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„Reine Schönfärberei“: Opposition zerreißt die Jubel-Umfrage zur MetroGuagua in Las Palmas

Dies spaltet sogar das interne Bündnis...

Lesedauer 4 Minuten

Las Palmas – Die politische Debatte um die MetroGuagua in Las Palmas de Gran Canaria spitzt sich weiter zu. Nachdem die Stadtverwaltung kürzlich eine Umfrage zum städtischen Mobilitätsplan (PMUS) präsentierte, die eine angebliche Zustimmung von fast 74 Prozent für den Expressbus auswies, reagiert die Opposition nun mit scharfer Kritik. Die Partei Coalición Canaria (CC) wirft der Regierung vor, die massiven Probleme, Bauverzögerungen und Kostenexplosionen des Infrastrukturprojekts gezielt schönfärben zu wollen.

„Eine reine Verhöhnung“: Opposition zweifelt Umfrage an

Für den CC-Stadtrat David Suárez sind die von der Stadtregierung präsentierten Zahlen fernab der Realität. In einer offiziellen Mitteilung warf er dem Rathaus vor, die städtische Mobilitätsumfrage als politisches Instrument zu nutzen, um ein Projekt reinzuwaschen, das von der Bevölkerung aufgrund der jahrelangen Baustellen massiv abgelehnt werde. „Nur die Regierung glaubt an diese Ergebnisse, die von einigen Anwohnern direkt als Verhöhnung bezeichnet werden“, erklärte Suárez. Es sei den Bürgern nicht zu vermitteln, dass angeblich 73,6 Prozent der Hauptstadtbewohner ein Bauwerk unterstützen, das seit Jahren unvollendet ist und dessen Kosten kontinuierlich in die Höhe schnellen.

Fragwürdige Methodik und geografische Widersprüche

Besonders die Methodik der Umfrage stößt bei der Opposition auf massives Unverständnis. Suárez bezeichnete es als höchst bemerkenswert und inhaltlich widersprüchlich, dass ausgerechnet Stadtteile wie La Paterna und Escaleritas die höchsten Zustimmungswerte für die MetroGuagua aufweisen – obwohl die geplante Trasse des Schnellbusses diese Viertel überhaupt nicht berührt.

Er stellte öffentlich die Frage, ob die Befragten über den tatsächlichen Streckenverlauf, die voraussichtlichen Fertigstellungstermine und die wahren Kosten der Infrastrukturmaßnahme informiert waren. „Die abstrakte Idee eines schnellen Busses positiv zu bewerten, ist nicht gleichbedeutend mit der Zustimmung zu diesem konkreten Projekt und seiner fehlerhaften Ausführung“, so der Politiker. Zudem kritisierte CC, dass in die städtische Umfrage auch Personen von außerhalb der Hauptstadt einbezogen wurden. Diese Gruppe leide im Alltag nicht unter den Baustellen und den damit verbundenen Verkehrseinschränkungen, was das Gesamtergebnis der Studie verfälsche.

Diskrepanz zwischen PMUS-Studie und täglichem Verkehrschaos

Ein weiterer deutlicher Kritikpunkt der Opposition betrifft die in der Untersuchung behauptete Reduzierung des privaten Autoverkehrs. Während die Stadtverwaltung von einem historischen Rückgang der Autonutzung spricht, verweist Suárez auf das allgegenwärtige Verkehrschaos an den neuralgischen Punkten der Stadt.

Tägliche Staus und zähfließender Verkehr an wichtigen Knotenpunkten wie dem Torre Las Palmas, am Istmo (der Landenge in Richtung Hafen), in Tamaraceite oder in Lomo Los Frailes zeichnen laut CC ein völlig anderes Bild. „Die von der sozialdemokratischen PSOE geführte Stadtregierung spricht von einer Stadt, die sich immer besser fortbewegt. Die Anwohner erleben jedoch jeden Morgen und jeden Nachmittag eine ganz andere Realität“, argumentierte der Stadtrat. Die ständigen Baumaßnahmen hätten die allgemeine Verkehrssituation in den letzten Jahren drastisch verschlechtert.

Explodierende Kosten und Bauverzögerungen rufen Rechnungshof auf den Plan

Die massive Kritik der Coalición Canaria an den Kostenexplosionen und den nicht enden wollenden Verzögerungen wird durch externe Prüfungen gestützt. Erst kürzlich rügte der spanische Rechnungshof (Tribunal de Cuentas) das Projektmanagement der MetroGuagua in einem offiziellen Bericht deutlich.

Tatsächlich sollte das gesamte Expressbus-System ursprünglich bereits im Jahr 2021 vollständig in Betrieb gehen. Aktuelle behördliche Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass einige der letzten Bauphasen erst im Jahr 2027 beginnen und weitere 28 Monate andauern könnten. Dies macht eine finale Fertigstellung frühestens für das Jahr 2029 realistisch. Der Rechnungshof dokumentierte nicht nur stillgelegte Baustellen und drastische Kostensteigerungen, sondern auch Millionen an öffentlichen Subventionen, die aufgrund nicht eingehaltener Fristen entweder zurückgezahlt werden mussten oder deren finanzielle Rechtfertigung weiterhin aussteht.

Risse im politischen Bündnis: Ein Hindernis für die Nationalisten

Der anhaltende Streit um die MetroGuagua droht nun auch übergeordnete politische Bündnisse auf Gran Canaria zu belasten. Im Hinblick auf die kommenden Kommunalwahlen arbeiten Coalición Canaria und die politische Gruppierung Municipalistas Primero Canarias eigentlich an einem Zusammenschluss. Doch während CC strikt gegen die aktuelle Umsetzung der MetroGuagua opponiert und bereits 7.000 Unterschriften dagegen gesammelt hat, stellt sich Primero Canarias klar hinter das Projekt.

Deren Kandidat Marcial Morales sprach sich in einem Interview ausdrücklich für die Fortsetzung der Arbeiten aus. Mobilitätsstadtrat José Eduardo Ramírez, der ebenfalls Primero Canarias angehört, warf CC im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche gar Doppelmoral vor: Die Partei habe seinerzeit die deutlich teurere Straßenbahn auf Teneriffa unterstützt, lehne aber nun ein wirtschaftlicheres und kapazitätsstarkes Transportsystem für Las Palmas de Gran Canaria ab. Eine Einigung im nationalistischen Lager scheint bei dieser verfahrenen Sachlage derzeit ausgeschlossen. – TF

Weitere Artikel zum Thema:
Umstieg im Kopf: Fast drei Viertel der Hauptstädter stehen hinter der MetroGuagua, vom 18.09.2026

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