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Schwerer politischer Schlag für Mogán: Oberster Gerichtshof kippt umstrittene Touristensteuer

Ein beispielloses politisches Debakel für Onalia Bueno!

Lesedauer 7 Minuten

Mogán – Es ist ein juristisches Erdbeben mit enormer politischer Sprengkraft für die Tourismusbranche auf den Kanarischen Inseln. Der Oberste Gerichtshof der Kanarischen Inseln (TSJC) hat ein wegweisendes Urteil gefällt und die viel diskutierte Touristensteuer der Gemeinde Mogán für rechtswidrig und damit vollständig nichtig erklärt. Was ursprünglich als landesweites Vorzeigeprojekt der amtierenden Bürgermeisterin Onalia Bueno geplant war, endet nun in einem beispiellosen Fiasko. Das Gericht gab mit dieser Entscheidung der Berufungsklage des Verbandes der Gastgewerbe- und Tourismusbetriebe von Las Palmas (FEHT) in vollem Umfang recht. Damit ist die umstrittene Maßnahme, die erst seit dem vergangenen Jahr in Kraft war, offiziell Geschichte.

Ein juristisches und politisches Debakel mit Ansage

Für die politische Führung der Gemeinde Mogán ist dieses Urteil weit mehr als nur ein juristischer Rückschlag. Es markiert das dramatische Scheitern einer Lokalpolitik, die auf Alleingänge setzte. Die offizielle Entscheidung des Gerichts datiert auf den 9. Juli, wenngleich die entscheidende Abstimmung der Richter bereits am 28. Mai stattfand. Bemerkenswert ist der intensive juristische Filterprozess: Ein ursprünglich 350 Seiten starkes Dokument wurde auf präzise 38 Seiten komprimiert, die nun das endgültige Aus für die sogenannte „Ökogebühr“ besiegeln.

Das Gericht fand in seiner Begründung unmissverständliche Worte. Der vorsitzende Richter und Verfasser des Urteils, Francisco José Gómez de Lorenzo-Cáceres, stellte fest, dass die beanstandete Steuer erhebliche, deutlich erkennbare Mängel aufweise. Zwar attestierte der Richter der Gemeinde, zweifellos „in gutem Glauben“ gehandelt zu haben, um wirtschaftliche Einnahmen zu generieren. Dennoch habe die Umsetzung der Verordnung den eigentlichen rechtlichen Charakter einer kommunalen Gebühr völlig verzerrt. Der Richter merkte zudem an, dass es nicht ohne Bedauern die Aufgabe des Gerichts sei, diesem verfehlten Eintreibungsversuch der beklagten Gemeinde ein Ende zu setzen. Die Verordnung sei mit den verfassungsrechtlichen und gesetzlichen Normen schlichtweg unvereinbar.

Das gescheiterte Äquivalenzprinzip: Warum die Steuer unzulässig ist

Doch warum genau ist die hochgelobte Steuer vor dem obersten Gericht gescheitert? Der juristische Schlüssel zu diesem Urteil liegt im sogenannten Äquivalenzprinzip. Dieses Prinzip ist das rechtliche Fundament jeder Gebührenerhebung in Spanien. Es stützt sich auf zwei unverhandelbare Säulen: die Kostendeckung der Leistung und den konkreten Nutzen, den der Zahlende daraus zieht.

Einfach formuliert bedeutet das: Wenn eine Gemeinde von Touristen eine Gebühr verlangt, muss haargenau definiert sein, welche direkte Gegenleistung oder Dienstleistung der Gast dafür erhält. Genau hier lag der fatale Fehler von Mogán. Das Urteil hält unmissverständlich fest, dass die Einnahmen aus dieser umstrittenen Steuer nicht dazu bestimmt waren, eine spezifische Dienstleistung zu erbringen. Die erbrachte Gegenleistung blieb in ihren entscheidenden Aspekten völlig unbekannt. Wie der klagende Tourismusverband FEHT erfolgreich argumentierte, deckte der erhobene Betrag nicht nur unbekannte Kosten, sondern diente der Gemeindeverwaltung de facto als illegitimes Mittel zur allgemeinen Finanzierung des Stadtrats.

Millionen-Einnahmen blockiert: Was passiert mit dem Geld?

Die praktischen Auswirkungen der Steuer waren bereits in den vergangenen Monaten spürbar. Die Gemeinde erhob einen Betrag von 0,15 Euro pro Übernachtung. In weiser Voraussicht auf das drohende juristische Unheil hatte der Stadtrat von Mogán jedoch bereits vor dem Urteil präventive Maßnahmen ergriffen. Bis zur endgültigen Entscheidung der Justiz wurden die geplante jährliche Erhöhung der Kurtaxe sowie die im ersten Jahr eingenommenen Gelder eingefroren.

