Infos Gran Canaria | Das Inselportal
Natur & UmweltNews

Grausamer Tod in der Natur: Wie eine weggeworfene Flasche auf den Kanaren zum Massengrab wird

Neben Flaschen sind auch Getränkedosen eine echte Gefahr!

Lesedauer 3 Minuten

Kanaren – Eine unbedacht in der Natur entsorgte Getränkedose oder Glasflasche wirkt auf den ersten Blick wie ein harmloses Ärgernis. Für die Tierwelt auf den Kanarischen Inseln stellen diese Abfälle jedoch eine schleichende und oft tödliche Bedrohung dar. Die Umweltbehörde sowie die Abteilung für Biodiversität der Kanarischen Regierung haben eine Aufklärungskampagne gestartet, um auf ein dramatisches Phänomen aufmerksam zu machen: Tausende Tiere sterben jedes Jahr qualvoll in den glatten Hüllen menschlichen Unrats.

Die schleichende Todesfalle: Wenn Erfrischungsgetränke zur Hölle werden

Getränkereste, Fruchtzucker, Alkohol und aromatische Duftstoffe in ausgetrunkenen Dosen und Flaschen wirken auf viele Tierarten wie ein magischer Anziehungspunkt. Auf der Suche nach Nahrung oder einem kühlen Unterschlupf klettern Insekten, Schnecken und kleine Reptilien durch die engen Öffnungen in das Innere der Behälter. Was als Futterquelle beginnt, wird rasch zu einer ausweglosen Kammer.

Die extrem glatten und steilen Innenwände von Glas- und Aluminiumbehältern verhindern, dass die Tiere aus eigener Kraft wieder ins Freie klettern können. Sobald die intensive kanarische Sonne auf die entsorgten Gefäße trifft, setzt ein fataler physikalischer Prozess ein: Im Inneren entsteht ein extremer Treibhauseffekt. Die Temperaturen steigen sprunghaft an, wodurch die gefangenen Geschöpfe innerhalb kürzester Zeit dehydrieren, ersticken oder den Hitzetod erleiden. Eine einzige weggeworfene Getränkedose kann so zur tödlichen Falle für mehr als 100 Wirbellose werden – darunter seltene und geschützte Arten, die ausschließlich auf den Kanaren heimisch sind.

Besonders betroffen von diesem Phänomen ist der geschützte Teide-Käfer (Pimelia ascendens) auf Teneriffa. Wie offizielle Daten der Kanarischen Regierung zur Umweltwarnung belegen, reicht bereits ein einziger Behälter aus, um eine ganze Population dieser endemischen Art lokal auszulöschen.

Qualvolles Endstadium auf Lanzarote: Mehr als 50 Eidechsen in einer einzigen Flasche erstickt

Das stille Sterben beschränkt sich keineswegs auf Insekten. Auch größere Wirbeltiere wie Eidechsen und Geckos tappen regelmäßig in die gläsernen und metallischen Fallen. Ein schockierendes Ausmaß dieser Umweltkatastrophe dokumentierten Naturschützer der Gruppe Desert Watch im geschützten Naturraum El Jable auf Lanzarote.

Eidechsenschädel in Flasche
Eidechsenschädel in Flasche by Rúmen Martín Fernández, übersetzt durch IGC

Wie ein Bericht der Cadena SER Lanzarote über Müllfallen aufdeckte, wurden mitten in diesem sensiblen Wüstengebiet 364 illegal entsorgte Glasflaschen entdeckt. In einer einzigen dieser Flaschen fanden die Helfer die vertrockneten Überreste von mehr als 50 Atlantischen Eidechsen (Gallotia atlantica) sowie mehreren Kanaren-Geckos. Die Tiere waren nacheinander auf der Suche nach Feuchtigkeit eingedrungen und verendeten qualvoll nebeneinander.

Über 1.800 Müll-Hotspots auf den Kanaren: Ein Problem von gigantischem Ausmaß

Die wissenschaftliche Kartierung im Rahmen des Projekts zur Erfassung und Bewertung von Lebensräumen und Arten auf den Kanarischen Inseln verdeutlicht, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt. In den geschützten Naturräumen des Archipels wurden bisher mehr als 1.800 Standorte identifiziert, an denen wild entsorgte Dosen und Flaschen das Ökosystem belasten.

Zudem weisen Experten darauf hin, dass Glas in der freien Natur bis zu 4.000 Jahre überdauern kann, ohne zu zerfallen. Jede nicht ordnungsgemäß entsorgte Flasche bleibt somit über Jahrhunderte hinweg eine aktive Todesfalle für unzählige Generationen von Tieren. Die Umweltbehörden rufen die Bevölkerung und Touristen daher zu absoluter Achtsamkeit auf: Sämtliche Abfälle müssen aus der Natur zurückgeführt werden, um das Überleben der einzigartigen kanarischen Fauna zu sichern. – TF

Frisches AMAZON TOP-Angebot eingetroffen, nicht verpassen!

Alle News immer sofort auf das Handy? Jetzt unseren Telegram-Kanal abonnieren.
NEU: Folgen Sie Infos-GranCanaria.com direkt bei Google-News!
Jetzt auch unseren WhatsApp-Kanal abonnieren, um immer die neusten News zu erhalten!
Infos-GranCanaria.com ist auch blei BlueSky! HIER folgen!

Ähnliche Beiträge

Mutmaßlicher Großmuttermörder bis Hauptverhandlung in Haft, ohne Kaution!

Thomas F. InfosGC

Große Militärübung auf den Kanaren zwischen dem 19. und 23. April 2021

Thomas F. InfosGC

Die Kanaren heben die Maskenpflicht in Gesundheitseinrichtungen wieder auf, bereits ab morgen!

Thomas F. InfosGC