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Preisexplosion im Tourismus? Warum denkt der Urlauber dies? Ein Erklärungsansatz

Bild Info: Auch in Playa del Inglés scheinen die Preise immer weiter zu steigen. Bild: Infos-GranCanaria.com

Kanarische Inseln – In den letzten Tagen wurden die neuen Daten aus der Tourismusbranche bekanntgegeben und alles deutet auf neue Rekorde hin. Nun mehren sich auch Aussagen von Lesern und Urlaubern, dass alles ja immer teurer wird. Dafür gibt es komplexe Gründe. Obwohl die Reiseveranstalter zum Saisonbeginn immer einen Richtwert herausgeben, fühlen die Urlauber etwas anderes. Beispielsweise sollte es auf den Kanaren in der Saison 2017 um ca. 4% teurer werden und in der Türkei um ca. 5% billiger.

Viele Urlauber haben aber festgestellt, dass man für sein Lieblingshotel gut auch mal 20% mehr zahlt als noch 2016. Doch woran liegt das?

Zum einen ist die Preisinformation der Veranstalter nur ein Richtwert, der sehr komplex ausgerechnet wird und ALLE Hotels beinhaltet, die der Veranstalter im aktuellen Katalog für das Reiseziel anbietet, dies verfälscht sehr schnell die Werte für einzelne Hotels. Andererseits haben viele Veranstalter sich höhere Kontingente gesichert, was dazu führt, das automatisch die Preise steigen, denn hier greift der alte Spruch „Angebot und Nachfrage regulieren den Preis“. Allerdings liegt es oft auch nicht an den Hotels allein, sondern wenn ein Veranstalter sich nahezu exklusiv in ein Hotel einkauft bestimmt er allein den Preis. Manche Veranstalter kaufen sich auch mit europäischen Förderkrediten (EIB-Kredite) gleich das ganze Hotel für 1 oder 2 Jahre und bestimmen somit alles allein.

Viele Hotels haben auch Renovierungsarbeiten durchgeführt, wenn dies im Lieblingshotel passiert ist, ist es durchaus normal, dass die Kosten gestiegen sind, denn diese Arbeiten müssen auch bezahlt werden.

Andere Faktoren wie Steuern, Treibstoff für Flüge etc. werden in den Kalkulationen ebenfalls berücksichtigt. Sollte also das Kerosin in Deutschland, zum Betanken der Flugzeuge, teurer geworden sein wird auch die Reise teurer. Sollte (wie letztes Jahr geschehen) eine neue Steuer eingeführt werden muss dies für die neuen Preise berücksichtigt werden. So kann es beispielsweise dazu kommen, dass in einem günstigen Hotel die Preise sogar gesunken sind, aber die Reise trotzdem teurer wird.

Ein ganz anderer Faktor ist der Zeitpunkt der Buchung. War es für das Urlaubsjahr 2016 noch so, dass man locker erst im Februar buchen konnte und nahezu den gleichen Preis wie 2015 zahlte, musste man dies in diesem Jahr bereits im Januar getan haben. Denn viele Veranstalter haben die Frühbucher-Rabatte bereits im Februar abgestellt, da die Nachfrage einfach zu hoch ist. Auch daher ergibt es sich für viele Urlauber, dass man denkt, es sei 20% teurer geworden, ist es aber faktisch nicht.

Und trotzdem gibt es auch Hotelbetreiber, die sich einfach nur die Taschen voll machen wollen aufgrund der aktuellen Marktlage. Diese haben z.B. in den letzten zwei bis drei Jahren nichts in die Anlage investiert und schrauben die Preise selbst um einen nicht unerheblichen Faktor hinauf. Auch hier gibt es sicherlich den einen oder anderen Betreiber, der nicht anders kann, erst vor kurzem wurde klar, dass Mieten extrem gestiegen sind, dies betrifft auch die Ferienanlagen! Denn meist ist der Betreiber nicht auch der Eigentümer der Anlage, sondern zahlt für die Anlage eine Pacht, der eigentliche Eigentümer hat aber kräftig an der Preisschraube gedreht.

Insiderwissen:
Verträge von Veranstaltern mit Hotels werden in der Regel auf den Kanaren im Rhythmus von 6 Monaten gemacht, also von November bis April (Wintersaison) und Mai bis Oktober (Sommersaison). Auch da kann es innerhalb des laufenden Jahres nochmals zu Preisschwankungen kommen. Die Verträge werden allerdings in der Regel gut 4-5 Monate vor der eigentlichen Saison abgeschlossen, also kann man heute schon bis April 2018 problemlos Pauschalreisen nach Gran Canaria buchen. Alles in allem (wir haben immer wieder darauf hingewiesen) gilt, je früher man bucht, desto mehr Auswahl und günstigere Preise findet man. – TF

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