Kanaren – Der spanische Flughafenbetreiber Aena hat die Einführung einer umstrittenen Gebühr für Reisebusse und Transferfahrzeuge an zwei Hauptflughäfen der Kanarischen Inseln vorerst ausgesetzt. Die Erhebung der Entgelte an den Flughäfen Teneriffa Süd und César Manrique-Lanzarote wird bis Januar verschoben. Damit reagiert das Unternehmen auf erhebliche Kritik der kanarischen Landesregierung, der Inselräte sowie von Branchenverbänden aus dem Transport- und Tourismussektor.
Einigung bei Spitzentreffen am Flughafen Teneriffa Süd
Die Entscheidung über das vorläufige Moratorium fiel im Rahmen eines Arbeitstreffens am Flughafen Teneriffa Süd. An den Gesprächen nahmen hochrangige Vertreter des Flughafenbetreibers Aena, der Regierung der Kanarischen Inseln, der Inselräte (Cabildos) von Teneriffa und Lanzarote sowie des kanarischen Transportunternehmerverbandes (FET) und mehrerer privater Transferdienstleister teil.
Nach Angaben von Aena verlief die Zusammenkunft in einer Atmosphäre der Zusammenarbeit und Verständigung. Ziel des Treffens war es, Lösungen für die organisatorischen Probleme zu finden, die seit der testweisen Einführung des neuen Regelwerks an den Flughafen-Terminals aufgetreten waren.
Hintergrund der Gebührenregelung für den Freizeitverkehr
Das von Aena entwickelte Konzept sieht vor, dass für die Nutzung von Parkflächen, die speziell für den Touristen- und Freizeitverkehr vorgesehen sind, eine kostenpflichtige Regelung greift. Betroffen sind Fahrzeuge des Personenverkehrs ohne Anspruch auf Ausgleichsleistungen, die länger als 60 Minuten auf den ausgewiesenen Arealen parken. Während die ersten 60 Minuten kostenfrei bleiben sollen, wird für jede darüber hinausgehende Zeitspanne eine Parkgebühr fällig.
Aena betonte im Anschluss an das Treffen, dass das zugrundeliegende Projekt grundsätzlich aufrechterhalten werde. Die Verschiebung der Gebührenerhebung bis Januar nächsten Jahres solle den Busunternehmen und Transferdienstleistern jedoch die notwendige Zeit einräumen, um Abläufe anzupassen und sich technisch auf die neue Regelung einzustellen.
Infrastrukturelle Ausbauten und neue Services an den Terminals
Neben dem zeitlichen Aufschub hat sich Aena zu konkreten baulichen und logistischen Verbesserungen an den betroffenen Flughäfen verpflichtet. Um die Arbeitsbedingungen für das Fahrpersonal und die Reiseleiter vor Ort zu optimieren, sollen die Wartebereiche modernisiert werden. Geplant sind unter anderem:
- Errichtung von schattigen Aufenthaltsbereichen zum Schutz vor Hitze
- Installation neuer Sanitäreinrichtungen und Toilettenanlagen
- Bereitstellung von Verkaufsautomaten für Verpflegung
- Einrichtung spezieller, reservierter Haltezonen für Transferfahrzeuge
Zudem verwies der Flughafenbetreiber auf bereits zuvor vereinbarte Maßnahmen. Dazu gehört die Einführung einer kontaktlosen Zugangskarte, die den Betreibern eine vereinfachte Zufahrt zu den Terminals sowie eine aufgeschobene Abrechnung der Nutzungsentgelte ermöglichen soll.
Scharfe Kritik aus der Politik an einseitigem Vorgehen
Der Entscheidung von Aena waren deutliche Proteste aus der Politik vorausgegangen. Noch wenige Stunden vor dem Treffen hatte der kanarische Minister für öffentliche Arbeiten, Wohnungsbau und Mobilität, Pablo Rodríguez, das Gebührenmodell in einer Plenarsitzung des Parlaments der Kanarischen Inseln scharf kritisiert.
Rodríguez warf dem Flughafenbetreiber vor, mit der Maßnahme reine Einnahmen generieren zu wollen. Die von Aena angeführten Kapazitätsengpässe bestünden keineswegs an allen Flughäfen des Archipels in gleichem Maße. Der Minister bemängelte zudem, dass das System einseitig und ohne ausreichende Abstimmung eingeführt worden sei. Dies habe in den vergangenen Wochen zu chaotischen Zuständen an den Terminals geführt und das Image der Kanarischen Inseln als professionelles Reiseziel geschädigt.
Sorgen der Tourismusbranche vor Verzögerungen im Reiseverkehr
Ähnliche Bedenken äußerten Vertreter der kanarischen Wirtschaft. Sowohl der Transportunternehmerverband FET als auch führende Tourismusverbände der Inseln machten auf die praktischen Folgen der neuen Regelung aufmerksam. Sie bemängelten erhebliche Wartezeiten bei der Abholung von Reisegruppen, mangelnde Vorbereitung bei der technischen Umsetzung sowie eine drohende Beeinträchtigung der gesamten touristischen Wertschöpfungskette.
Gemeinsame Arbeitsgruppe zur Optimierung der Prozesse
Um ein erneutes Chaos bei der endgültigen Einführung der Gebühr im Januar zu verhindern, vereinbarten Aena, die kanarische Landesregierung und die beteiligten Akteure eine engere Kooperation. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe soll in den kommenden Monaten die Verkehrsströme an den Terminals kontinuierlich analysieren, betriebliche Abläufe optimieren und die schrittweise Anpassung aller Nutzer an das neue Zugangs- und Abrechnungssystem begleiten. – TF
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