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Hilfen für Selbstständige “unzureichend”, trotzdem werden es immer mehr

Putzfrau
Bild Info: Dienstleistungen (hier Putzen) sind oft gewählte Tätigkeitsfelder - BILD: Archiv

Kanarische Inseln – Der Verband der Autonomos (ATA) auf den Kanarischen Inseln sieht die aktuellen Hilfsmaßnahmen der Regierung für Selbstständige als unzureichend an. Der Präsident des Verbandes auf den Inseln, Juan Carlos Arricivita sprach von einer „schwierigen Situation“, die diese Gruppe angesichts des durch die Pandemie verursachten Rückganges in der Nachfrage von Verbrauchern erleidet. Die bisher geleisteten Hilfen sieht er als „unzureichend“ an.

Arricivita denkt, dass neue Maßnahmen „zwingend erforderlich sind“. Er befürchtet, dass „das Schlimmste noch kommt“. Er bezieht sich auf den Herbst und Winter 2020. Denn die Zahl der Arbeitslosen wird unaufhaltsam steigen, dieser Rückgang wird zu weiteren Einbrüchen in der Nachfrage führen. „Der Winter wird er hart werden“, sagte er.

ATA geht davon aus, dass nach dem Sommer die größte Zerstörung in der Wirtschaft einsetzten wird. Sowohl Unternehmen als auch Arbeitsplätze werden vernichtet werden. Daher müssten Maßnahmen erfolgen, die „so bald wie möglich diese Unternehmen und Selbstständigen schützen“.

Ein Vorschlag ist es, das ERTE-Programm bis mindestens zum Ende des ersten Quartals 2021 zu verlängern. Ebenso die Hilfe für Autonomos (Cese de Actividad). Wobei letztendlich nur einer von drei Selbstständigen die Beihilfen des Staates überhaupt bekommt. Es wird vieles über Kredite (ICOs) gesteuert, das wird vermutlich zu einem Kollaps führen. Zwar nicht jetzt aber dann, wenn die Kredite fällig werden. Also ab dem Frühjahr 2021.

Trotzdem gibt es immer mehr Selbstständige auf den Kanaren

Obwohl die Situation für die Selbstständigen sehr besorgniserregend ist, ist die Zahl der Autonomos auf den Kanarischen Inseln deutlich gestiegen. Diesen Trend konnte man auch in der Wirtschaftskrise 2008 beobachten. Im zweiten Quartal 2020 stieg die Zahl der Autonomos auf den Kanarischen Inseln sprunghaft an. Laut INE stieg die Zahl der Selbstständigen von Quartal 1 auf Quartal 2 um 1.540 Personen an. Insgesamt sind derzeit 132.220 Menschen auf den Kanaren als Selbstständig (mit oder ohne Angestellte) registriert.

Vergleicht man den Wert mit dem Vorjahresquartal, so werden die Zahlen noch deutlicher. Insgesamt sind es demnach 26.590 Selbstständige mehr.

Schaut man auf Soloselbstständige, also ohne Angestellte, so stieg die Zahl sogar um 14,4 % verglichen mit dem Quartal 1 bzw. um 81 % verglichen mit Quartal 2 des Jahres 2019. Die Zahl der Selbstständigen mit Angestellten sank hingegen um 13,14 % verglichen mit dem Quartal 2 des Jahres 2019.

Laut Wirtschaftswissenschaftler José Miguel González zeigen diese Zahlen das eigentliche Problem. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze wird immer geringer und die Menschen versuchen sich in eine Selbstständigkeit zu retten, damit wenigstens irgendein Geldbetrag im Monat in die Haushaltskasse kommt. Es gibt zwar Unternehmen, die nun eher mit Autonomos arbeiten, als diese Menschen fest anzustellen, aber die Gefahr ist groß, dass die Menschen als Autonomo scheitern. Auch hier gilt, Angebot und Nachfrage reguliert den Markt. González erinnert sich, dass in der Krise 2008 etwa 70 % der Selbstständigen schon innerhalb des ersten Jahres gescheitert waren.

Man kann sich zwar das gesamte Arbeitslosengeld für eine Unternehmensgründung auszahlen lassen, sprich, wenn man Anspruch für 12 Monate hat, kann man diese Gelder in einem Schlag bekommen. Aber ohne einen richtigen Businessplan ist man meist zum Scheitern verurteilt. Daher denkt auch der Ökonom, dass den Menschen mehr geholfen werden muss. – TF

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