Gran Canaria – Es klingt zunächst wie eine Erfolgsmeldung für den Naturschutz auf der Insel: In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden auf Gran Canaria so wenige Kalifornische Königsnattern gefangen wie seit Beginn des Jahrzehnts nicht mehr. Doch Experten mahnen zur Vorsicht. Der Rückgang der Zahlen bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Population der invasiven Schlangen schrumpft. Vielmehr spielt ein ganz anderer Faktor den Tieren in die Karten: das Wetter.
Die nackten Zahlen: Ein Jahrzehnt-Tief bei den Fängen
Werfen wir einen Blick auf die aktuelle Statistik, die vom Inselrat (Cabildo de Gran Canaria) und dem öffentlichen Unternehmen Gesplan veröffentlicht wurde. Von Mitte Januar bis Ende April 2026 wurden insgesamt 607 Schlangen aus der Natur entfernt. Im Vergleich zu den Vorjahren ist dies ein massiver Einbruch:
- 2025: 1.205 gefangene Exemplare (fast doppelt so viele wie heute).
- 2020 & 2021: Über 1.000 Fänge (1.038 bzw. 1.013).
- 2024: 634 Fänge (das einzige Jahr mit einer ähnlich niedrigen Quote).
Trotz dieser niedrigen Zahlen geben die Biologen keine Entwarnung. Es handelt sich nicht um einen Sieg über die invasive Art, sondern um eine wetterbedingte Verzögerung der Schlangenaktivität.
Warum das Wetter die Schlangen „unsichtbar“ macht
Die Erklärung für die niedrigen Fangquoten liegt in der Biologie der Tiere. Schlangen sind wechselwarme Lebewesen. Das bedeutet, ihre Körpertemperatur und damit ihr Aktivitätslevel hängen direkt von der Umgebungstemperatur ab. Das Jahr 2026 startete ungewöhnlich kühl, insbesondere der März war von untypisch niedrigen Temperaturen geprägt.
Dies führte dazu, dass die Kalifornische Königsnatter (Lampropeltis californiae) deutlich länger in ihren unterirdischen Verstecken blieb, als es normalerweise der Fall ist. Im März 2026 wurden lediglich 65 Schlangen gefangen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es im gleichen Monat 382 Exemplare. Selbst im bisher „schlechtesten“ März des Jahrzehnts (2024) wurden immerhin noch 106 Tiere aus dem Verkehr gezogen.
„Die Schlangen sind da, sie sind nur noch nicht an der Oberfläche,“ erklären die Verantwortlichen. Sobald die Sonne den Boden ausreichend erwärmt, beginnt die Paarungszeit, und die Tiere werden massenhaft ihre Verstecke verlassen.
Großaufgebot gegen die Invasion: Die Notfallphase hat begonnen
Um auf die bevorstehende Hochphase der Schlangenaktivität vorbereitet zu sein, hat der Inselrat gemeinsam mit Gesplan am 28. März die jährliche Notfallphase eingeleitet. In diesem Zeitraum wird der personelle und logistische Aufwand massiv hochgefahren.
In diesem Jahr wurden 40 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, um die Teams vor Ort zu verstärken. Damit wächst die gesamte Einsatzgruppe auf 50 Fachkräfte an. Das Team setzt sich aus verschiedenen Spezialisten zusammen:
- Erfahrene Vorarbeiter und Koordinatoren
- Feld-Bediener für die direkte Suche
- Professionelle Hundeführer mit speziell ausgebildeten Spürhunden
- Wissenschaftliche Techniker zur Datenauswertung
Servicezeiten erweitert: Hilfe für Bürger rund um die Uhr
Durch die Aufstockung des Personals konnte auch der Bürgerservice deutlich verbessert werden. Wer eine Schlange sichtet oder sogar selbst ein Tier festsetzt, kann nun auf schnellere Hilfe zählen. Die Einsatzteams sind ab sofort von 7:00 Uhr morgens bis 21:00 Uhr abends im Dienst – und das an sieben Tagen die Woche, inklusive Sonn- und Feiertagen.
Diese Präsenz ist entscheidend, denn die Kalifornische Königsnatter breitet sich auf Gran Canaria immer weiter aus. Ursprünglich als Haustiere eingeführt, haben sie in der Natur der Insel keine natürlichen Feinde und bedrohen massiv die einheimische Tierwelt, insbesondere die geschützte Gran-Canaria-Rieseneidechse.
Ausblick: Was erwartet uns im restlichen Jahr 2026?
Obwohl der Start ins Jahr ruhig war, deutet der April bereits auf eine Trendwende hin. Mit steigenden Temperaturen wurden im April 521 Schlangen gefangen. Das sind bereits mehr als im Vergleichszeitraum 2024 (obwohl es unter den 803 Fängen von 2025 bleibt).
Die Experten sind überzeugt: Wenn das Wetter im Frühling und Sommer stabil warm bleibt, wird 2026 bei den Gesamtfangzahlen zu den Vorjahren aufschließen. Die Strategie des Inselrats ist klar: Durch gezielte Jagden in Gebieten mit hoher Populationsdichte soll der Druck auf die invasive Art so hoch wie möglich gehalten werden.
Was tun, wenn Sie eine Schlange sehen?
Die Mitarbeit der Bevölkerung ist der wichtigste Baustein im Kampf gegen die Schlangenplage. Sollten Sie eine Kalifornische Königsnatter entdecken, bewahren Sie Ruhe. Die Tiere sind für Menschen nicht giftig, können aber beißen, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlen.
So verhalten Sie sich richtig:
- Behalten Sie das Tier im Auge, damit es nicht flüchten kann.
- Rufen Sie umgehend die Notrufnummer 1-1-2 an oder nutzen Sie die offizielle App „Stop Culebra Real“.
- Versuchen Sie nach Möglichkeit, das Tier unter einem Eimer oder einem ähnlichen Gefäß festzusetzen, bis das Fachpersonal eintrifft.
Nur durch das schnelle Eingreifen der Fangteams und die Unterstützung der Bürger kann die einzigartige Artenvielfalt Gran Canarias langfristig geschützt werden. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die verstärkten Maßnahmen ausreichen, um die Ausbreitung der Königsnatter im Jahr 2026 einzudämmen. – TF
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