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Machtdemonstration auf Gran Canaria: Primero Canarias rüttelt Politik auf

Blickrichtung Madrid: Warum die Kanaren eine gemeinsame Stimme brauchen!

Lesedauer 4 Minuten

Santa Lucia de Tirajana – Es war ein deutliches Signal an die etablierten Großparteien und ein emotionales Ausrufezeichen für den regionalen Aktivismus: Am vergangenen Sonntag strömten rund 2.000 Mitglieder und Unterstützer der fortschrittlichen nationalistischen Bewegung Primero Canarias in die Veranstaltungshalle „La Karpa“ nach Vecindario. Menschen aus allen 21 Gemeinden Gran Canarias kamen zusammen, um den Startschuss für eine neue Ära der Inselpolitik zu feiern. Das erste große Mitgliedertreffen entwickelte sich schnell zu einer echten Machtdemonstration von der Basis.

Die Botschaft des Tages war unmissverständlich: Die Politik auf den Kanarischen Inseln soll wieder den Menschen vor Ort gehören – und nicht von fernen Büros in Madrid oder durch strategische Ränkespiele traditioneller Parteien gelenkt werden. Neben mitreißenden politischen Reden bot die Veranstaltung von 11 bis 18 Uhr auch Live-Musik und traditionelles Essen, was dem Tag den Charakter eines großen Gemeinschaftsfestes verlieh.

Die Kraft der Basis: Ohne Aktivismus gibt es keine Veränderung

Als einer der Hauptredner des Tages trat Teodoro Sosa auf, Bürgermeister von Gáldar und Vizepräsident des Inselrats von Gran Canaria. Er fand klare Worte für den aktuellen Zustand der politischen Landschaft und betonte die Einzigartigkeit der eigenen Bewegung: „Unsere wahre Stärke liegt in unserem Aktivismus“, rief Sosa den begeisterten Zuhörern zu. Keine Werbesprüche, keine inszenierten Schlagzeilen und keine theoretischen Reden könnten das ersetzen, was die Menschen an der Basis tagtäglich leisten. Ohne diesen echten Einsatz von Mensch zu Mensch gebe es keine lebendige Partei.

Sosa nutzte die Gelegenheit auch für einen Seitenhieb auf die politische Konkurrenz. Dass die Halle „La Karpa“ bis auf den letzten Platz gefüllt war, sei kein Zufall, sondern der Beweis für den enormen Rückhalt in der Bevölkerung. Andere politische Kräfte würden sich gar nicht erst trauen, Veranstaltungen in dieser Größenordnung anzusetzen, weil sie genau wüssten, dass sie die Hallen nicht füllen könnten, so der Bürgermeister von Gáldar weiter.

Gegenwind und politische Manöver: Der Kampf um die Rathäuser

Die Wahl des Veranstaltungsortes in Santa Lucía de Tirajana war bewusst gewählt. Sie gilt als solidarisches Signal der Unterstützung für den dortigen Bürgermeister Francisco García und seine fünf Stadträte. Die lokale Regierungsmannschaft sah sich in der jüngeren Vergangenheit heftigen Anfeindungen, Beleidigungen und politischen Intrigen ausgesetzt. Laut Primero Canarias wurde von politischer Konkurrenz erfolglos versucht, die amtierende Koalition zu sprengen.

Teodoro Sosa verurteilte diese und ähnliche Taktiken scharf. Er sprach von gezielten Blockadeversuchen und destabilisierenden Misstrauensanträgen, die in verschiedenen Gemeinden wie San Mateo, Agaete, Guía und Valsequillo gestartet wurden, um den unaufhaltsamen Aufstieg der kommunalen Bewegung zu bremsen. Die Antwort von Primero Canarias auf diese Angriffe ist jedoch offensiv: Die Bewegung will das kommunale Projekt in allen 21 Gemeinden Gran Canarias durch feste lokale Versammlungen weiter verankern und festigen, um bei den kommenden Wahlen als stärkste Kraft hervorzugehen.

