Kanarische Inseln – Die Einnahmen der kanarischen Steuerbehörde (Agencia Tributaria Canaria) haben im ersten Halbjahr 2026 ein neues Allzeithoch erreicht. Insgesamt spülten die Abgaben 2.065,5 Millionen Euro in die öffentlichen Kassen der Autonomen Gemeinschaft. Dies entspricht einem Zuwachs von 3,27 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Trotz dieser neuen Rekordsumme verzeichnet das Steuerwachstum auf den Inseln eine deutliche Verlangsamung gegenüber den dynamischen Zuwächsen der vergangenen Jahre.
Der Hauptgrund für das gebremste Gesamtwachstum liegt in Rückgängen bei fünf zentralen Steuerarten. Diese Einbußen bremsten den stetigen Anstieg der Kanarischen Allgemeinen Indirekten Steuer (IGIC), die als wichtigste Einnahmequelle der Region gilt, spürbar ab.
Deutlicher Einbruch bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer
Den stärksten relativen Rückgang verzeichnete die Erbschafts- und Schenkungssteuer. Hier sanken die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 27,7 Prozent beziehungsweise knapp 3 Millionen Euro auf aktuell 11,4 Millionen Euro. Dieser anhaltende Abwärtstrend ist die direkte Folge der von der kanarischen Regierung aus CC und PP beschlossenen Steuerreform, die einen Nachlass von 99 Prozent auf Erbschaften vorsieht, um Verzichte auf das Erbe zu reduzieren. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Jahres 2022 lagen die Einnahmen aus dieser Steuer noch bei 33,3 Millionen Euro.
Entlastungen beim Kraftstoff und Schwäche bei Notarverträgen
Auch die Einnahmen aus der Mineralölsteuer gingen um fast 5 Millionen Euro (minus 2,65 Millionen Euro effektiver Rückgang je nach Erfassungsart) zurück. Diese staatliche, aber an die Autonome Gemeinschaft übertragene Abgabe wurde durch die Implementierung eines teilweisen Rückerstattungssystems für Landwirte und Transportunternehmer belastet. Zudem griffen außergewöhnliche Entlastungsmaßnahmen, die aufgrund der Nahost-Krise per Dekret 3/2026 vom 6. April beschlossen wurden.
Bei den Dokumentierten Rechtshandlungen (AJD) sank das Aufkommen leicht um 0,54 Prozent auf 47,6 Millionen Euro. Insbesondere bei Notardokumenten im Zusammenhang mit IGIC-pflichtigen Gewerbelieferungen gab es ein Minus von 16,31 Prozent. Dem gegenüber steht jedoch ein Anstieg der AJD-Einnahmen aus notariellen Dokumenten für Hypothekenkredite sowie aus Erklärungen zu Neubauten (plus 30,83 Prozent) und horizontalen Eigentumsteilungen (plus 6,42 Prozent).
IGIC bleibt die wichtigste Säule der Insel-Finanzen
Die Kanarische Allgemeine Indirekte Steuer (IGIC) stieg bis Ende Juni 2026 um 4,52 Prozent auf 1.360 Millionen Euro. Damit bildet die IGIC weiterhin das Rückgrat des kanarischen Steuersystems und macht 66 Prozent der Gesamteinnahmen aus. Von zehn eingenommenen Euro stammen somit knapp sieben Euro aus dieser Verbrauchsteuer.
Bei genauerer Betrachtung entwickelte sich die interne IGIC positiv und stieg um 6,5 Prozent auf 1.089,7 Millionen Euro. Die Import-IGIC ging hingegen leicht um 1 Prozent auf 401 Millionen Euro zurück. Die Steuerrückerstattungen beliefen sich auf 130 Millionen Euro (plus 2,7 Prozent).
Wachstum bei Tabak, Glücksspiel und Importabgaben
Die Tabaksteuer erbrachte 77,1 Millionen Euro, was einem Plus von 17,84 Prozent entspricht. Dieser Anstieg resultiert aus den zu Jahresbeginn umgesetzten Gesetzesänderungen, mit denen die Steuersätze für blonden und schwarzen Tabak angeglichen und erhöht wurden.
Die Grunderwerbsteuer für Rechtsgeschäfte unter Lebenden (ITP) wuchs leicht um 0,45 Prozent auf 188,2 Millionen Euro. Während die Einnahmen aus dem Verkauf städtischer Immobilien um 2,35 Prozent sanken, legten Übertragungen von Baugrundstücken zu. Die Sonderabgabe auf Importgüter (AIEM) verzeichnete einen leichten Zuwachs um 0,64 Prozent auf 150,3 Millionen Euro.
Eine durchweg positive Entwicklung zeigten die Glücksspielsteuern: Spielautomaten erbrachten 17,1 Millionen Euro (plus 4,6 Prozent), Bingo-Hallen 9 Millionen Euro (plus 0,38 Prozent) und Spielbanken/Casinos verzeichneten ein Plus von 19 Prozent auf knapp eine Million Euro. Sportwetten und Auslosungen steuerten 1,7 Millionen Euro bei (plus 2,4 Prozent).
Offizielle Datenquellen und Berichte
Die Daten basieren auf den offiziellen Statistiken zur Steuererhebung der Kanarischen Regierungsbehörden und des Statistischen Landesamts ISTAC. – TF
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