In diesem BLOG-Beitrag über Gran Canaria befassen wir uns mal wieder etwas mit der Geschichte der Insel. Diesmal schauen wir nach Las Palmas, denn mitten in der Stadt gab es mal einen Minigolfplatz!
Für viele Jahrzehnte im 20. Jahrhundert war der Santa Catalina Park der unangefochtene Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens in Las Palmas de Gran Canaria. Inmitten dieses geschäftigen Treibens befand sich ein heute fast vergessenes Wahrzeichen: ein beliebter Minigolfplatz, der Einheimische und Besucher bis in die frühen 1970er Jahre gleichermaßen begeisterte. Diese Anlage war weit mehr als nur ein Ort für Freizeitspiele; sie war ein stummer Zeuge der rasanten Stadtentwicklung und ein Symbol für eine längst vergangene Ära der kanarischen Hauptstadt.
Ein architektonischer Hauch von Miguel Martín Fernández de la Torre
Der Minigolfplatz bestach nicht nur durch seine zentrale Lage, sondern auch durch sein ganz besonderes Design. Die Gestaltung trug die unverkennbare Handschrift des renommierten Architekten Miguel Martín Fernández de la Torre, einem Pionier der rationalistischen Architektur auf den Kanarischen Inseln. Derselbe Architekt hatte im Jahr 1940 bereits das markante Touristeninformationszentrum im selben Park entworfen. Historische Aufzeichnungen belegen, dass Miguel Martín sogar ein spezielles Restaurant für die Minigolfanlage konzipiert hatte. Dieses gastronomische Projekt, das den Platz zu einem noch bedeutenderen Treffpunkt gemacht hätte, kam jedoch über die Planungsphase nie hinaus und wurde bedauerlicherweise nie verwirklicht.
Vom Hafenbesitz zum pulsierenden Zentrum der Stadt
Die administrative Geschichte des Geländes ist ebenso bewegt wie das Treiben auf dem Platz selbst. In den 1950er Jahren befand sich der Santa Catalina Park noch im Besitz der örtlichen Hafenbehörde, die maßgeblich für die Entwicklung des Hafens Puerto de la Luz zuständig war. Um die städtebauliche Entwicklung voranzutreiben, trat die Hafenbehörde ihre Eigentumsrechte zunächst an das Staatsvermögen ab. Nur zwei Jahre später erfolgte die endgültige Übertragung an den Stadtrat von Las Palmas de Gran Canaria, der zu dieser Zeit unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters Ramírez Bethencourt stand. Dieser entscheidende Wechsel ebnete den Weg für die weitere Integration des Parks in das alltägliche städtische Leben der Bürger.
Lolita Pluma und das lebendige Treiben der 1950er Jahre
Wie zentral der Minigolfplatz für das gesellschaftliche Leben war, hielt der kanarische Schriftsteller Orlando Hernández in seinem bekannten Buch „Santa Catalina Park“ fest. Er beschrieb das Areal als ein pulsierendes Zentrum voller Kontraste und Vitalität: „Es gibt Bars, Restaurants, Schuhgeschäfte, Spirituosenläden, Hotels, Basare, Friseure, Banken, Tabakläden und so weiter. Und das ist nur der wunderschöne Park selbst, denn die Geschäfte verteilen sich noch weiter auf die angrenzenden Straßen. In der rechteckigen Calle Comandante Franco findet man Schifffahrtsagenturen, Touristeninformationen sowie Taxi- und Bushaltestellen. Außerdem gibt es dort eine sehr beliebte Minigolfanlage“, schildert er detailliert.
Das Umfeld des Platzes war permanent bevölkert von Straßenhändlern, Malern, Schuhputzern und stadtbekannten Originalen. Die berühmteste Persönlichkeit jener Zeit war zweifellos Lolita Pluma. Wie historische Daten belegen, hieß sie mit bürgerlichem Namen María Dolores Rivero Hernández (1904–1987). Sie war eine exzentrische und überaus geliebte Ikone des Parks, die ihr Leben dem Füttern von Straßenkatzen und dem Verkauf von selbstgemachten Papierblumen widmete. Sie schlenderte tagtäglich am Minigolfplatz vorbei und verkörperte mit ihrer auffälligen Art die absolute Freiheit und das unverfälschte Leben des damaligen Las Palmas.
Der Verfall und die emotionale Ära der „Russischen Matrosen“
Trotz seiner anfänglichen Beliebtheit zeigte der einst so stolze Minigolfplatz zu Beginn der 1970er Jahre deutliche Anzeichen des Verfalls. Der damalige Stadtrat stand vor der schwierigen Entscheidung einer kostenintensiven Renovierung oder eines Neuanfangs. Man beschloss schließlich den Abriss der Anlage. Der Platz wurde neu gepflastert und grundlegend umgestaltet.
Im Volksmund erhielt das neu geschaffene Areal daraufhin sehr schnell den kuriosen Namen „Russischer Matrosenpark“ (Parque de los Marineros Rusos). Dieser Name stammte von den sowjetischen Seeleuten der gigantischen Fischereiflotten, die in jener Zeit zahlreich im Hafen von Las Palmas anlegten. Die russischen Matrosen nutzten genau diesen speziellen Bereich am ehemaligen Golfplatz, um auf ihre endgültige Einschiffung am nahen Santa Catalina Pier zu warten. Sie saßen dort stundenlang, schwer bepackt mit ihren städtischen Einkäufen – darunter typische Souvenirs wie spanische Puppen, Schuhe und große Stoffbündel, die sie für ihre Familien in der Heimat erstanden hatten.
Ein Stück Stadtgeschichte verschwindet für immer
Die allerletzten Spuren dieses geschichtsträchtigen Ortes verschwanden schließlich Anfang der 1980er Jahre völlig aus dem Stadtbild. Die Stadtverwaltung initiierte damals eine umfassende Erweiterung und Neugestaltung des gesamten Santa Catalina Parks. Dabei wurden die Flächen des ehemaligen Minigolfplatzes, der Platz der russischen Matrosen und das Areal rund um das alte „Haus des Tourismus“ zu einer einzigen großen, offenen Einheit zusammengelegt. Mit dieser tiefgreifenden architektonischen Maßnahme ging der intime, einzigartige Charakter des kleinen Golfplatzes unwiederbringlich verloren.
Heute erinnert im modernen Las Palmas nur noch sehr wenig an die kleinen Golfbälle, das fröhliche Lachen der Kinder und die faszinierenden, exzentrischen Charaktere, die einst diesen Ort maßgeblich prägten. Dennoch bleibt der alte Minigolfplatz im Santa Catalina Park ein überaus bedeutendes Kapitel in der Geschichte von Gran Canaria – ein magischer Ort, an dem sich lokaler Alltag, ambitionierte Stadtplanung und die internationale Seefahrt für einige unvergessliche Jahrzehnte auf engstem Raum begegneten. – TF
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