine dunklen Schattenseiten
Um die Tragweite der aktuellen Situation vollends zu verstehen, muss man einen Blick auf das Gesamtkonzept werfen. Bei der MetroGuagua handelt es sich um ein sogenanntes Bus-Rapid-Transit-System (BRT). Konkret bedeutet dies den Einsatz von 24 Meter langen, zu 100 Prozent elektrisch betriebenen Doppelgelenkbussen, die auf exklusiven, eigenen Spuren quer durch Las Palmas fahren. Sie funktionieren im Grunde wie eine Straßenbahn, benötigen aber keine Schienen. Das vorrangige Ziel ist es, die stark frequentierte Unterstadt vom Individualverkehr zu entlasten, Reisezeiten erheblich zu verkürzen und eine echte, umweltfreundliche Alternative zum Auto anzubieten. Jeder dieser hochmodernen Busse soll knapp 200 Personen fassen können.
Als das Großprojekt im Jahr 2017 feierlich angekündigt wurde, lag das Gesamtbudget noch bei gut 110 Millionen Euro. Die Fertigstellung und die feierliche Einweihung waren für das Jahr 2021 fest im Kalender markiert. Heute, im Herbst 2026, ist das System jedoch noch immer weit von einem vollständigen Betrieb entfernt. Schlimmer noch: Die Gesamtkosten für die Infrastruktur werden inzwischen auf mindestens 180 Millionen Euro geschätzt – also unglaubliche 70 Millionen Euro mehr als zu Beginn geplant. Selbst ein großzügiges Darlehen der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Höhe von 50 Millionen Euro reichte längst nicht aus, um die tiefen Löcher in der Projektfinanzierung nachhaltig zu stopfen.
Die endlosen Baustellen: Warum verzögert sich alles?
Die massiven Kostensteigerungen sind untrennbar mit den jahrelangen Verzögerungen verbunden. Die Baustellen der MetroGuagua ziehen sich aktuell wie ein roter Faden durch die gesamte Inselhauptstadt. Neben den gravierenden Problemen in Hoya de la Plata gab es auch beim Bau des unterirdischen Knotenpunkts am Parque Santa Catalina erhebliche Schwierigkeiten, die ebenfalls zu Vertragsauflösungen und Umplanungen führten, wir berichteten.
Die mit Abstand größte technische und finanzielle Herausforderung steht der Stadt jedoch erst noch bevor: Der Streckenabschnitt Vegueta – Frente Marítimo. Um die vierspurige Trasse für Autos sowie die exklusive Spur für die MetroGuagua an der Küste entlangführen zu können, müssen dem Meer aufwendig rund 50.000 Quadratmeter Land abgerungen werden. Solche massiven Eingriffe in die maritime Topografie sind nicht nur ingenieurtechnische Meisterleistungen, sondern bergen auch immense unvorhersehbare finanzielle Risiken. Erst kürzlich musste der Stadtrat weitere 3,8 Millionen Euro für dringend anstehende Arbeiten freigeben, um einen völligen Baustillstand zu verhindern.
Massive Auswirkungen auf den Alltag und die lokale Wirtschaft
Während die Kosten immer weiter in die Höhe schnellen, wächst der spürbare Frust bei Einheimischen, Pendlern und Geschäftsleuten. Seit Jahren quälen sich Autofahrer und Nutzer des klassischen öffentlichen Nahverkehrs durch unzählige Dauerbaustellen, unübersichtliche Straßensperrungen und zeitraubende Umleitungen. Besonders hart trifft es den lokalen Einzelhandel: In Zonen wie Mesa y López oder Vegueta klagen viele Geschäftsinhaber über massive Umsatzeinbußen, da ihre Läden aufgrund der tiefen Baugruben zeitweise kaum erreichbar waren.
Das städtische Verkehrsunternehmen Guaguas Municipales steht parallel vor der Herkulesaufgabe, den regulären Linienbetrieb trotz des Chaos aufrechtzuerhalten. Trotz aller Rückschläge wächst der Bedarf an öffentlicher Mobilität in der Stadt rasant an. Prognosen gehen davon aus, dass die städtischen Busse in Las Palmas im Jahr 2026 bis zu 53 Millionen Fahrgäste transportieren werden. Um diese enorme Nachfrage bewältigen zu können, hat das Unternehmen soeben die Anschaffung von 22 neuen Bussen angekündigt. Diese Zahlen beweisen eindrucksvoll: Die Bevölkerung auf Gran Canaria ist dringend auf einen hochfrequentierten und funktionierenden Nahverkehr angewiesen. Die MetroGuagua wäre die perfekte Lösung für all diese Probleme – vorausgesetzt, sie wird eines Tages Realität.
Fazit: Wie geht es nun für Las Palmas weiter?
Die aktuelle Realität sieht mehr als ernüchternd aus. Nach den neuesten Schätzungen ist mit einer vollständigen und reibungslosen Inbetriebnahme der MetroGuagua auf der gesamten Strecke nicht vor dem Jahr 2028 zu rechnen – sieben Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Die Historie dieses gigantischen Unterfangens ist mittlerweile ein klassisches Fallbeispiel dafür geworden, wie komplexe städtebauliche Großprojekte durch unvorhergesehene Hindernisse, nachträgliche Planungsänderungen und externe wirtschaftliche Faktoren drastisch aus dem Ruder laufen können.
Die neu veranschlagte Endstation an der Hoya de la Plata für fast 24 Millionen Euro muss zwangsläufig gebaut werden, um das gesamte System überhaupt erst logistisch funktionsfähig zu machen. Ein Zurück gibt es an diesem Punkt nicht mehr. Die Bürger von Las Palmas de Gran Canaria werden die weiteren Schritte der Lokalpolitik und der Bauunternehmen in den kommenden Jahren jedoch mit äußerst kritischen Augen verfolgen. Es bleibt nur zu hoffen, dass das fertige Netz am Ende den erhofften gewaltigen Nutzen bringt und die vielen Jahre voller Baulärm, Staus und explodierender Millionenkosten zumindest im Nachhinein rechtfertigt. – TF
Weitere Artikel zum Thema:
Erneuter Rückschlag für Metro-GuaGua in Las Palmas, vom 29.12.2025
Seit 8 Jahren baut man an der Metro-GuaGua – Und 4 Jahre ist man schon überfällig…, vom 28.06.2025
Staatsanwaltschaft der EU untersucht Bau der Metro GuaGua, vom 21.03.2025
Vertrag zum Bau der Metro-GuaGua am Parque Santa Catalina wird aufgekündigt, vom 09.08.2024 (inkl. weiterer Artikel)
Frisches AMAZON TOP-Angebot eingetroffen, nicht verpassen!
Alle News immer sofort auf das Handy? Jetzt unseren Telegram-Kanal abonnieren.
NEU: Folgen Sie Infos-GranCanaria.com direkt bei Google-News!
Jetzt auch unseren WhatsApp-Kanal abonnieren, um immer die neusten News zu erhalten!
Infos-GranCanaria.com ist auch blei BlueSky! HIER folgen!





