Telde, Gran Canaria – Im Industriepark Salinetas hat sich der Geschäftsbetrieb am heutigen Donnerstag weitgehend normalisiert. Zuvor hatte eine tödliche Explosion am vergangenen Mittwoch in einem Treibstofflager der Firma Disa die gesamte Region erschüttert. Bei dem tragischen Zwischenfall verlor ein 35-jähriger Arbeiter sein Leben, drei weitere Personen wurden verletzt. Während die Ermittlungen zur Unfallursache andauern, rückt nun die Rückkehr zum Arbeitsalltag in den Fokus.
Unbemerkte Gefahr: Anwohner und Arbeiter schildern ihre Eindrücke
Viele der umliegenden Arbeiter nahmen das Ausmaß des Vorfalls zunächst nicht wahr. „Wir dachten, es wäre nur ein normaler Knall“, berichtete Tenesor Jiménez, der im Lager des Vertriebsunternehmens Gallebán arbeitet. Das Unternehmen liegt nur wenige Häuserblocks vom Unglücksort entfernt. Er und seine Kollegen vermuteten die Ursache für das Geräusch zunächst beim nahegelegenen Zementwerk oder dem Schrottplatz. Die Gewissheit kam erst durch eine Warnmeldung: „Wir erfuhren es durch eine Nachricht an die Betreibergesellschaft des Industrieparks Salinetas, in der uns geraten wurde, die Zufahrt über die GC-1 zu meiden“, so Jiménez.
Ähnlich erging es den Mitarbeitern in einer nahegelegenen Mercadona-Filiale. José Castilla, Kommunikationschef von Mercadona auf den Kanarischen Inseln, war vor Ort, als sich das Unglück ereignete. „Wir hörten etwas, aber es war ein sehr leises Geräusch. Wir dachten, etwas sei im Supermarkt heruntergefallen oder es hätte etwas mit dem Flughafen zu tun“, schilderte Castilla die Situation. Erst durch eintreffende Kunden wurde das Team über die Explosion informiert. Nach Rücksprache mit den Notfall- und Sicherheitsteams und der Bestätigung, dass keine Gefahr durch austretende gefährliche Stoffe bestand, konnte der Supermarkt seinen regulären Betrieb aufrechterhalten.
Cristóbal Suárez, Mitarbeiter der Firma Juan Suárez Carrocerías, bemerkte die Detonation aufgrund des ohnehin hohen Lärmpegels in seiner Werkstatt überhaupt nicht. Er erfuhr von der Tragödie im benachbarten Disa-Lager erst aus der Presse.
Disa nimmt Betrieb wieder auf und bietet psychologische Hilfe an
Das betroffene Energieunternehmen Disa teilte mit, dass der Betrieb in den nicht beschädigten Bereichen der Anlage am Donnerstag wieder aufgenommen wurde. Voraussetzung dafür war die strikte Umsetzung aller erforderlichen technischen und sicherheitsrelevanten Maßnahmen. Die ersten Schritte nach dem Unglück konzentrierten sich laut Unternehmensangaben auf die sofortige Sicherung der Anlage und die großräumige Absperrung des betroffenen Bereichs. Zudem mussten der Tankdeckel des explodierten Silos gesichert und die verbliebene Tankkonstruktion sowie das für Wartungsarbeiten errichtete Gerüst stabilisiert werden.
Neben der technischen Sicherung steht nun die Betreuung der Belegschaft im Vordergrund. Disa bietet allen Mitarbeitern, die im Werk tätig sind, umfassende psychologische Unterstützung an, um die traumatischen Ereignisse zu verarbeiten.
Neue Erkenntnisse zur Explosion: Fremdfirma führte Wartungsarbeiten durch
Wie aus Berichten der lokalen Behörden und neuen Informationen der Polizei hervorgeht, ereignete sich die Explosion während routinemäßiger Instandhaltungsarbeiten an einem derzeit stillgelegten Tank. Die Arbeiten wurden nicht von Disa-Mitarbeitern selbst, sondern von Fachkräften des Subunternehmens Nervión Industries durchgeführt. Zum Zeitpunkt des Unglücks befanden sich nach Zeugenaussagen zwei Arbeiter in hängender Position (Höhenarbeiten) direkt am Tank.
Durch die Wucht der Deflagration kam für einen 35-jährigen Arbeiter aus dem Gemeindegebiet von Telde jede Hilfe zu spät. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen, um den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren und die Verantwortlichkeiten zu klären. Das Gelände bleibt für die polizeilichen Untersuchungen teilweise gesperrt. Das Eingreifen der Feuerwehr konnte einen größeren Brand verhindern und die Situation schnell unter Kontrolle bringen.
Zustand der Verletzten: Ein Arbeiter aus dem Krankenhaus entlassen
Es gibt erste positive Nachrichten bezüglich der verletzten Personen. Laut Angaben des Stadtrats von Telde konnte ein 27-jähriger Arbeiter, der zunächst medizinisch versorgt werden musste, das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Ein weiterer Verletzter, ebenfalls 35 Jahre alt, der sich nach der Explosion in einem kritischen Zustand befand und in das Hospital Universitario Insular eingeliefert wurde, wird weiterhin engmaschig medizinisch betreut. Eine dritte Person erlitt laut Unternehmensangaben leichte Verletzungen, die jedoch keine Einweisung in ein Krankenhaus erforderten. Disa überwacht den Gesundheitszustand aller Betroffenen weiterhin intensiv.
Erleichterung und Bestürzung im Industriepark
Unter den täglich in Salinetas arbeitenden Menschen mischt sich die Trauer um das Todesopfer mit dem Bewusstsein über die generellen Risiken der Industrie. Anonyme Mitarbeiter umliegender Firmen betonten, dass die Disa-Anlage seit vielen Jahren sicher betrieben worden sei und unterirdische Transportleitungen regelmäßig gewartet würden. „Fast jeder, der in der Industrie arbeitet, weiß, dass wir solchen Unfällen ausgesetzt sind“, fasste ein Arbeiter die gedrückte Stimmung vor Ort zusammen. Trotz des Schocks sind viele erleichtert, dass das schnelle Eingreifen der Rettungskräfte und die funktionierenden Sicherheitsprotokolle – wie der kurzzeitig ausgelöste Chemie-Notfallplan „RISQCAN“ der Kanarischen Regierung – eine noch größere Katastrophe verhindern konnten. – TF
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