La Aldea – Gran Canaria erlebt derzeit eine der intensivsten Hitzephasen des Spätsommers. Am gestrigen Dienstag hat das Quecksilber auf der Insel erneut extreme Werte erreicht. In Tasarte, einem Ortsteil der Gemeinde La Aldea de San Nicolás, verzeichnete die staatliche meteorologische Agentur Spaniens (Aemet) um 17:20 Uhr eine beeindruckende Höchsttemperatur von 42,9 Grad Celsius im Schatten. Diese Werte machen deutlich, wie stark der Archipel derzeit von den extrem heißen Luftmassen aus Afrika beeinflusst wird.
Auch in den touristischen Zentren im Süden der Insel war die Hitze allgegenwärtig. Das Centro Insular de Turismo in Maspalomas meldete um 13:40 Uhr einen Spitzenwert von 40,1 Grad Celsius. Damit lagen die Temperaturen in Maspalomas nur knapp unter dem Insel-Spitzenreiter. Diese enormen Temperaturunterschiede auf relativ kleinem Raum verdeutlichen die komplexen mikroklimatischen Bedingungen auf den Kanarischen Inseln.
Warum Tasarte zum Glutofen wird
Dass gerade Tasarte in La Aldea de San Nicolás die höchsten Werte verzeichnet, ist kein Zufall. Die Ursache für diese extremen Temperaturen liegt in einer Kombination aus geografischen und meteorologischen Faktoren. Das tief eingeschnittene Tal, der sogenannte Barranco, ist so ausgerichtet, dass es die extrem heißen und trockenen Luftmassen, die vom afrikanischen Kontinent herüberwehen, regelrecht einfängt. Die geologischen Formationen speichern die Hitze und verhindern eine ausreichende Luftzirkulation. So staut sich die Wärme in der Schlucht und verwandelt den Ort in einen natürlichen Glutofen, der an diesem Tag die höchsten Temperaturen Spaniens registrierte.
Ein Sommer der klimatischen Extreme
Die aktuellen Werte wecken Erinnerungen an den Höhepunkt des diesjährigen Sommers. Erst am 3. August wurde mit 44,3 Grad Celsius die absolut höchste Temperatur des Jahres auf dem Archipel gemessen. Seit nunmehr 40 Tagen wird die Inselgruppe immer wieder von intensiven Hitzeperioden heimgesucht, die regelmäßige Wetterwarnungen der Behörden nach sich ziehen.
Neben Tasarte und Maspalomas schwitzten auch andere Regionen der Inseln stark. Lomo Pedro Alfonso und San Bartolomé de Tirajana registrierten knapp 39,9 Grad Celsius, während am Flughafen von Lanzarote 39,8 Grad und in Agüimes 39,3 Grad gemessen wurden. Eine besondere physische Belastung für die Bevölkerung stellen derzeit die sogenannten tropischen Nächte dar. Laut diversen Berichten, kühlen die Temperaturen auch nach Sonnenuntergang kaum noch ab. In Agüimes sank das Thermometer in der Nacht zum Dienstag nicht unter 28,6 Grad Celsius – ein außergewöhnlich hoher Wert, der die körperliche Erholung drastisch erschwert.
Wetterausblick: Leichte Entspannung, doch die Calima bleibt
Für den heutigen Mittwoch hat die Aemet die Warnstufen für den Archipel erfreulicherweise leicht gesenkt. Die extremsten Hitzewarnungen für die Küsten Gran Canarias sowie das Landesinnere von Fuerteventura wurden zurückgenommen. Dennoch bleibt es überdurchschnittlich warm: Die Vorhersage für Gran Canaria und Fuerteventura geht weiterhin von Maximaltemperaturen um die 34 Grad Celsius aus. Besonders betroffen bleiben die mittleren Höhenlagen (Medianías), die Ostküste sowie das Becken von Tejeda (Südhälfte der Insel). Auf den restlichen Inseln wird sich das Quecksilber voraussichtlich zwischen 32 und 34 Grad einpendeln.
Zusätzlich zur Hitze bleibt die Calima – der feine Wüstenstaub aus der Sahara – ein ständiger Begleiter. Der Staub konzentriert sich vor allem in den mittleren und höheren Luftschichten und betrifft überwiegend die nach Osten und Süden ausgerichteten Gebiete der Inseln. Der Nordostwind weht allgemein mäßig, kann aber an den nordwestlichen und südöstlichen Küsten gelegentlich für stärkere Böen sorgen, bevor er in der Nacht leicht abflaut und in eine nördliche Strömung übergeht.
Gesundheitswarnung der Behörden
Aufgrund der anhaltenden Hitzewelle und der mangelnden nächtlichen Abkühlung mahnt die Generaldirektion für Notfälle der Kanarischen Regierung weiterhin zur Vorsicht. Besonders ältere Menschen, Kinder und gesundheitlich vorbelastete Personen sollten aktiv geschützt werden. Es wird dringend empfohlen, sich während der heißesten Stunden des Tages nicht im Freien sportlich zu betätigen, direkte Sonneneinstrahlung zu meiden und auf eine regelmäßige, ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten. – TF
