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Das Gesundheitssystem in Spanien – Eines der besten Systeme der Welt!?
Bild Info: Operationen im Krankenhaus. Bild: Archiv

Das Gesundheitssystem in Spanien – Eines der besten Systeme der Welt!?

Öfters erhalten wir auch Fragen zum spanischen Gesundheitssystem, diese dürfen wir aus rechtlichen Gründen nicht immer vollumfänglich beantworten. Aber wir können hier einmal auf die grundlegenden Fakten des spanischen Gesundheitssystems eingehen, denn es zählt zu einem der besten der Welt. Auch wenn man dies erstmal nicht glauben mag, aber Spanien hat einen Gesundheitsindex von 89,6 von 100 Punkten und liegt damit weltweit auf dem 7. Platz, zusammen mit Finnland. Das beste Land ist im Übrigen Andorra mit einem HAQ-Index von 94,6 Punkten. Island, Schweiz, Norwegen und Schweden aus Europa sowie Australien liegen noch dazwischen und dann kommt Spanien. Zum Vergleich, Deutschland belegt lediglich den 20. Platz mit einem HAQ-Index von 86,4. Auf dem letzten Platz liegt derzeit die Zentralafrikanische Republik mit einem HAQ-Index von lediglich 28,6 Punkten. Die Daten stammen aus einer internationalen Studie des Jahres 2015 unter der Leitung von Christopher Murray von der University of Washington in Seattle. Sie wurde HIER veröffentlicht.

Nun ist die Studie zwar schon ein paar Jahre alt, aber an der grundlegenden Position hat sich nichts verändert. Denn auch laut WHO liegt Spanien mit einem Indexwert von 0,972 auf dem 7. Platz weltweit. Hier sind jedoch Frankreich (0,994), Italien (0,991), San Marino (0,988), Andorra (0,982), Malta (0,978) und Singapur (0,973) auf den Plätzen vor Spanien. Hier landet Deutschland nur auf Platz 25 mit einem Indexwert von 0,902. Das System der WHO berücksichtigt diverse Faktoren wie Durchschnittsalter, allgemeine Gesundheit in den Ländern, Kosten etc.

Man kann also sehen, dass verschiedene Studien zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Die erste betrachtet lediglich die Todesraten diverse Krankheiten die eigentlich heilbar sind. Dazu zählten Krankheiten wie Tuberkulose, Tetanus, Hoden- oder Gebärmutterkrebs. Die Studie der WHO ist etwas tief greifender angelegt und spiegelt das gesamte Gesundheitssystem wieder.

Doch warum schneidet Spanien wirklich so gut ab?

Krankenwagen
Krankenwagen SUC

Nun dafür gibt es einige Faktoren wie beispielsweise die Abdeckung, 98,9% der Bevölkerung haben Anspruch auf kostenlose Gesundheitsversorgung in Spanien. Da das System durch ein Steuersystem finanziert wird, ist es nicht ganz so anfällig, wie beispielsweise das System in Deutschland. Etwa 10% des BIP werden in Spanien für das Gesundheitssystem ausgegeben. Wie in Deutschland auch gibt es in Spanien zudem einen privaten Sektor, etwa 15% der Bevölkerung nutzen diesen Sektor regelmäßig, da dieser auch etwas kostspielig ist, aber das kennt man ja. Insgesamt verfügt das Land über rund vier Ärzte pro 1.000 Einwohner, auch damit liegt man im EU-Vergleich auf dem 6. Platz recht weit vorne.

Sie haben Anspruch auf kostenlose staatliche Gesundheitsversorgung, wenn Sie eines der folgenden Kriterien erfüllen:

• in Spanien wohnhaft und beschäftigt oder selbstständig, es werden Sozialabgaben gezahlt
• in Spanien wohnhaft und beziehen bestimmte staatliche Leistungen
• Wohnsitz in Spanien und kürzlich geschieden oder von einem bei der Sozialversicherung registrierten Partner getrennt
• ein Kind mit Wohnsitz in Spanien
• eine schwangere Frau mit Wohnsitz in Spanien
• unter 26 Jahren und derzeitiges Studium in Spanien
• ein staatlicher Rentner
• vorübergehend in Spanien bleiben und eine EHIC-Karte besitzen

Doch wie kann man das spanische Gesundheitssystem nutzen?

