Valleseco – In der Gemeinde Valleseco auf Gran Canaria spielt sich derzeit ein bürokratisches Drama ab, das viele Bürger fassungslos macht. Seit fast 18 Monaten steht ein moderner Wohnkomplex mit 16 Einheiten im Stadtzentrum fertiggestellt bereit – doch die Türen bleiben verschlossen. Während die Wohnungsnot auf den Kanarischen Inseln wächst, verhindern Papierkram und Zuständigkeitsfragen den Einzug der dringend benötigten Mieter. Es ist das erste öffentliche Wohnbauprojekt in der Region seit drei Jahrzehnten, und dennoch herrscht Stillstand.
Ein Hoffnungsschimmer gegen die Abwanderung
Valleseco kämpft, wie viele ländliche Gemeinden auf Gran Canaria, mit einem massiven demografischen Wandel. Ein Viertel der Bevölkerung befindet sich bereits im Rentenalter. Junge Menschen verlassen die Region oft, weil es an attraktivem und bezahlbarem Wohnraum mangelt sowie die beruflichen Perspektiven in den städtischen Zentren besser erscheinen.
Die Nachfrage nach den neuen Wohnungen ist enorm: Aktuell gibt es rund 80 offizielle Bewerber. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl gehört Valleseco damit zu den Spitzenreitern bei der Nachfrage nach Sozialwohnungen auf den Kanaren. Das Bauprojekt sollte eigentlich ein klares Signal gegen die Landflucht sein und jungen Familien eine Perspektive im Ort bieten.
Vom Geisterbau zum Vorzeigeprojekt: Die Geschichte des Gebäudes
Die Geschichte der Immobilie reicht weit zurück. Ursprünglich wurde das Gebäude im Jahr 2008 von einem privaten Bauträger, der Firma Covaial SL, begonnen. Mitten in der schweren Immobilienkrise musste das Unternehmen jedoch aufgrund finanzieller Schwierigkeiten aufgeben, und der Bau blieb jahrelang eine Ruine.
Im November 2022 machte der Inselrat (Cabildo de Gran Canaria) Nägel mit Köpfen: Er erwarb das halbfertige Gebäude für einen Gesamtpreis von 1,75 Millionen Euro. Das Ziel war klar definiert: Die ursprünglich für den freien Markt geplanten Wohnungen sollten in subventionierte Wohneinheiten (VPO) umgewandelt werden, um einkommensschwachen Familien ein sicheres Zuhause zu geben.
Das Projekt wurde als „schlüsselfertiges Modell“ realisiert. Das bedeutet, dass der Bauträger die Bauarbeiten mit Mitteln des Wohnungsbaukonsortiums abschloss, bevor das Eigentum vollständig an die öffentliche Hand überging. Jede der 16 Wohnungen ist modern ausgestattet und bietet auf rund 63 Quadratmetern:
- Zwei Schlafzimmer
- Eine Küche
- Ein Badezimmer
- Einen Hauswirtschaftsraum
- Einen Garagenplatz sowie einen Abstellraum
Bürokratische Hürden: Warum dauert es so lange?
Obwohl die Bauarbeiten längst abgeschlossen sind und der Gemeinderat Augusto Hidalgo bereits für den Sommer 2024 die Fertigstellung und Übergabe ankündigte, blieben die Wohnungen leer. Die Gründe dafür liegen tief in der Verwaltung begraben.
Nach offiziellen Angaben gab es zwei Hauptprobleme:
Erstens trat ein Fehler im Grundbuch auf, der langwierig korrigiert werden musste.
Zweitens gestaltete sich die Übertragung der Verwaltung komplizierter als gedacht. Das Gran Canaria Housing Consortium muss die Immobilie offiziell an das Canary Islands Housing Institute (ICAVI) übergeben. Erst wenn dieser Prozess abgeschlossen ist, kann die Regierung der Kanarischen Inseln mit der Auswahl der begünstigten Familien beginnen.
Ein Lichtblick: Das Ende der Wartezeit in Sicht?
In den letzten Tagen kam endlich Bewegung in die Angelegenheit. Das Wohnungsbaukonsortium von Gran Canaria hat das interne Verfahren zur Übertragung vor einer Woche erfolgreich abgeschlossen. Da während der öffentlichen Anhörungsfrist keine Einwände erhoben wurden, wird die Resolution nun an das ICAVI weitergeleitet.
Dieser letzte Schritt ist die Voraussetzung für die endgültige Vereinbarung zwischen den Institutionen. Sobald diese unterzeichnet ist, können die 16 Familien, die teilweise schon seit Jahren auf eine Zusage warten, endlich ihre Koffer packen. Für Valleseco ist dies nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine existenzielle Notwendigkeit, um die Gemeinde lebendig zu halten.
Fazit: Das Beispiel Valleseco zeigt deutlich, dass Geld und Bauwille allein oft nicht ausreichen. Die Trägheit der Verwaltung ist in Zeiten akuter Wohnungsnot ein Hindernis, das sich Gemeinden im Kampf gegen die Abwanderung eigentlich nicht leisten können. Es bleibt zu hoffen, dass die Schlüsselübergabe nun zügig erfolgt, damit aus dem „toten Kapital“ endlich ein lebendiges Zuhause wird. TF
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