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Ältester Baum der EU: 1.544 Jahre alte Zeder auf Teneriffa entdeckt

Erfahren Sie alles über diesen spektakulären Fund und die Bemühungen zum Schutz der einzigartigen Flora Teneriffas.

Lesedauer 6 Minuten

Kanaren – Die Kanarischen Inseln sind seit jeher für ihre außergewöhnliche Natur bekannt, doch eine aktuelle Entdeckung rückt die Insel Teneriffa nun in ein ganz neues wissenschaftliches Licht. Forscher haben im Teide-Nationalpark eine Entdeckung gemacht, die die Naturgeschichte Europas buchstäblich neu datiert: Eine Kanarische Zeder, die stolze 1.544 Jahre alt ist. Damit ist dieser Baum offiziell der älteste lebende Baum in der gesamten Europäischen Union. Er steht versteckt in den schroffen, schwer zugänglichen Höhenlagen des Vulkans Teide und überdauert dort seit anderthalb Jahrtausenden Wind, Wetter und vulkanische Aktivitäten.

Diese Entdeckung ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen dem Inselrat von Teneriffa (Cabildo de Tenerife), der Endesa-Stiftung und der Universität Valladolid. Ziel der gemeinsamen Initiative war es nicht nur, die verborgenen Schätze des Nationalparks zu katalogisieren, sondern aktiv zur Erhaltung und Wiederherstellung der Hochgebirgsökosysteme beizutragen. Die Ergebnisse, die kürzlich im Besucherzentrum „El Portillo“ präsentiert wurden, zeigen eindrucksvoll, dass der Teide weit mehr ist als eine beeindruckende Kulisse für Touristen – er ist ein lebendiges Archiv der Erdgeschichte.

Im Rahmen der Forschungsarbeiten, die bereits im Jahr 2019 begannen, wurden zahlreiche uralte Zedern in Gebieten identifiziert, die für Menschen kaum erreichbar sind. Dass diese Bäume so alt werden konnten, liegt vermutlich genau an ihrer isolierten Lage. Während in tieferen Lagen menschliche Eingriffe oder Weidetiere den Bestand gefährdeten, konnten diese „Methusalems der Natur“ in den Felswänden des Hochgebirges überleben. Die nun identifizierte Zeder löst den bisherigen Rekordhalter ab, einen Baum namens „Bárbol“, der mit 1.481 Jahren ebenfalls am Teide steht. Mit 1.544 Jahren hat der neue Spitzenreiter die Völkerwanderung, das Mittelalter und die gesamte Moderne miterlebt.

Ein lebendes Denkmal: Die Entdeckung der 1.544-jährigen Zeder

Die wissenschaftliche Einordnung dieser Funde war eine Herausforderung. Da Zedern im Hochgebirge oft sehr langsam wachsen und ihre Stämme durch die extremen Bedingungen gezeichnet sind, lässt sich das Alter nicht einfach durch reines Schätzen bestimmen. Hier kam die moderne Wissenschaft ins Spiel. Mithilfe der Radiokohlenstoffdatierung (C14-Methode) konnten die Experten der Universität Valladolid präzise Altersbestimmungen vornehmen. Insgesamt wurden 25 Proben analysiert. Das Ergebnis war verblüffend: Acht der untersuchten Bäume sind über 1.000 Jahre alt, und drei von ihnen haben sogar die 1.500-Jahre-Marke überschritten.

Professor José Miguel Olano von der Universität Valladolid betonte während der Vorstellung der Ergebnisse die Bedeutung dieser Daten. Es gehe nicht nur um einen Rekord, sondern um das Verständnis dafür, wie widerstandsfähig diese Pflanzen gegenüber klimatischen Veränderungen sind. Diese uralten Zedern fungieren als „Umweltgedächtnis“. In ihren Jahrringen und ihrer Zellstruktur sind Informationen über vergangene Jahrhunderte gespeichert – über Dürreperioden, Vulkanausbrüche und Temperaturrekorde. Damit liefert die Kanarische Zeder (Juniperus cedrus) wertvolle Erkenntnisse für die Klimaforschung der Gegenwart.

Die Arbeit der Forscher war körperlich extrem fordernd. Um die Proben zu entnehmen, mussten Bergsteiger und spezialisierte Techniker in steile Felswände vordringen. Diese unzugänglichen Enklaven sind die letzten Rückzugsorte einer Population, die einst weite Teile der Insel bedeckte. Dass die Projekte nun bis zum Jahr 2025 verlängert wurden, unterstreicht die Wichtigkeit der Forschung. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, da der Klimawandel auch vor den Höhenlagen des Teide nicht haltmacht. Die Identifizierung dieser außergewöhnlichen Population ist daher der erste Schritt, um gezielte Schutzmaßnahmen zu ergreifen und sicherzustellen, dass diese Naturdenkmäler auch die nächsten Jahrhunderte überstehen.

Wiederaufforstung am Vulkan: 17.000 neue Bäume für die Zukunft

Parallel zur Erforschung der alten Bestände wurde ein massives Wiederaufforstungsprogramm gestartet. Naturschutz ist auf Teneriffa kein rein theoretisches Konzept, sondern wird durch tatkräftiges Handeln ergänzt. Im vergangenen Jahr wurden beeindruckende 17.000 junge Zedern im Nationalpark gepflanzt. Dieses Projekt, das maßgeblich von der Endesa-Stiftung unterstützt wird, soll die Vernetzung der Lebensräume wiederherstellen. In der Vergangenheit wurden die Bestände durch Holzeinschlag und die Einführung invasiver Arten stark dezimiert. Heute erkennt man, dass die Zeder eine Schlüsselrolle im ökologischen Gleichgewicht des Berges spielt.

