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Warum Gran Canarias Aprikosenernte 2026 trotz Wetter-Paradoxon überrascht

Endlich läuft es für die Landwirte wieder besser.

Lesedauer 3 Minuten

San Bartolomé de Tirajana – Die Erntezeit von Aprikosen im malerischen Hochland von Gran Canaria ist offiziell beendet, und unter den lokalen Erzeugern macht sich ein vorsichtiger, aber spürbarer Optimismus breit. Nach existenzbedrohenden Einbrüchen in den vergangenen Saisons sorgt die aktuelle Aprikosenernte 2026 für eine echte Überraschung. Trotz eines extremen Wetter-Paradoxons und dem anhaltenden Kampf gegen aggressive Schädlinge verzeichnen die traditionsreichen Betriebe in San Bartolomé de Tirajana ein wichtiges Produktionsplus.

Aprikosenernte auf Gran Canaria 2026: Die Zahlen im Überblick

Für Miguel Guerra, einen der profiliertesten Aprikosenproduzenten der Region, gleicht das diesjährige Ergebnis einer Erlösung. Noch im Vorjahr erlebte der erfahrene Landwirt eine bittere Enttäuschung: Kaum 1.000 Kilogramm der süßen Früchte konnte er 2025 von seinen rund 500 Bäumen in dem Bergdorf Cercados de Araña pflücken. In diesem Jahr sieht die Bilanz deutlich freundlicher aus. Rund 4.000 Kilogramm der als Prunus armeniaca bekannten Steinfrüchte konnte Guerra vor knapp zwei Wochen einbringen. Ein massiver Aufwärtstrend, auch wenn die Plantage in optimalen Jahren theoretisch bis zu 15.000 Kilogramm tragen könnte.

Dieses Bild der Erholung spiegelt sich auf der gesamten Insel wider. Nach aktuellen Daten der Landwirtschaftlichen Beratungsstelle Arinaga – einer dem Inselrat (Cabildo de Gran Canaria) unterstellten Behörde – haben die rund 40 aktiven Erzeuger der Region in dieser Saison insgesamt 25.000 Kilogramm Aprikosen geerntet.

Ein Blick auf die Statistik der letzten Jahre verdeutlicht die extreme Achterbahnfahrt der lokalen Landwirtschaft:

  • 2023: 18.000 Kilogramm
  • 2024: 6.000 Kilogramm (Historisches Krisenjahr)
  • 2025: 22.000 Kilogramm
  • 2026: 25.000 Kilogramm (Aktuelle Saison)

Trotz der kontinuierlichen Stabilisierung bleibt die Branche jedoch weit hinter historischen Spitzenwerten zurück. Im Jahr 2015 wurden auf Gran Canaria noch stolze 100.000 Kilogramm erzielt, und auch 2018 lag die Produktion mit 80.000 Kilogramm noch um ein Vielfaches höher.

Das Wetter-Paradoxon: Warum der Regen Segen und Fluch zugleich war

Dass die Aprikosenernte auf Gran Canaria 2026 nicht noch üppiger ausfiel, liegt an einem faszinierenden meteorologischen Paradoxon. Die intensiven Regenfälle der vergangenen Monate brachten der Insel nach einer beispiellosen Dürreperiode die dringend benötigte Feuchtigkeit. Zuvor war die Trockenheit so extrem, dass Miguel Guerra seine Felder sogar aufwendig mit privaten Wassertanks künstlich bewässern musste. Der ersehnte Regen kam schließlich – allerdings exakt während der empfindlichen Blütezeit der Bäume, was einen Teil der Blüten zerstörte und die Produktion drosselte.

Dennoch überwiegen langfristig die positiven Aspekte des Wetters. Der vergangene Winter brachte den Obstbäumen genau zum richtigen Zeitpunkt die notwendigen Kältestunden, die für ein gleichmäßiges Austreiben im Frühjahr essenziell sind. Da zudem die gefürchteten Calima-Schwerwetterlagen zu Jahresbeginn ausblieben, überzeugen die Früchte in diesem Jahr durch eine herausragende geschmackliche und optische Qualität. Die gesicherten Wasserreserven und stabilen Marktpreise motivieren derzeit sogar einige Landwirte, neue Obstgärten anzulegen.

Herausforderungen im Obstanbau: Schädlinge und fehlender Nachwuchs

Trotz der qualitativen Spitzenklasse steht der Sektor vor ernsten strukturellen Problemen. Die Anbaufläche im Süden und Südosten der Insel ist in den letzten Jahren auf etwa 20 bis 30 Hektar geschrumpft. Das Hochland von San Bartolomé de Tirajana – insbesondere die Weiler Tunte, Hoya Grande, La Hoya, Manzanilla, Fataga und Cercados de Araña – gilt als das einzige wirtschaftlich rentable Aprikosenanbaugebiet der gesamten Kanarischen Inseln.

Umso mehr sorgt sich der über 70-jährige Miguel Guerra um die Zukunft. Es fehlt schlichtweg am dringend benötigten Generationswechsel. Während Guerra trotz seines hohen Alters noch voller Energie auf dem Feld steht, finden viele Betriebe keine Nachfolger. Zudem bereitet den Landwirten die Mittelmeerfruchtfliege (Ceratitis capitata) massive Sorgen. Der gefährliche Schädling nistet sich in den reifenden Früchten ein und lässt sie unbrauchbar verfaulen. Erschwerend kommt hinzu, dass die offiziell zugelassenen Pflanzenschutzmittel laut den Erzeugern spürbar an Wirksamkeit verloren haben.

„Albaricoques de Tirajana“: Starke Marke für den kanarischen Markt

Um den Fortbestand des traditionsreichen Anbaus zu sichern und die Wertschöpfung in der Region zu halten, setzen die Erzeuger auf eine gezielte Qualitätsstrategie. Unter der geschützten Eigenmarke „Albaricoques de Tirajana“ werden die Früchte exklusiv vermarktet. Der Vertrieb läuft vollständig über das regionale öffentliche Unternehmen GMR (Gestión del Medio Rural), das in enger Partnerschaft mit dem Inselrat seit 2016 ein erfolgreiches Projekt zur Förderung des lokalen Obstes betreibt.

Auf den Plantagen setzen die Bauern auf einen Mix aus Tradition und Innovation. Neben bewährten Sorten wie Canino, Mogador, Mikado und Currot (Mayero) testen die Landwirte im oberen Teil von Tirajana derzeit neue, potenziell widerstandsfähigere Sorten wie Sayeb, Red Currot, Late Red und Cebas-Red auf ihre langfristige Eignung für das kanarische Mikroklima. – TF

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