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Gastronomiebetriebe in den Städten steht auch vor dem Aus

Kanarische Inseln – Die Gastronomie ist neben der Tourismusbranche und Eventbranche die Branche die am stärksten von der Coronapandemie betroffen ist. Dabei geht es nicht nur um die Gastronomie, die in den touristischen Zonen angesiedelt ist. Auch die anderen Gastronomiebetriebe sind schwer betroffen. Hier ganz besonders in den Zonen, in denen sich viele Büros und Verwaltungsgebäude befinden. Durch die Umstellung auf Homeoffice brach der Umsatz dieser Gastronomiebetriebe um bis zu 70 % ein.

Fast leere Gastronomiebetriebe, leere Terrassen und geschlossene Cafés sowie Eigentümer, die sich um die Zukunft sorgen, das ist es, was man in diesen Zonen vorfindet. Da die meisten Angestellten, die Chance für das Homeoffice nutzen, und zwar bis zum Maximum, brach bei den Gastronomiebetrieben fast das gesamte Frühstück weg und auch der Kaffee zur Mittagspause oder zum Feierabend ist sehr schwer zurückgegangen. Diese Bild zeigt sich ganz besonders in den Teilen der Inseln, in denen die meisten Bürogebäude und Verwaltungen stehen.

So ist die Lage in Las Palmas

Canarias7 hat mit ein paar Betreibern gesprochen. Darunter auch Magdalena Lascheri, Sie ist Inhaberin der Cafeteria Flor de Sol. Sie sagt „es ist eine Katastrophe“. Sie betreibt die Cafeteria seit 5 Jahren und es lief gut, doch eine solche Situation hatte Sie in den ganzen 5 Jahren noch nicht erlebt. „Das ist das Schlimmste, was wir je durchgemacht haben. Es gab nichts Vergleichbares. Es ist ein Albtraum, alle Reden vom Süden, der bei null steht. Aber hier in der Stadt ist es genau das gleiche“. Am Tag des Interviews waren zum Frühstück nur 2 Tische besetzt. Die Cafeteria ist seit dem Ende des Lockdowns im Juni wieder offen, „es gab bessere und schlechtere Tage“, so Lascheri, „aber im Allgemeinen gibt es nur sehr wenig Bewegung. Es ist sehr schwer, aber wir sind zuversichtlich, dass wir weiterkommen können“. Sie bittet auch die Bevölkerung, das Haus zu verlassen und mit den Vorsichtsmaßnahmen ein normales Leben zu führen. „Es gibt eine menge Unsicherheit und ich verstehe, dass die Menschen Angst haben und sparen, aber die Wirtschaft wird von uns Menschen angetrieben. Wenn sie zu Hause bleiben und nicht konsumieren, sinkt die Wirtschaftsleistung“.

Überall das gleiche Bild

Das Hauptproblem bei Magdalena Lascheri ist, das alle Kosten ganz normal weiterlaufen. Die gleichen Probleme gibt es überall. Sei es Miete, Versicherung, Strom und Wasser, diese Kosten können erdrückend sein. Sie selbst konnte sich nicht mit dem Eigentümer auf ein sicheres Mietmodell einigen. „Im Lockdown haben wir mit Bringdienst angefangen, damit wenigstens etwas Geld in die Kasse kommt, dies deckte so gerade die Kosten“. Sie hat einen Angestellten.

Auf der anderen Seite hat auch Javier González, der Inhaber der La Prensa Bar die fast gleichen Probleme. Er betreibt die Bar seit 16 Jahren und hat 3 Angestellte, einer davon befindet sich noch im ERTE. Er hatte jedoch etwas mehr Glück und der Eigentümer verlangte während dem Lockdown die Miete für die Bar nicht. So hat er es bis zum heutigen Tag ausgehalten. „Der Aktivitätsrückgang in den Büros ist sehr spürbar. Der Umsatz ist um die Hälfte gesunken, da unsere Hauptkunden die Beamten aus den Büros sind und im Moment kommen diese nicht ins Büro. Ich hoffe, ich kann durchhalten“.

Ein weiterer Betreiber, Javier Martinez Camalich (Akimim Cafeteria) hat eine leicht anders gelagerte Situation. Er betreibt die Cafeteria seit 2012 und muss keine Miete zahlen. Allerdings ist die Hypothek für den Kauf der Cafeteria noch nicht abbezahlt. Sein Umsatz ist zwischen 50 und 70 % eingebrochen, während die Kosten gleich geblieben sind. Sein einziger Mitarbeiter befindet sich ebenfalls im ERTE. „Die besten Tage während der Pandemie erreichen nicht einmal die schlechtesten Tage von vor der Pandemie“. Er sagte abschließend, „ich bin autonom und muss weitermachen, denn wenn nicht, was soll ich dann tun?“.

ERTE allein hilft nicht mehr

Der Präsident des Verbandes für Bars, Cafeterien und Restaurants in Las Palmas (AECBR), Fermín Sánchez bedauert, das trotzt der Situation, die der Sektor auf den Kanarischen Inseln durchläuft, 25 % der Unternehmen in den Städten und Gemeinden geschlossen sind, 90 % sind es im Süden. Das neue ERTE zwingt die Gastronomie aber dazu, ausnahmslos die Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Bisher waren 90 % durch den Staat gedeckelt. „Wir zahlen zwar kein Gehalt, aber die Ausgaben für die Sozialversicherung müssen nun bezahlt werden, das macht bis zu 32 % der Gesamtkosten aus“, so Sánchez. Er fragt sich, wie ein Unternehmen, welches derzeit geschlossen hat oder kaum Umsatz generiert diese Kosten tragen soll. „Bei vier Arbeitnehmern beträgt die monatliche Gebühr schnell mal 3.500 Euro, der einzige Ausweg wird die komplette Schließung sein“.

Es gibt zwar noch keine offiziellen Daten, aber in den letzten Wochen hat die Zahl der Schließungen auf den Kanaren deutlich zugenommen, erklärte Sánchez weiter. „Es wird so weitergehen. Auf nationaler Ebene, schätzen die Verbände, dass bis Ende des Jahres 2020 rund 65.000 Gastronomiebetriebe in Spanien verschwinden werden, davon auch viele auf den Kanarischen Inseln“.

Sánchez fordert von der Politik mehr „Sensibilität“ gegenüber dem Sektor. „Wir sind Opfer der Ineffektivität unserer Politiker“, die einzige Hoffnung liegt derzeit auf dem Tourismus. – TF

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