Telde – Bei einer schweren Explosion auf dem Gelände eines Treibstofflagers im Industriepark Salinetas in der Gemeinde Telde (Gran Canaria) ist am Mittwoch ein Arbeiter ums Leben gekommen. Zwei weitere Personen erlitten schwerste Verletzungen. Der Vorfall löste einen massiven Großeinsatz der Rettungskräfte aus und veranlasste die Regierung der Kanarischen Inseln zur Ausrufung der offiziellen Alarmstufe nach dem Sondernotfallplan RISQCAN.
Verheerende Detonation während Wartungsarbeiten
Das Unglück ereignete sich am Mittwoch, den 5. August, gegen 12:09 Uhr auf dem weitläufigen Betriebsgelände des Energieunternehmens DISA. Nach Angaben der Ermittler befanden sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Mitarbeiter eines Subunternehmens auf der Oberseite eines massiven Treibstofftanks. Die Techniker führten spezialisierte Höhenarbeiten aus, die nach Erkenntnissen der Behörden auch Schweißarbeiten sowie strukturelle Reparaturen an der Außenhülle des Tanks umfassten.
Aus bislang ungeklärter Ursache kam es während dieser Instandsetzungsmaßnahmen zu einer plötzlichen und extrem heftigen Deflagration im Bereich des Tanks. Augenzeugen, die sich in den benachbarten Anlagen des Industriegebiets aufhielten, berichteten von einem massiven Knall und einer enormen Druckwelle. Die Detonation war derart gewaltig, dass die Struktur des betroffenen Treibstoffreservoirs in Mitleidenschaft gezogen und schwer beschädigt wurde.
Ein Todesopfer und dramatische Rettungsszenen
Für einen der Arbeiter, einen 47-jährigen Mann, kam jede Hilfe zu spät. Er erlag noch am Unfallort seinen schweren Verletzungen. Wie Augenzeugen aus dem industriellen Umfeld berichteten, spielten sich in den Minuten nach der Explosion dramatische Szenen ab: Zwei der Arbeiter, die mit professioneller Ausrüstung für Industriekletterer gesichert waren, hingen nach der Detonation minutenlang an ihren Sicherungsseilen an der beschädigten Plattform der Tankanlage fest.
Die beiden betroffenen Kollegen des Verstorbenen erlitten durch die direkte Verpuffung schwerste Verletzungen. Sie wurden nach der Bergung in einem kritischen Zustand von den Rettungsdiensten versorgt, wobei einer der Arbeiter das Bewusstsein verlor. Nach einer sofortigen medizinischen Erstversorgung im eingerichteten Triage-Bereich vor Ort transportierten die Notarztwagen der SUC die beiden Schwerverletzten umgehend in das Hospital Universitario Gran Canaria Dr. Negrín sowie in das Hospital Universitario Insular de Gran Canaria.
Großaufgebot der Rettungskräfte und sofortige Evakuierung
Unmittelbar nach Eingang der ersten Notrufe beim Koordinierungszentrum für Notfälle und Sicherheit (CECOES 1-1-2) um 12:10 Uhr wurde ein umfassender Rettungseinsatz initiiert. Binnen weniger Minuten trafen unzählige Einsatzfahrzeuge im Industriegebiet Salinetas ein. Das Aufgebot umfasste Spezialeinheiten der Feuerwehr des Gran Canaria Emergency Consortiums, Rettungswagen mit erweiterter lebenserhaltender Ausstattung des kanarischen Notfalldienstes (SUC), Einheiten der Policía Local de Telde, des National Police Corps, der Guardia Civil sowie weitreichendes Zivilschutzpersonal.
Gemäß den strikten Sicherheitsprotokollen des Unternehmens wurde das direkte Umfeld der Anlage umgehend vollständig evakuiert. Das Werksgelände wurde von der Polizei weiträumig abgesperrt, um die Arbeiten der Rettungskräfte abzusichern. Der Stadtrat von Telde richtete zeitgleich einen dringenden Appell an die Bevölkerung, das Gebiet großräumig zu meiden. Durch den Verzicht auf Fahrten in Richtung des Industriegebiets sollte sichergestellt werden, dass die Zufahrtswege für weitere Rettungskräfte und schweres Einsatzgerät vollständig passierbar blieben.
Regierung der Kanaren aktiviert den RISQCAN-Notfallplan
Aufgrund der potenziell weitreichenden Auswirkungen eines Brandes oder einer Folgeexplosion in einem großen Treibstofflager rief die Generaldirektion für Katastrophenschutz der Regierung der Kanarischen Inseln umgehend den höchsten Alarmzustand für derartige Szenarien aus. Diese präventive Maßnahme basierte auf den Bestimmungen des sogenannten RISQCAN-Plans (Sonderplan für externe Notfälle im Zusammenhang mit dem Risiko schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen in der Autonomen Gemeinschaft der Kanarischen Inseln).
