Las Palmas – Die Sanierung des Guiniguada-Viadukts auf der Ringstraße von Las Palmas de Gran Canaria (GC-3) steht vor einer internationalen Auszeichnung. Die International Association for Bridge and Structural Engineering (IABSE) hat die Reparaturmaßnahme als eines der drei bedeutendsten Projekte weltweit im Bereich der Sanierung von Bauwerken nominiert. Die IABSE gilt als weltweit renommierteste Vereinigung im Bauingenieurwesen und verleiht mit diesem Preis eine der höchsten Auszeichnungen der Branche.
Die Nominierung würdigt die Notfallmaßnahmen, die das Cabildo de Gran Canaria zwischen den Jahren 2023 und 2025 durchführen ließ. Durch diese Arbeiten wurden die Stabilität und die Sicherheit der stark frequentierten Brückenkonstruktion vollständig wiederhergestellt. Das Projekt gehört damit zu den herausragenden Ingenieurleistungen, die im Jahr 2025 global abgeschlossen wurden.
Drei Weltklasse-Projekte im Finale der Kategorie „Beste Sanierung“
Das Projekt auf Gran Canaria tritt in der Kategorie „Beste Sanierung“ gegen zwei weitere internationale Bauprojekte an:
- Tomei-Tagawa-Brücke: Ein komplexes Infrastrukturprojekt in Tokio (Japan).
- Kuntsilo: Der Umbau eines historischen Getreidesilos in ein Kunstmuseum in Kristiansand (Norwegen).
- Guiniguada-Viadukt: Die statische Verstärkung und Reparatur der Autobahnbrücke GC-3 auf Gran Canaria (Spanien).
Die endgültige Bekanntgabe der Gewinner erfolgt im Rahmen einer Galaveranstaltung im November am Hauptsitz der IABSE in Zürich (Schweiz). Experten messen dem spanischen Infrastrukturprojekt gute Chancen auf den Gesamtsieg bei.
Über die International Association for Bridge and Structural Engineering (IABSE)
Die IABSE ist eine 1929 gegründete, wissenschaftlich-technische Organisation ohne Gewinnabsicht. Unter dem derzeitigen Vorsitz von Harshavardhan Subbarao vereint die Organisation Fachleute und Mitglieder aus rund 100 Ländern.
Das Spektrum der Vereinigung umfasst sämtliche Disziplinen des Bauingenieurwesens – von der Planung und dem Entwurf über den Bau und die Instandhaltung bis hin zur Sanierung und dem Rückbau von Bauwerken. Der Begriff Bauwerke schließt dabei Brücken, Gebäude und zivile Tiefbauten jeglicher Materialart ein, wobei stets technische, wirtschaftliche, ökologische und soziale Kriterien bewertet werden.
Technische Herausforderung: Reparatur unter voller Verkehrsbelastung
Das Guiniguada-Viadukt ist eine zentrale Ader der Straßeninfrastruktur auf Gran Canaria. Täglich passieren im Durchschnitt rund 110.000 Fahrzeuge die Brücke auf der GC-3. Eine vollständige Sperrung des Viadukts hätte massive Auswirkungen auf den gesamten Inselverkehr gehabt.
Die besondere ingenieurtechnische Leistung lag darin, eine vollständige Sanierung des Bauwerks zu planen und durchzuführen, ohne den laufenden Fahrzeugverkehr unterbrechen zu müssen. Was als kritische Gefahrenlage bezüglich der Brückenstabilität begann, wurde durch den Einsatz moderner Techniken gelöst.
Details der Bau- und Verstärkungsmaßnahmen (2023–2025)
Während der dreijährigen Bauzeit wurden umfangreiche Maßnahmen zur statischen Sicherung umgesetzt:
- Erneuerung der Tragseile: Insgesamt wurden 32 beschädigte Stahlseile ausgetauscht. Zum Ausgleich und zur zusätzlichen Erhöhung der Tragfähigkeit wurden 20 neue Stahlseile installiert.
- Unterstützende Stahlkonstruktion: Unter dem am stärksten betroffenen Abschnitt der Brücke wurde eine knapp zehn Meter hohe und 25 Tonnen schwere Stahlverstärkung montiert, die als unterstützende Strebe dient.
- Internes Seilträgersystem: Unterhalb der Fahrbahn wurde ein einzigartiges Seilträgersystem integriert. Dieses gleicht den irreversiblen Verlust der internen Vorspannung aus und stellt die ursprüngliche Tragfähigkeit der Brücke wieder her.
Die Beurteilung der Fachjury hebt hervor, dass die Maßnahme unter extrem strengen geometrischen und betrieblichen Vorgaben umgesetzt wurde. Das Ergebnis ist die vollständige Wiederherstellung der Tragfähigkeit und die langfristige Sicherung der Bauwerksstruktur.
Projektbeteiligte und Investitionsvolumen
Die Reparaturarbeiten wurden vom Ministerium für öffentliche Arbeiten des Inselrats (Cabildo de Gran Canaria) veranlasst und geleitet. Der Vizepräsident des Cabildos, Augusto Hidalgo, hob die Leistung des gesamten technischen Teams sowie der beteiligten Partner hervor.
Die Bauausführung erfolgte im Rahmen eines Notfallauftrags durch das spezialisierte Bauunternehmen Freyssinet. Die gesamte technische Planung und Berechnungen lagen in den Händen des renommierten Bauingenieurs José Antonio Llombart.
Das Gesamtinvestitionsvolumen für die Notfallmaßnahmen zur Struktursicherung des Viadukts belief sich auf über 11 Millionen Euro, finanziert durch den Inselrat von Gran Canaria. – MF
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