Kanaren – Die Kanarischen Inseln erleben derzeit eine wirtschaftliche Dynamik, die selbst Optimisten überrascht. Die neuesten Daten der Erwerbsbevölkerungserhebung (EPA) zeigen: Der Archipel hat den niedrigsten Stand der Arbeitslosigkeit seit fast zwei Jahrzehnten erreicht. Mit einer Quote von nur noch 11,4 % meldet sich die Region eindrucksvoll zurück. Doch während die Regierung die Zahlen feiert, wächst bei den Unternehmen die Sorge. Wir beleuchten die Hintergründe des Job-Booms und das Paradoxon des gleichzeitigen Personalmangels.
Ein historischer Rückblick: Bestwerte seit 2005
Es ist ein Meilenstein für die Autonome Gemeinschaft: Die Arbeitslosenquote von 11,4 % ist der beste Wert seit 19 Jahren. Man muss bis in das Jahr 2005 zurückblicken, um ähnlich positive Daten auf dem kanarischen Arbeitsmarkt zu finden. Im ersten Quartal des aktuellen Jahres ist es gelungen, die Zahl der Arbeitslosen um 14.400 Personen zu reduzieren. Insgesamt sind damit auf den Inseln noch 136.500 Menschen ohne Beschäftigung – eine Zahl, die im Vergleich zu den Krisenjahren der Vergangenheit fast schon wie eine Vollbeschäftigung wirkt.
Besonders deutlich wird der Aufschwung im Vergleich zum Vorjahr. Binnen zwölf Monaten sank die Zahl der Arbeitslosen um 23.700 Personen, was einem Rückgang von knapp 15 % entspricht. Die Kanaren haben sich damit zu einem der stärksten Beschäftigungsmotoren in ganz Spanien entwickelt.
Wachstum über dem nationalen Durchschnitt
Das erste Quartal 2026 war für die Inseln ein voller Erfolg. Mit einem Beschäftigungswachstum von 1,63 % im Vergleich zum Vorquartal liegt der Archipel an der Spitze aller spanischen Regionen. Während der nationale Durchschnitt beim Beschäftigungsaufbau bei 2,4 % liegt, kommen die Kanaren im Jahresvergleich auf stolze 3,6 %.
Aktuell stehen 1.060.600 Menschen auf den Inseln in einem festen Arbeitsverhältnis. Das ist nicht nur eine statistische Größe, sondern ein Beleg für die enorme Erholungskraft der lokalen Wirtschaft, die maßgeblich vom boomenden Tourismus und den damit verbundenen Dienstleistungen profitiert.
Qualität der Arbeit: Der Trend zum Festvertrag
Oft wurde der kanarische Arbeitsmarkt für seine hohe Fluktuation und die vielen befristeten Verträge kritisiert. Doch auch hier gibt es eine Trendwende. Die aktuelle Statistik zeigt, dass von den insgesamt 914.700 Angestellten bereits 756.100 in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis stehen. Im letzten Quartal kamen 12.000 neue Festverträge hinzu, während die Zahl der befristeten Stellen nur minimal anstieg.
Zudem arbeiten die meisten Menschen auf den Inseln in Vollzeit (947.300 Personen). Die Teilzeitbeschäftigung spielt mit rund 113.300 Stellen eine untergeordnete Rolle. Das deutet darauf hin, dass die Unternehmen vermehrt auf stabiles Personal setzen, um die hohe Nachfrage bewältigen zu können.
Die Dominanz des Dienstleistungssektors
Wer auf den Kanaren arbeitet, tut dies in den meisten Fällen im Service-Bereich. Der Dienstleistungssektor ist mit 930.000 Beschäftigten der absolute Gigant und stellt 88 % aller Arbeitsplätze. Die restlichen Branchen teilen sich den verbleibenden Markt wie folgt auf:
- Baugewerbe: 61.100 Beschäftigte (6 %)
- Industrie: 56.300 Beschäftigte (5 %)
- Landwirtschaft: 13.100 Beschäftigte (1 %)
Diese starke Konzentration auf den Tourismus und verwandte Dienstleistungen sorgt zwar für volle Kassen, birgt aber auch das Risiko einer einseitigen Abhängigkeit. Experten mahnen seit Jahren eine Diversifizierung an, doch die Realität des Arbeitsmarktes zeigt eine entgegengesetzte Entwicklung.
Das Paradoxon: Arbeitslose finden keine Jobs, Firmen kein Personal
Trotz der glänzenden Zahlen schlagen der Arbeitgeberverband CEOE und die Handelskammer Alarm. Wir befinden uns in einer paradoxen Situation: Es gibt immer noch über 136.000 registrierte Arbeitslose, aber gleichzeitig hat laut Handelskammer jedes zweite Unternehmen massive Schwierigkeiten, Personal zu finden.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen gibt es eine sogenannte „strukturelle Arbeitslosigkeit“. Das bedeutet, dass die Qualifikationen der Suchenden nicht zu den offenen Stellen passen. Über die Hälfte der Arbeitslosen (54 %) sind entweder Langzeitarbeitslose oder junge Menschen, die ihren ersten Job suchen. Hier klafft eine Lücke zwischen den Anforderungen der modernen Arbeitswelt und dem Profil der Bewerber.
Produktivität und Krankenstand als Bremsschuh
Die Handelskammer von Santa Cruz de Tenerife weist zudem auf ein weiteres Problem hin: die sinkende Produktivität. Ein wesentlicher Faktor hierfür sei der Anstieg der Krankheitsausfälle. Wenn Stellen aufgrund des Personalmangels unbesetzt bleiben, steigt die Belastung für die verbliebene Belegschaft, was oft zu höheren Fehlzeiten führt.
Zudem liegt die Arbeitslosenquote der Kanaren mit 11,4 % immer noch leicht über dem nationalen spanischen Durchschnitt von 10,83 %. Es gibt also noch Potenzial, das jedoch nur durch gezielte Ausbildung und eine aktive Arbeitsmarktpolitik gehoben werden kann.
Fazit: Ein Erfolg mit Hausaufgaben
Die Kanarischen Inseln stehen heute wirtschaftlich so stabil da wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die sinkende Arbeitslosigkeit und das starke Beschäftigungswachstum sind ein wichtiges Signal an Investoren und die Bevölkerung. Dennoch darf der Erfolg nicht darüber hinwegtäuschen, dass die strukturellen Probleme – die Abhängigkeit vom Tourismus und der eklatante Fachkräftemangel – gelöst werden müssen.
Für die Zukunft wird es entscheidend sein, die Ausbildung der Arbeitskräfte massiv zu fördern und Anreize zu schaffen, damit auch die 73.400 Menschen in der Langzeitarbeitslosigkeit wieder eine Perspektive finden. Nur so kann der Rekordwert von 11,4 % langfristig gehalten oder sogar noch verbessert werden. – TF
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