Blickrichtung Madrid: Warum die Kanaren eine gemeinsame Stimme brauchen

Ein zentrales Thema der Veranstaltung war die Vertretung kanarischer Interessen auf nationaler Ebene im spanischen Kongress und Senat. Hier forderten die Redner eine geschlossene Front aller loyalen kanarischen Kräfte. Das Projekt „Runder Tisch der Einheit“ (Mesa de la Unidad) soll die Zersplitterung der regionalen Stimmen beenden.

„Solange wir Kanarier im Parlament gespalten auftreten, reibt man sich in Madrid die Hände“, warnte Sosa. Wer sich als Kanarier fühle und wem das Wohl der Inseln am Herzen liege, müsse bei nationalen Wahlen auch konsequent für die Kanarischen Inseln stimmen. Nur durch ein starkes Bündnis vieler regionaler Kräfte ließen sich die Rechte, die Infrastruktur und die wirtschaftlichen Interessen des Archipels erfolgreich gegen die Zentralregierung verteidigen.

Ein emotionaler Höhepunkt war zudem der Dank an Marcial Morales. Der ehemalige Bürgermeister von Puerto del Rosario und Ex-Präsident des Inselrats von Fuerteventura gilt als historische Leitfigur des progressiven kanarischen Nationalismus. Heute engagiert er sich stark im sozialen Bereich, unter anderem für die Yrichen-Stiftung und die Suppenküche San Pedro-La Isleta, was den sozialen Anspruch der Bewegung unterstreicht.

Ein neuer Politikstil: Dialog und Bürgernähe statt Polarisierung

Óscar Hernández, Bürgermeister von Agüimes und Präsident von Municipalistas Primero Canarias, legte den Fokus seiner Rede auf den grundlegenden Unterschied zu den traditionellen Großparteien. Das Erfolgsgeheimnis sei die radikale Nähe zu den Bürgern: „Unsere Chefs sitzen nicht in Madrid oder in irgendwelchen anonymen Parteibüros. Unsere einzigen Chefs sind Sie – die Nachbarn und Bürger vor Ort“, erklärte Hernández unter großem Applaus.

Er plädierte eindringlich für eine Rückkehr zu politischer Ethik und Würde. Die ständigen öffentlichen Konfrontationen und gegenseitigen Beleidigungen der traditionellen Parteien führten lediglich zu Lärm, Misstrauen und einer gefährlichen Polarisierung der Gesellschaft. Primero Canarias stehe stattdessen für eine Politik des Zuhörens, des Dialogs, des gegenseitigen Verständnisses und des echten öffentlichen Dienstes direkt in den Vierteln und Gemeinden.

Ein Projekt, das verbindet

Auch der Bürgermeister von Telde, Juan Antonio Peña, hob den integrativen und offenen Charakter der Bewegung hervor. Das Projekt sei darauf ausgelegt, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und das Gemeinsame über das Trennende zu stellen. Primero Canarias wolle nicht spalten oder abziehen, sondern im Gegenteil: Die Bewegung wolle Kräfte addieren und multiplizieren. Er rief alle Bürgerinnen und Bürger dazu auf, sich aktiv einzubringen und für die Zukunft der Inseln zu kämpfen.

Die Bürgermeisterin von Ingenio, Vanesa Martín, sowie der Gastgeber Francisco García bekräftigten in ihren Beiträgen nochmals, dass der enge, persönliche Kontakt zur Bevölkerung und das aktive Zuhören auch in Zukunft das Fundament aller politischen Arbeit der Bewegung bleiben müssen.

Zukunftsausblick: Eine neue Tradition für die Identität der Inseln

Das große Treffen in Vecindario soll nach dem Willen der Organisatoren keine Einmalfliege bleiben. Es wurde angekündigt, diese Veranstaltung ab sofort jährlich zu wiederholen. Künftig soll der offizielle „Tag der Kanarischen Inseln“ (Día de las Canarias) gezielt dafür genutzt werden, die kulturelle Identität, die regionalen Wurzeln und die Werte dieses kommunalen Projekts gemeinsam zu feiern und weiterzuentwickeln. Der Grundstein für eine langfristige politische Kraft auf Gran Canaria wurde an diesem Sonntag eindrucksvoll gelegt. – TF

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