Gran Canaria/Berlin – Die irische Fluggesellschaft Ryanair stellt ihre Flugverbindungen zwischen dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER) und Gran Canaria für die bevorstehende Wintersaison ein. Auch die Strecken nach Fuerteventura und Lanzarote sind von der Maßnahme betroffen. Hintergrund ist eine Reduzierung des Flugangebots der Airline in der deutschen Hauptstadt um rund 50 Prozent.
Flugangebot in Deutschland sinkt um 700.000 Sitzplätze
Insgesamt streicht Ryanair im Winterflugplan ab Berlin zwölf Verbindungen. Zusammen mit Kapazitätskürzungen an anderen deutschen Standorten wie Hamburg führt dies zu einem Verlust von rund 700.000 Sitzplätzen auf dem deutschen Markt. Am Flughafen Berlin schließt die Fluggesellschaft zudem ihre Basis mit sieben stationierten Flugzeugen zum 24. Oktober 2026.
Ryanair begründet die Einschnitte mit gestiegenen Standortkosten in Deutschland. Das Unternehmen verweist dabei insbesondere auf erhöhte Flugsicherungs- und Sicherheitsgebühren, steigende Entgelte der Flughäfen sowie die Anhebung der deutschen Luftverkehrssteuer. Aus Sicht der Airline verschlechtern diese Abgaben die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Flughäfen im europäischen Vergleich. Nach verschiedenen Medienberichten wie der Flug Revue verlagert Ryanair frei werdende Flugkapazitäten verstärkt an kostengünstigere Standorte in anderen EU-Ländern sowie an kleinere deutsche Regionalflughäfen wie Memmingen oder Köln/Bonn.
Auswirkungen auf den Wintertourismus im Süden Gran Canarias
Die Streichung der Flugroute ab Berlin trifft die Tourismusbranche auf Gran Canaria zu Beginn der wichtigen Wintersaison. Deutschland gehört zu den wichtigsten Herkunftsmärkten für die Insel. Insbesondere die Hotel- und Gastronomiebetriebe in den südlichen Küstenorten wie Maspalomas sind stark auf Gäste aus Mitteleuropa angewiesen.
Noch Anfang Oktober 2026 rechneten die regionalen Tourismusbehörden mit einer positiven Entwicklung der Besucherzahlen aus Deutschland:
- Oktober: Prognose von ca. 48.000 deutschen Urlaubern
- November: Erwarteter Anstieg auf 92.000 Ankünfte
- Dezember: Spitzenwert von 100.000 Besuchern im Weihnachtsmonat
Zur Unterstützung dieser Prognosen waren im Flugplan für die Weihnachtszeit rund 120.000 zusätzliche Sitzplätze vorgesehen. Für das restliche Winterhalbjahr sahen die Planungen ein Kontingent von 80.000 Plätzen im Januar, 60.000 im Februar, 40.000 im März sowie eine Reduzierung um 20.000 Plätze im April vor.
Ungewissheit und Reaktionen aus der Luftfahrtbranche
Durch den Wegfall der direkten Ryanair-Verbindungen ist das Erreichen dieser Besucherzahlen unsicher geworden. Der Verband der Hoteliers und Gastronomen beobachtet die Entwicklung aufmerksam, da der Ausfall von Flugkapazitäten direkte Auswirkungen auf die Auslastung der Unterkünfte im Inselnorden und -süden haben kann.
Der Betreiber des Flughafens Berlin Brandenburg betonte laut Branchenberichten, dass ein Teil der von Ryanair gestrichenen Strecken weiterhin von anderen Fluggesellschaften bedient werde. Dennoch führt der Rückzug des Budget-Fliegers zu einer spürbaren Verringerung des Gesamtangebots für Direktflüge auf die Kanarischen Inseln.
Für Fluggäste, deren Flüge gestrichen wurden, gelten die Bestimmungen der EU-Fluggastrechteverordnung (EG Nr. 261/2004). Betroffene Passagiere haben Anspruch auf eine vollständige Erstattung des Ticketpreises oder eine kostenlose Ersatzbeförderung zum Zielort.
Neuorientierung im kanarischen Tourismussektor
Die aktuellen Entwicklungen veranlassen Branchenvertreter auf den Kanarischen Inseln dazu, die Abhängigkeit von einzelnen Niedrigpreis-Fluggesellschaften neu zu bewerten. Um die Anbindung der Inseln langfristig zu sichern, gewinnen Verhandlungen mit traditionellen Liniengesellschaften und Reiseveranstaltern wieder stärker an Bedeutung. – TF
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