Zunächst müssen Sie sich bei der „Seguridad Social“ (Sozialversicherung) registrieren, das erledigt auch das Gesundheitszentrum für Sie, die sogenannten „Centros de Salud“. Anschließend steht das System für Sie bereit, ein Allgemeinmediziner wird zugewiesen, den kann man ggf. auch einmal pro Jahr wechseln, wenn man dies möchte. Einen Termin beim Allgemeinmediziner, der hier den Hausarzt ersetzt, bekommt man in der Regel binnen 24 Stunden, sollte es mal besonders viel zu tun geben, muss man ggf. auch 2–4 Tage warten, dies passiert bei rund 8% der Patienten.

Wenn man einen Spezialisten benötigt, dann wird es schon komplizierter, je nach Art der Erkrankung und/oder Schwere kann die Wartezeit recht lange ausfallen. Aus eigener Erfahrung können wir berichten, dass ein Termin für eine Schlafstörungsuntersuchung etwa 8 Monate später vergeben wurde. Routineuntersuchungen werden nahezu alle im Centro de Salud durchgeführt, Blutbilder, Röntgen etc. Bei der Blutabnahme muss man sich umgewöhnen, denn diese findet nur zu bestimmten Zeiten statt und alle Patienten versammeln sich dann dort, es wirkt ein wenig wie auf der „Schlachtbank“, da hier auch gut und gerne 3–4 Patienten nebeneinander Sitzen und das Blut wird abgenommen.

Notfälle und andere Dienste des spanischen Gesundheitssystems

Alle öffentlichen Krankenhäuser verfügen über eine 24-Stunden-Notaufnahme. In jeder spanischen Verwaltungsregion gibt es mindestens ein großes öffentliches Krankenhaus, das mit modernster Technologie und qualifiziertem Personal für hochspezialisierte Behandlungen ausgestattet ist.

Wie in den meisten europäischen Ländern gibt es Wartelisten für Wahloperationen, die keinen Notfall darstellen. Den Patienten werden keine Kosten für ärztliche oder Krankenhausdienste im öffentlichen Sektor in Rechnung gestellt, sie müssen aber ca. 40% der Kosten für außerhalb des Krankenhauses verschriebene Arzneimittel selbst tragen.

Zahnärzte zählen in Spanien nicht zum staatlichen Gesundheitssystem und man muss dafür einen privaten Arzt aufsuchen, dieser kassiert für jede Behandlung. Wobei dies deutlich günstiger ausfällt als in Deutschland die Zuzahlung der Kassenpatienten. Man kann aber auch hier eine private Versicherung abschließen, ist dann aber an eine Arztliste gebunden, oder die Versicherung wird teurer und man hat freie Arztwahl.

Apotheken (hier in unserem Branchenbuch zu finden) heißen in Spanien “Farmacias”. Sie sind an einem leuchtenden grünen Kreuz an der Frontseite oder im Schaufenster der Apotheke zu erkennen. In Apotheken bekommen Sie alle verschreibungspflichtigen und rezeptfreien Arzneimittel. Allerdings sind viele Arzneimittel, für die Sie in Ihrem Land ein Rezept brauchen, in Spanien ohne Verschreibung erhältlich. Bitte beachten Sie, dass auch in Spanien keine Apotheke 24-Stunden-Dienst anbietet, auch hier gibt es Notdienste, die an den Apotheken ausgewiesen sind oder der lokalen Presse entnommen werden können.

Wir hoffen, das wir Ihnen mit diesem Bericht über das spanische Gesundheitssystem einen kleinen Einblick verschaffen konnten und wünschen Ihnen immer gute Gesundheit, egal welches Gesundheitssystem Sie nutzen können oder müssen!

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