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Offiziell gab es kaum Verluste bei Selbstständigen auf den Kanaren – Inoffiziell schon 10.000 verschwunden
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Offiziell gab es kaum Verluste bei Selbstständigen auf den Kanaren – Inoffiziell schon 10.000 verschwunden

Kanarische Inseln – Auf den Kanarischen Inseln haben 20.349 Selbstständige seit dem Beginn der Pandemie die staatlichen Hilfen zur „Cese de Actividad“, eine Art Überbrückungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes beansprucht. Eine Schätzung geht davon aus, dass etwa die Hälfte, also rund 10.000 Autonomos, seit etwa einem Jahr den Betrieb eingestellt haben und diesen auch nie wieder aufnehmen werden.

Die Mehrheit der Selbstständigen, die Mieträume nutzten, um die Tätigkeit auszuüben, hat die Mietverträge gekündigt und diese den Eigentümern zurückgegeben. Denn für Mieten gibt es weder Hilfe noch ein Moratorium. Diese Selbstständigen werden wohl die Tätigkeit auch nicht wieder aufnehmen. All diese Autonomos sind offiziell nicht Arbeitslos, sondern haben nur eine ruhende Tätigkeit, wie die Personen, die sich im ERTE befinden. Erst wenn beide Programme enden, dann kommt der große Knall. Dann wird man sehen wie massiv der Einbruch der Wirtschaft in Wirklichkeit ist. Alle Hilfsprogramme sind derzeit nur dazu da, um die Menschen bei „Laune“ zu halten und die Statistik positiver darzustellen.

Unter den Selbstständigen befindet sich ein sehr großer Anteil an Betrieben, die in den touristischen Gebieten angesiedelt sind. Diejenigen, die seit fast einem Jahr geschlossen sind und diejenigen, die aufgrund der Betriebsverbote bisher noch nicht wieder geöffnet haben, all diese werden wohl auch nie wieder öffnen.

Man dachte, es dauert nicht lange

Die Regierung signalisierte zu Beginn der Pandemie, dass nach ein paar Monaten alles wieder laufen wird, diese positive Denkweise breitete sich auch bei vielen Selbstständigen aus. Aus diesem Grund haben viele Selbstständige natürlich die staatliche monatliche Hilfe beansprucht und ICO-Kredite aufgenommen. Man hatte Reserven und dachte, man könne diese Krise überstehen, wenn es eben nur ein paar Monate dauert. Doch die Realität sah anders aus. Viele stellten nach einigen Monaten fest, das wird so nicht klappen. Auch die Politik musste sich dies eingestehen und verlängerte seither die Hilfen immer wieder.

Doch diese Hilfen, die etwa 500 bis 600 Euro im Monat in die Kasse eines Selbstständigen bringen, helfen diesen Menschen in keinster Weise. Die monatlichen Fixkosten blieben und sind noch immer vorhanden. Schulden türmen sich auf, Zahlungsverzug bei Rechnungen, Sozialversicherung und Co. Kommt auf. Aus diesen Gründen haben schon viele Selbstständige aufgegeben. Viele nehmen die Hilfen noch bis zum Ende der Möglichkeit in Anspruch, denn danach kann man noch ein weiteres Jahr Arbeitslosengeld beanspruchen.

Keiner der Selbstständigen konnte und wollte ein solches Szenario einplanen. Keiner der Autonomos hat daran Schuld, dass eine Krise dieses Ausmaßes alles zerstört, was man über Jahre aufgebaut hat. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass gesagt wird, „selber Schuld, ist ja Betriebsrisiko“. Genau das ist es nicht. Welcher Selbstständige strebt eine Insolvenz an oder hofft darauf, dass eine Pandemie die Wirtschaft dermaßen in die Knie zwingt, dass einfach nichts mehr geht?

Augenwischerei funktioniert… noch!

