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Gran Canaria schließt Meerwasserfassung für Megaprojekt Salto de Chira ab

Lesedauer 3 Minuten

Gran Canaria – Auf Gran Canaria hat das Infrastrukturprojekt Salto de Chira einen zentralen Meilenstein erreicht. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Tiefbauarbeiten für die Meerwasserfassung im Küstenbereich von Santa Águeda (Molina) ist der physische Zugang zum Atlantischen Ozean fertiggestellt. Dieses Teilprojekt bildet die Grundlage für den Betrieb der zugehörigen Entsalzungsanlage, die das Pumpspeicherkraftwerk im Landesinneren mit Wasser versorgt.

Das Vorhaben wird vom spanischen Netzbetreiber Red Eléctrica de España (REE) ausgeführt und gilt als eines der wichtigsten strategischen Energieprojekte des kanarischen Archipels. Ziel ist es, die schwankende Einspeisung aus Wind- und Sonnenenergie auszugleichen und das Inselnetz zu stabilisieren.

Technische Details der Küsteninfrastruktur

Die Fertigstellung der Meerwasserfassung umfasst mehrere komplexe Ingenieurbauwerke an der Südküste der Insel. Über unterirdische Rohrsysteme und ein spezialisiertes Pumpwerk wird künftig Meerwasser angesaugt und zur Entsalzungsanlage geleitet. Nach Angaben des Betreibers und der zuständigen Wasserbehörde von Gran Canaria (Consejo Insular de Aguas de Gran Canaria) verfügt die Anlage über eine geplante Produktionskapazität von rund 7.800 Kubikmetern Süßwasser pro Tag.

Das entsalzte Wasser wird anschließend über eine mehr als 20 Kilometer lange Druckrohrleitung in die höher gelegenen Stauseen von Chira und Soria gepumpt. Dieser Schritt ist notwendig, da die natürlichen Niederschläge in der Region nicht ausreichen, um die für den Kraftwerksbetrieb erforderlichen Wassermengen dauerhaft bereitzuhalten.

Funktionsweise als gigantischer Energiespeicher

Das Prinzip des Pumpspeicherkraftwerks Salto de Chira basiert auf dem Höhenunterschied zwischen den beiden bestehenden Stauseen Chira (oberes Becken) und Soria (unteres Becken):

  • Bei Stromüberschuss: Produzieren Windkraft- und Fotovoltaikanlagen auf der Insel mehr Energie als aktuell verbraucht wird, treibt der überschüssige Strom Pumpen an. Diese fördern das Wasser vom unteren Becken zurück in den oberen Stausee.
  • Bei Strombedarf: Sinkt die Erzeugung aus erneuerbaren Energien oder steigt die Nachfrage im Netz, stürzt das Wasser aus dem Chira-Stausee durch einen Tunnel abwärts und treibt Turbinen im Höhlenkraftwerk an, um elektrische Energie zu erzeugen.

Die geplante installierte Leistung der Anlage liegt bei 200 Megawatt. Das System soll eine Speicherkapazität von etwa 3,5 Gigawattstunden bieten. Dies entspricht nach Berechnungen der Ingenieure einer Abdeckung des gesamten Strombedarfs von Gran Canaria für mehrere Stunden.

Bedeutung für die Energiewende der Kanaren

Inselsysteme stehen bei der Umstellung auf erneuerbare Energien vor besonderen Herausforderungen, da sie nicht an ein großes Festlandnetz angebunden sind. Fällt der Wind oder verschwindet die Sonne, drohen ohne Speicher Instabilitäten im Netz.

Mit der Inbetriebnahme von Salto de Chira strebt die Inselverwaltung an, den Anteil der erneuerbaren Energien am Strommix von derzeit unter 30 Prozent auf über 50 bis 70 Prozent zu steigern. Zudem ermöglicht die Entsalzungsinfrastruktur, überschüssiges Wasser für landwirtschaftliche Zwecke und die Brandbekämpfung in den umliegenden Tälern bereitzustellen.

Zeitplan und ökologische Aspekte

Nach dem Abschluss der Meerwasserfassung konzentrieren sich die Arbeiten nun auf die Fertigstellung der unterirdischen Kavernen, in denen die Turbinen untergebracht werden, sowie auf die Verlegung der Hochspannungsleitungen zur Netzintegration. Die vollständige Inbetriebnahme des Gesamtsystems ist schrittweise vorgesehen.

Das Projekt war im Vorfeld Gegenstand von Umweltprüfungen und gesellschaftlichen Debatten. Während Befürworter den entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz und zur fossilen Unabhängigkeit betonen, wiesen Umweltgruppen auf die Eingriffe in die lokale Flora und Fauna sowie auf die Einleitung der Sole (Konzentrat aus der Entsalzung) ins Meer hin. Die Behörden haben daraufhin strikte Umweltauflagen und Monitoring-Programme für den Küstenabschnitt erlassen. – TF

Weitere Artikel zum Thema:
Umweltstaatsanwaltschaft ermittelt: Schwere Unwetterschäden in der Arguineguín-Schlucht durch Bau von Salto de Chira?, vom 20.05.2026
Archäologische Stätte „Morro Iglesia“ beim Salto de Chira freigelegt, vom 28.10.2025 (inkl. weiterer Arzikel zum Thema)

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