Juan Ignacio Ferrer, Leiter des Bereichs Biodiversität bei der Endesa-Stiftung, erklärte das Engagement seines Hauses mit der Verantwortung gegenüber dem Naturerbe. Die Wiederherstellung der Zedernwälder sei eine „einzigartige Gelegenheit, das Gleichgewicht der Natur zurückzugewinnen“. Es gehe darum, eine Landschaft zu heilen, die über Jahrhunderte unter menschlichem Einfluss gelitten hat. Dabei ist die Pflanzung von 17.000 Bäumen in einer so kargen und extremen Umgebung wie dem Teide-Nationalpark eine logistische Meisterleistung. Die jungen Pflanzen müssen unter schwierigen Bedingungen anwachsen und gegen Trockenheit sowie starke Sonneneinstrahlung geschützt werden.

Die Stadträtin für Naturschutz, Blanca Pérez, hob hervor, dass diese Bemühungen Teil einer größeren Vision für die Insel seien. „Der Teide ist nicht nur eine Landschaft, sondern ein lebendiges, fragiles und überaus wertvolles Erbe“, sagte sie. Die Pflanzungen dienen dazu, die natürliche Regeneration der Wälder zu fördern. Ziel ist es, dass sich die Bestände langfristig wieder von selbst verjüngen können, ohne dass der Mensch ständig eingreifen muss. Durch die Wiederansiedlung der Zedern wird zudem der Boden stabilisiert und die Feuchtigkeit in der Luft besser genutzt – ein entscheidender Faktor für das gesamte Wassermanagement der Insel Teneriffa.

Die Zusammenarbeit zwischen öffentlichen Institutionen wie dem Inselrat und privaten Partnern wie der Endesa-Stiftung zeigt, wie effektiver Umweltschutz im 21. Jahrhundert funktionieren kann. Es braucht sowohl die finanzielle Unterstützung als auch die wissenschaftliche Expertise und den politischen Willen. Das Projekt am Teide gilt bereits jetzt als Vorzeigemodell für andere Nationalparks in Spanien und ganz Europa. Es verbindet den Schutz von „Old-Growth-Forests“ (Urwäldern) mit aktiver Aufforstung und moderner Forschung.

Vom Aussterben bedroht: Die Rettung des Guajara-Veilchens und der Silberdistel

Während die riesigen Zedern die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, widmet sich ein zweites Projekt den eher unscheinbaren, aber ebenso wichtigen Bewohnern des Vulkans. Im Schatten der Bäume und in den sandigen Ebenen des Parks kämpfen zwei weitere Arten um ihr Überleben: das Guajara-Veilchen (Viola cheiranthifolia) und die Silberdistel (Stemmacantha cynaroides). Beide Pflanzen sind endemisch, das heißt, sie kommen weltweit ausschließlich im Teide-Nationalpark vor. Noch vor wenigen Jahrzehnten galten sie als nahezu ausgestorben und standen auf den Listen der am stärksten bedrohten Pflanzenarten der Welt.

In einer koordinierten Aktion wurden nun 65 Guajara-Veilchen und 50 Silberdisteln an zwei neuen, strategisch ausgewählten Standorten innerhalb des Parks wieder eingeführt. Diese Pflanzen hatten bisher ein extrem begrenztes Verbreitungsgebiet – oft beschränkt auf nur eine einzige Schlucht oder wenige Felsvorsprünge. Durch die Ausweitung ihrer Standorte wird das Risiko minimiert, dass eine einzige Naturkatastrophe oder ein lokaler Schädlingsbefall die gesamte Art auslöscht. Um die jungen Pflanzen vor hungrigen Kaninchen oder Mufflons zu schützen, wurden die neuen Flächen mit speziellen Schutzzäunen versehen.

Diese kleinteilige Arbeit ist für die Biodiversität des Hochgebirges essenziell. Das Guajara-Veilchen hält den Weltrekord für die am höchsten wachsende Pflanze in ganz Spanien; es gedeiht noch in unmittelbarer Nähe des Gipfelkraters. Die Silberdistel hingegen beeindruckt durch ihre prachtvollen Blüten, die jedoch nur alle paar Jahre erscheinen. Beide Arten sind perfekt an das extreme Klima angepasst, doch sie sind auch extrem empfindlich gegenüber Veränderungen. Blanca Pérez erklärte, dass diese Initiativen zeigen, wie wichtig es ist, Kräfte zu bündeln, um einzigartige Arten vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die aktuellen Entwicklungen auf Teneriffa ein starkes Signal für den Naturschutz aussenden. Die Entdeckung der 1.544 Jahre alten Zeder erinnert uns daran, wie klein die menschliche Zeitspanne im Vergleich zur Natur ist. Gleichzeitig zeigt die erfolgreiche Pflanzung von 17.000 Bäumen und die Rettung seltener Blumen, dass wir die Macht haben, beschädigte Ökosysteme zu heilen. Der Teide-Nationalpark festigt damit seinen Ruf als eines der bedeutendsten Naturreservate der Welt – ein Ort, an dem Vergangenheit und Zukunft in einer einzigartigen Flora aufeinandertreffen. Für die Bewohner Teneriffas und die Besucher der Insel ist dies ein Aufruf, dieses außergewöhnliche Land mit Respekt und Demut zu behandeln, damit auch in weiteren 1.500 Jahren noch Zedern über den Atlantik blicken können. – TF

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