Laut Verband der Selbstständigen (ATA) funktioniert diese Hilfe der Regierung in der Form, dass es kaum einen Verlust von betrieben und Selbstständigen gibt. Laut Statistik sind im Jahr 2020 lediglich 92 Selbstständige auf den Kanarischen Inseln abhandengekommen, das entspricht 0,1 % der bis dahin existierenden Autonomos auf den Kanaren.

Allerdings wendet sich das Blatt. Bereits im Januar 2021 haben fast 500 Selbstständige keine Kraft mehr gehabt und den Betrieb völlig und offiziell eingestellt. Aktuell sind noch 128.588 Selbstständige auf den Kanarischen Inseln registriert. Man erwartet für das Jahr 2021 ein Jahr der „massiven Zerstörung von Selbstständigen“. Die Regierung hatte aus diesem Grund schon die Hilfen ab dem 1. Februar 2021 verlängert, damit will man den Zusammenbruch weiter abbremsen.

ATA schätzt, dass rund 80.000 Selbstständige ab Februar diese Hilfen allein auf den Kanaren beanspruchen werden. Es wird den gleichen „Trend“ wie beim ERTE geben. Die Zahl der Personen, die diese Hilfen beanspruchen werden, wird im Laufe des Jahres 2021 immer weiter steigen. Laut ATA sind die Inseln Lanzarote und Fuerteventura am schlimmsten betroffen.

ATA glaubt auch nicht, dass der Sommer die Jahreszeit sein wird, die eine Kehrtwende einleiten wird. Bisher hat sich „der Eröffnungstermin der Wirtschaft immer wieder verzögert, daher glauben wir nicht, dass es im Sommer sein wird, wenn es wieder zu einer Reaktivierung der Wirtschaft kommen wird. Auch die Luftkonnektivität zu den Inseln wird ab dem Sommer noch nicht wieder hergestellt sein, im besten Fall rechnen wir mit Oktober oder November 2021“, so der Präsident von ATA auf den Kanaren Juan Carlos Arricivita.

Direkte Hilfen unabdingbar

Laut ATA sind alleine aus diesem Grund direkte finanzielle Hilfen zwingend erforderlich. Für einen kurzen Zeitraum sind die aktuellen Hilfen vom Staat sicherlich ein gutes Mittel aber für einen Zeitraum von über einem Jahr oder gar länger, ist es völlig unzulänglich, zu erwarten, dass Selbstständige mit 500 bis 600 Euro im Monat alle Kosten decken können, um das Geschäft über diesen Zeitraum zu retten. Wenn solche direkten finanziellen Hilfen nicht kommen, dann rechnet ATA damit, dass die Zahl von 10.000 verlorenen Selbstständigen am Ende der Krise um das drei bis vierfach höher liegen wird.

Arricivita fügte hinzu, dass es „Jahre dauern wird, bis das gesamte bisher zerstörte Gewerbe, wieder aufgebaut ist. Es ist notwendig, dass sich die Verwaltungen engagieren und alles tun, um den Selbstständigen und den durch diese Monate entstandenen Schaden bei Arbeitsplätze zu minimieren“. Er beschwert sich, dass jede Verwaltung, ob Zentralregierung, Lokalregierung oder Gemeinden, bisher „zu wenig getan haben“. Er fragt ganz schnippisch, „was nützt es Steuerzahlungen aufzuschieben, wenn doch nichts da ist was bezahlt werden müsste?“. Er findet es auch unerträglich, dass die Gemeinden bisher nicht auf lokale Gebühren für Terrassen, Müll und Co. verzichtet haben.

Die ICO-Kredite sind zwar verlängert, aber auch diese müssen ja irgendwann zurückbezahlt werden. Auch dieses Geld ist mittlerweile in den meisten Fällen einfach verpufft. Es wäre wohl wirklich an der Zeit, dass die Regierung mehr unternimmt, wenn man die Wirtschaft wirklich retten will, sonst wird 2021 das wohl schwärzere Jahr der Corona-Pandemie. – TF

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Quellenangabe :ATA

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