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Das Geheimnis von Arguineguín: Warum dieser kanarische Ort seine Wurzeln in Mauretanien hat

Historiker entdecken eine faszinierende Verbindung...

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Wer an Arguineguín im sonnigen Süden von Gran Canaria denkt, hat meist sofort malerische Sandstrände, Fischerboote und modernen Tourismus vor Augen. Doch hinter der idyllischen Fassade des beliebten Küstenorts verbirgt sich ein jahrhundertealtes historisches Rätsel. Der Name, der heute eine lebendige Stadt, eine gewaltige Schlucht und einen markanten Berg bezeichnet, ist weit mehr als eine bloße geografische Angabe. Seine Ursprünge reichen tief in die vorspanische Zeit der Ureinwohner zurück und schlagen eine überraschende Brücke über den Atlantik – direkt an die Küsten von Mauretanien.

Ein sprachliches Rätsel aus alten Chroniken

Für Historiker und Sprachwissenschaftler ist das Wort „Arguineguín“ seit jeher eine harte Nuss. Bereits in den ältesten europäischen Dokumenten aus dem 15. Jahrhundert, wie der berühmten Chronik „Le Canarien“, taucht der Ortsname in bis zu sechs verschiedenen Schreibweisen auf. Den europäischen Eroberern fiel es sichtlich schwer, die fremden Laute der altkanarischen Sprache schriftlich exakt festzuhalten. Dass der Name die Jahrhunderte überdauert hat, ist vor allem der treuen mündlichen Überlieferung der lokalen Bevölkerung zu verdanken.

Die Spur nach Mauretanien: Was bedeutet Arguineguín wirklich?

Moderne Erkenntnisse aus der Berberphilologie werfen ein völlig neues Licht auf die Herkunft des Namens und zeigen eine faszinierende Verbindung zum afrikanischen Kontinent auf. Eine der fundiertesten Theorien stammt von dem Forscher Abrahan Louth. Er zerlegt das historische Wort in drei prägnante Sprachelemente: „arguin-n-guin“.

Der entscheidende erste Teil, Arguin, bezieht sich direkt auf eine kleine Insel vor der mauretanischen Küste. Diese Region ist seit jeher als extrem fischreiches Gewässer bekannt und diente den Fischern der Kanarischen Inseln über Generationen hinweg als wichtiges Fanggebiet. Eine alternative Deutung des Forschers Ahmed Sabir sieht in dem Begriff den Plural für den Arganbaum, der typisch für die Halbwüsten Marokkos und Mauretaniens ist. Demnach könnte Arguineguín „die Arganbäume dort“ bedeuten. Da es auf Gran Canaria jedoch keine natürlichen Arganbäume gibt, die traditionsreiche Fischerei der Gemeinde Mogán aber weltbekannt ist, gilt die direkte Verbindung zur Bucht von Arguín in Mauretanien als die wahrscheinlichste Erklärung.

Prähistorische Metropolen und die Flucht der Wale

Schon lange vor der Ankunft der Spanier war die dortige Ureinwohner-Siedlung, heute bekannt als El Pajar de Arguineguín, ein wichtiges Bevölkerungszentrum. In alten Berichten wird die Anlage aufgrund ihrer Größe sogar als echte „Stadt“ beschrieben. Die Menschen lebten dort in charakteristischen, kreuzförmigen Häusern. Archäologische Ausgrabungen bringen bis heute Überreste ans Tageslicht, die das hochentwickelte Alltagsleben dieser frühen Epoche dokumentieren.

Wie eng die Verbindung zum afrikanischen Festland blieb, zeigen auch Aufzeichnungen des Chronisten Viera y Clavijo aus dem Jahr 1778. Er berichtete, dass Wale, die vor Arguineguín harpooniert wurden, regelmäßig zur mauretanischen und nordafrikanischen Küste flohen. Dies belegt nicht nur eine intensive maritime Beziehung, sondern auch ein gemeinsames Ökosystem, das die Menschen und die Natur auf beiden Seiten des Ozeans verband.

Alternative Tuareg-Theorie: Fließendes Wasser im Süden?

Neben der starken mauretanischen Fährte existieren noch andere Ansätze. Der renommierte Professor Maximino Trapero verweist auf eine These des Forschers Rodríguez-Dincourt (2014). Demnach könnte das Wort aus der Sprache der Tuareg stammen und „Tal, in dem es fließendes Wasser gibt“ bedeuten.

Topografisch würde dies zur Arguineguín-Schlucht passen, der längsten der Insel. Da der Süden Gran Canarias heute jedoch sehr trocken ist, müsste das Klima zur Zeit der Namensentstehung grundlegend feuchter gewesen sein. Dennoch bleibt die historische Verbindung zur mauretanischen Küste aufgrund der realen Kultur- und Wirtschaftskontakte der plausibelste Favorit der Forschung.

Fazit: Ein Name als lebendiges Erbe

Der Name Arguineguín ist kein Zufallsprodukt, sondern ein jahrtausendealtes Zeugnis für die tiefe Verbundenheit Gran Canarias mit dem afrikanischen Kontinent. Er verbindet den modernen Urlaubsort direkt mit den antiken Fischergründen vor Mauretanien. – TF

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