Kanaren – Nach einer nervenaufreibenden, rund 40-stündigen internationalen Operation hat das Kreuzfahrtschiff MV Hondius am Montagabend die Kanarischen Inseln verlassen. Während die Behörden von einem „nationalen Stolz“ sprechen, wurde nun ein spanischer Passagier in Madrid positiv auf das Hantavirus getestet. Schlechte Wetterbedingungen sorgten bis zuletzt für dramatische Planänderungen im Hafen von Granadilla.
Abschied unter Hochspannung: Die MV Hondius sticht wieder in See
Es war exakt 19:00 Uhr am Montagabend, als die MV Hondius die Anker lichtete und den Hafen von Granadilla auf Teneriffa in Richtung Rotterdam verließ. Hinter der Besatzung und den Rettungskräften liegt eine der komplexesten internationalen Gesundheitsoperationen der letzten Jahre. Insgesamt dauerte der Einsatz von der ersten Ankerlegung am Sonntagmorgen um sechs Uhr bis zum endgültigen Abschluss rund 40 Stunden.
An Bord befinden sich nun noch 27 Besatzungsmitglieder sowie ein begleitender Arzt der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die die Überfahrt in den niederländischen Heimathafen sicherstellen. Die Abreise markiert das Ende eines Einsatzes, der eine Woche zuvor begann, als die WHO Spanien offiziell um Hilfe bat, das vom Hantavirus-Ausbruch betroffene Schiff aufzunehmen.
Dramatische Planänderung: Wetter erzwang riskantes Manöver
Die Evakuierung verlief bis zum Schluss nicht ohne Komplikationen. Ursprünglich war geplant, die Passagiere in kleinen Gruppen mit Zodiac-Schlauchbooten vom Schiff an Land zu bringen. Doch die Natur machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Starke Wellen und heftiger Seegang machten den Einsatz der kleinen Boote zu einem lebensgefährlichen Unterfangen. Die Schifffahrtsbehörden warnten vor der akuten Gefahr, dass Passagiere ins Meer stürzen und ertrinken könnten.
Um die Sicherheit der verbliebenen 54 Personen an Bord nicht zu gefährden, wurde am Montagnachmittag kurzfristig entschieden, das Schiff direkt im Hafen anlegen zu lassen. Für weniger als eine Stunde dockte die MV Hondius am Kai an, damit die letzten 26 Personen – darunter sechs Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder – sicher von Bord gehen konnten. Diese wurden umgehend zum nahegelegenen Flughafen Teneriffa Süd gebracht, wo bereits zwei Flugzeuge für den Rücktransport in die Niederlande bereitstanden.
Medizinisches Update: Positiver Hantavirus-Befund in Madrid
Trotz der erfolgreichen Logistik gibt es nun eine besorgniserregende medizinische Nachricht: Einer der spanischen Passagiere, die nach Madrid in das Zentrale Verteidigungskrankenhaus Gómez Ulla verlegt wurden, ist positiv auf das Hantavirus getestet worden. Der Patient zeigte am Dienstag bereits erste klinische Symptome, darunter leichtes Fieber und milde Atembeschwerden. Sein Zustand wird jedoch als stabil beschrieben, eine akute klinische Verschlechterung liegt derzeit nicht vor.
Für die weiteren 13 Personen, die sich im Gómez Ulla unter Beobachtung befinden, gab es hingegen Entwarnung: Ihre abschließenden Tests fielen negativ aus. Auch internationale Verdachtsfälle konnten teilweise geklärt werden. Ein US-Bürger, dessen Testergebnisse zunächst unklar waren, wurde mittlerweile negativ getestet.
„Tag Null“: Neues Quarantäne-Protokoll und 28-Tage-Frist
In enger Abstimmung mit internationalen Experten haben die Gesundheitsbehörden das Protokoll für den Umgang mit dem Ausbruch aktualisiert. Der 10. Mai wurde offiziell als „Tag Null“ für den Beginn der Quarantäne festgelegt. Ursprünglich war der 6. Mai vorgesehen, doch WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom gab die Verschiebung auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Premierminister Pedro Sánchez bekannt.
Die neuen Richtlinien sehen vor, dass nur Personen, die direkt vom Schiff evakuiert wurden, im Krankenhaus Gómez Ulla unter Quarantäne gestellt werden. Alle anderen potenziellen Kontaktpersonen werden individuell von den Gesundheitsämtern untersucht. Die getroffenen Maßnahmen sollen innerhalb der nächsten 28 Tage kontinuierlich überprüft und an die aktuelle wissenschaftliche Lage angepasst werden.
Bilanz des Ausbruchs: Todesopfer und kritische Fälle
Der Hantavirus-Ausbruch auf der MV Hondius fordert einen hohen Tribut. Bisher sind drei Todesopfer zu beklagen, zudem gibt es zehn bestätigte Neuinfektionen. Die WHO verfolgt mit großer Sorge den Fall eines französischen Patienten, der sich in einem kritischen Zustand befindet, nachdem er bereits während seines Rückfluges erste Symptome bemerkt hatte.
Hoffnung gibt es hingegen bei zwei Frauen in Alicante und Barcelona. Beide hatten im selben Flugzeug wie eine verstorbene Niederländerin gesessen. Ihre PCR-Tests fielen jedoch negativ aus. Tedros Adhanom betonte, dass das globale Risiko weiterhin als gering eingestuft wird, warnte jedoch davor, dass sich die Situation aufgrund der langen Inkubationszeit des Virus jederzeit ändern könne.
Hafen von Granadilla nimmt Betrieb wieder auf
Nachdem die letzten Passagiere das Schiff verlassen hatten, begannen sofort umfangreiche Desinfektionsarbeiten im Hafen von Granadilla. Pedro Suárez, Präsident der Hafenbehörde von Santa Cruz de Tenerife, bestätigte, dass die Arbeiten bereits am Dienstag abgeschlossen wurden. Desinfiziert wurden nicht nur die Hafenanlagen selbst, sondern auch alle Schiffe, die in direktem Kontakt mit der MV Hondius standen.
Sämtlicher Müll sowie die benutzte Schutzausrüstung der Mitarbeiter wurden fachgerecht entsorgt. Seit Dienstag läuft der normale Betrieb des industriell genutzten Docks wieder planmäßig.
Stolz auf Spanien: „Mission erfüllt“
Die spanische Regierung zieht eine überaus positive Bilanz der Operation. Gesundheitsministerin Mónica García, Innenminister Fernando Grande-Marlaska und Minister Ángel Víctor Torres sprachen von einem „Erfolg und einer Quelle nationalen Stolzes“. Spanien habe in dieser Krise eine internationale Führungsrolle übernommen, was auch ausdrücklich vom Generaldirektor der WHO gewürdigt wurde.
Hintergrund: Der letzte Akt der Evakuierung
Die letzten Augenblicke an Bord waren für viele Beteiligten emotional. Die verbliebenen Passagiere, gehüllt in Plastikkittel und Masken, verabschiedeten sich von der restlichen Besatzung, bevor sie mit zwei Flugzeugen Richtung Niederlande abflogen. Vier Australier, ein Neuseeländer und ein Brite traten von dort aus ihre lange Heimreise nach Ozeanien an. – TF
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