Die Aktivierung der RISQCAN-Alarmstufe ermöglichte die nahtlose Koordinierung aller verfügbaren behördlichen Ressourcen. Das primäre Ziel der Maßnahme bestand darin, eine mögliche Ausweitung des Schadens auf benachbarte Industrieanlagen im Park zu verhindern und Umweltgefahren durch toxische Ausdünstungen zu unterbinden. Der Geltungsbereich der behördlichen Warnung beschränkte sich strikt auf das Industriegebiet Salinetas, da das direkte Übergreifen der Flammen auf weitere Tanks durch das schnelle Eingreifen verhindert werden konnte.
Strategische Bedeutung des DISA-Standorts Salinetas
Der Zwischenfall wirft ein zusätzliches Schlaglicht auf die Bedeutung des Industrieparks. Die Anlage der DISA-Gruppe in Salinetas ist das wichtigste und volumenstärkste logistische Zentrum für die Treibstoffversorgung auf Gran Canaria und zählt zu den größten Anlagen des gesamten Archipels. Mit einer maximalen Lagerkapazität von über 140.000 Kubikmetern für Kraftstoffe stellt diese spezifische Infrastruktur einen kritischen Knotenpunkt der Energieversorgung dar. Angesichts dieser Relevanz unterliegen die Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an den gigantischen Tanks strengsten Sicherheitsvorgaben, deren Umsetzung am Unglückstag nun Gegenstand intensiver Untersuchungen ist.
Stellungnahmen der Behörden und des Unternehmens
Sara Mateos, Kommunikationsdirektorin der DISA-Gruppe, trat kurz nach dem Vorfall vor die Presse und versicherte, dass die Notfallprotokolle reibungslos funktioniert hätten und die Lage unter Kontrolle sei. Es bestehe keine Gefahr für Personen außerhalb der Anlage. Mateos betonte ausdrücklich, dass die Sorge um die verunglückten Kollegen höchste Priorität habe. Die genauen Ursachen der Explosion würden nun im nächsten Schritt lückenlos aufgeklärt.
Der Bürgermeister von Telde, Juan Antonio Peña, begab sich umgehend an den Unfallort. Er begleitete die Einsätze der Sicherheits- und Gesundheitsdienste und blieb bis zum Abschluss der akuten Rettungsmaßnahmen um 16:00 Uhr vor Ort. Im Namen der Stadtverwaltung sprach Peña der Familie des 47-jährigen Opfers sein tiefstes Beileid aus. In einer offiziellen Erklärung hob der Bürgermeister hervor, dass der Verstorbene aus einer bescheidenen und einfachen Familie stammte, die von allen im Umfeld hoch geachtet wurde, was die Bestürzung unter Nachbarn und Freunden noch zusätzlich verstärke.
Bezüglich der zwei weiterhin in ernstem Zustand befindlichen Arbeiter übermittelte Peña seine besten Wünsche für eine schnelle und vollständige Genesung. „Wir vertrauen darauf, dass sie diese schwierige Zeit überstehen und so schnell wie möglich zu ihren Familien zurückkehren können. Unsere Gedanken sind heute bei ihnen, bei denen, die im Krankenhaus an ihrer Seite sind, und bei allen Kollegen, die von dieser Tragödie betroffen sind“, erklärte der Bürgermeister und lobte das schnelle Eingreifen aller Einsatzkräfte.
Ermittlungen zur Unfallursache laufen auf Hochtouren
Während Mediziner weiterhin um die Schwerverletzten kümmern, hat die zuständige Kriminalpolizei die detaillierten Ermittlungen aufgenommen. Experten für Spurensicherung und Arbeitssicherheit inspizierten die Trümmerteile am beschädigten Tank, sobald das Gelände von der Feuerwehr offiziell freigegeben wurde. Die zentrale Frage der Untersuchung wird sein, wie es trotz der Vorgaben für gefährliche Schweißarbeiten in einer solchen Umgebung zu der verheerenden Deflagration kommen konnte.
Quellenangaben und weiterführende Informationen:
- Onda Guanche / Lokale Nachrichtenkanäle: Details zu Krankenhaus-Zuweisungen und Augenzeugenberichten.
- Regierung der Kanarischen Inseln (Dirección General de Emergencias): Aktivierung und Definition des RISQCAN-Protokolls.
- Grupo DISA (Offizielle Infrastrukturdaten): Kapazitäten des Logistikzentrums Salinetas.
- Stadtrat von Telde: Offizielle Pressemitteilungen des Bürgermeisters Juan Antonio Peña.
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