Insgesamt geht es hierbei um eine Summe von rund 1,4 Millionen Euro, die in zwei Erhebungszeiträumen generiert wurde. Diese Gelder waren eigentlich für Investitionen im lokalen Tourismussektor vorgesehen. Nun stellt sich die komplizierte Frage der Rückabwicklung, da die rechtliche Grundlage für diese Einnahmen durch das Gericht vollständig entzogen wurde.

Die Opposition rechnet ab: „Der schwerste politische Schlag“

Während im Rathaus von Mogán nach Erklärungen gesucht wird, sieht sich die politische Opposition auf ganzer Linie bestätigt. Die Partei Nueva Canarias (NC), die sich von Beginn an vehement gegen die Steuer gestellt hatte, begrüßte das Urteil des Obersten Gerichtshofs ausdrücklich. Für die Gruppierung ist die Entscheidung der klare Beweis dafür, dass ihre stetigen Warnungen während des gesamten Gesetzgebungsverfahrens vollauf gerechtfertigt waren.

Bereits in der Entstehungsphase der Verordnung hatten die NC-Stadträte Juanma Gabella und Javier Romero öffentlich Alarm geschlagen. Sie argumentierten stets, die Verordnung sei rechtswidrig, verstoße gegen das Allgemeine Steuergesetz und versuche unter dem Deckmantel einer harmlosen Gebühr eine faktische Steuer auf Übernachtungen einzuführen. Diese Bedenken wurden während der öffentlichen Anhörungen detailliert dargelegt, fanden bei der amtierenden Regierung jedoch kein Gehör.

Für Juanma Gabella, die Sprecherin von Nueva Canarias in Mogán, ist das aktuelle Urteil eine historische Zäsur. Sie bezeichnet die Entscheidung als einen „beispiellosen Schlag für die Bürgermeisterin und die Bestätigung des größten politischen und juristischen Versagens ihrer Amtszeit“.

„Wir haben von Anfang an gewarnt, dass diese Steuer ein juristisches Chaos ist“, betont Gabella. „Man sagte uns, wir lägen falsch, wir würden systematisch dagegen vorgehen, und Mogán würde ein Exempel für ganz Spanien statuieren. Heute haben die Gerichte klargestellt, wer Recht hatte.“

Der Traum von der nationalen Vorreiterrolle ist zerplatzt

Der Fokus der Kritik richtet sich schonungslos auf die persönliche Agenda von Bürgermeisterin Onalia Bueno. Ihr wird vorgeworfen, die Steuerverordnung als politisches PR-Instrument missbraucht zu haben, um sich auf nationaler Ebene zu profilieren. Gabella sieht die Bürgermeisterin durch das Gerichtsurteil nun bloßgestellt: „Onalia Bueno hat sich lächerlich gemacht, indem sie versucht hat, eine Verordnung als großen Erfolg zu verkaufen, die niemals hätte verabschiedet werden dürfen.“

Die Ambitionen der Bürgermeisterin waren groß: Sie wollte die erste Rathauschefin in ganz Spanien sein, die eine derartige Touristensteuer erfolgreich einführt. Stattdessen müsse sie nun als erste erleben, wie ihr Prestigeprojekt von den höchsten Richtern wegen gravierender Rechtswidrigkeit in der Luft zerrissen wird. Für die Opposition ist dies die einzige Form von „Führungsstärke“, die Bueno in diesem Prozess bewiesen habe.

Absurde finanzielle Belastung für die eigenen Einwohner abgewendet

Ein besonders brisanter und emotionaler Aspekt der Debatte betrifft die Einheimischen selbst. Nueva Canarias betonte immer wieder, dass es bei ihrem erbitterten Widerstand nie grundsätzlich gegen die Verbesserung der Finanzierung von Tourismusgemeinden ging. Das Hauptproblem war die handwerklich schlechte, rechtlich unhaltbare und vor allem zutiefst ungerechte Ausgestaltung der Verordnung.

Hätte das Urteil keinen Bestand gehabt, wären die Einwohner von Mogán die großen Verlierer gewesen. Durch die Aufhebung der Steuer wurden die Bürger nun im letzten Moment von einer absurden Belastung befreit. Die gekippte Steuer hätte nämlich bedeutet, dass auch die eigenen Nachbarn zur Kasse gebeten worden wären. Hätte ein Einheimischer in einem Hotel oder einer Ferienwohnung in seiner eigenen Gemeinde übernachtet, hätte er den zusätzlichen Aufschlag entrichten müssen – und das, obwohl er die kommunalen Dienstleistungen bereits über seine regulären Steuern finanziert. Eine doppelte Belastung, die schlichtweg absurd war und nun endgültig vom Tisch ist.

Arroganz und Propaganda: Scharfe Kritik am Regierungsstil

Das Scheitern der Touristensteuer wirft ein grelles Licht auf den allgemeinen Regierungsstil in Mogán. Für Nueva Canarias verdeutlicht das Gerichtsurteil die negativen Konsequenzen politischer Arroganz. Die Opposition wirft Onalia Bueno vor, aus einer Position des übersteigerten Stolzes heraus zu regieren. Wer stets im Glauben handele, die Weisheit gepachtet zu haben, und jegliche fundierten Einwände politisch Andersdenkender konsequent ignoriere, müsse am Ende die harten rechtlichen Konsequenzen tragen.

Die Bürgermeisterin habe sich schlichtweg geweigert, den stichhaltigen juristischen Argumenten der Opposition zuzuhören. Stattdessen zog sie es vor, rücksichtslos ihre eigene politische Agenda voranzutreiben. „Onalia Buenos Ideologie und Arroganz haben sie taub für den gesunden Menschenverstand gemacht“, resümiert Gabella treffend. Wenn eine Führungskraft aufhöre zuzuhören und kritische Stimmen lediglich als Feinde statt als Ratgeber betrachte, seien politische Fehlentscheidungen unausweichlich.

Besonders bitter stößt der Opposition auf, dass die Bürgermeisterin das Projekt monatelang nutzte, um sich außerhalb der eigenen Gemeindegrenzen politisch zu inszenieren. Sie strebte nach nationaler Bekanntheit mit einer Maßnahme, der es völlig an juristischer Substanz mangelte. Aus der angestrebten Rolle als politische Galionsfigur sei nun das perfekte Symbol dafür geworden, wie man Kommunalpolitik auf keinen Fall betreiben sollte.

Zukunft der Tourismusfinanzierung: Regionale statt lokale Lösungen

Trotz der massiven Kritik am Vorgehen der Regierung in Mogán verschließt sich die Opposition nicht der Realität. Die Debatte darüber, wie stark frequentierte Tourismusgemeinden in Zukunft angemessen finanziert werden können, bleibt hochaktuell und relevant. Doch der Weg dorthin darf nach Ansicht von Nueva Canarias nicht über rechtliche Schlupflöcher und kommunale Alleingänge führen.

Die Forderung der Opposition ist klar formuliert: Wenn die Bürgermeisterin der Meinung ist, dass Tourismusgemeinden mehr Ressourcen benötigen, muss der Ball an die übergeordnete Politik weitergespielt werden. Es sei nun die Aufgabe der Regierung der Kanarischen Inseln, eine einheitliche, regionale Tourismussteuer zu prüfen und gegebenenfalls zu genehmigen. Nur eine solche übergeordnete Lösung könne mit allen rechtlichen Garantien ausgestattet werden und den tatsächlichen Bedürfnissen von stark belasteten Gemeinden wie Mogán gerecht werden, ohne dass Gerichte im Nachhinein eingreifen müssen.

Fazit: Ein Sieg für den Rechtsstaat und die Bürger

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs der Kanarischen Inseln schließt vorerst ein dunkles Kapitel in der Lokalpolitik von Mogán. Die Fraktion von Nueva Canarias hofft nun, dass dieses juristische Fiasko als heilsame Lehre dient. Die Gemeinde benötige dringend einen Neuanfang – eine Regierung, die zuhört, den konstruktiven Dialog mit allen Parteien sucht und in der Lage ist, eigene Fehler zu korrigieren. Die Zeit, in der jede politische Laune in einen persönlichen Kampf verwandelt wurde, müsse vorbei sein.

Mit der Aufhebung der Steuerverordnung wurde letztendlich nicht nur ein fehlerhaftes Gesetz gestoppt, sondern auch ein Regierungsstil entlarvt, der sich zu sehr auf Propaganda und Improvisation verließ. Das Urteil ist ein kraftvolles Signal der Justiz. Am Ende dieses langen politischen und rechtlichen Streits steht eine klare Erkenntnis: Heute siegt der Rechtsstaat, und die eigentlichen Gewinner dieser Entscheidung sind die Einwohner von Mogán. – TF

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