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WM 2030 auf Gran Canaria: Budget für Stadion-Umbau steigt auf 234 Millionen Euro

Mit der neuen Ausschreibung will das Cabildo das Ruder herumreißen!

Lesedauer 5 Minuten

Gran Canaria – Das Cabildo de Gran Canaria erhöht das Budget für die geplante Erweiterung und Modernisierung des Estadio de Gran Canaria drastisch. In der ersten Augusthälfte wird das Großprojekt für den Ausbau der Sportstätte – bekannt unter dem Entwurfsnamen „La Nube“ („Die Wolke“) – mit einem Gesamtvolumen von 234 Millionen Euro erneut ausgeschrieben. Die Investition soll die strengen Auflagen des Weltfußballverbands FIFA für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 erfüllen und gleichzeitig als nachhaltiger wirtschaftlicher Impulsgeber für die Kanareninsel dienen.

Neues Financial Framework: Wie sich die 234 Millionen Euro verteilen

Die Notwendigkeit einer erneuten Ausschreibung ergab sich, nachdem der ursprüngliche Kostenrahmen von 174 Millionen Euro auf den internationalen Märkten nicht mehr gehalten werden konnte. Um die verbleibende Finanzierungslücke von 60 Millionen Euro zu schließen, haben die regionalen und lokalen Behörden gemeinsam mit dem heimischen Fußballklub ein verändertes Finanzierungsmodell erarbeitet. Das Cabildo de Gran Canaria übernimmt mit 134 Millionen Euro den Hauptanteil der Gesamtsumme und verhandelt derzeit mit der spanischen Zentralregierung in Madrid über eine ergänzende staatliche Beteiligung.

Die restlichen Bausteine der Gesamtfinanzierung setzen sich wie folgt zusammen:

  • UD Las Palmas: Der professionelle Fußballverein steuert im Rahmen einer langjährigen Verwaltungsvereinbarung 60 Millionen Euro bei. Trotz dieser privatrechtlichen Mittelbeteiligung verbleibt die Sportstätte zu 100 Prozent im Eigentum der öffentlichen Hand.
  • Regierung der Kanarischen Inseln (Gobierno de Canarias): Die Regionalregierung stellt 25 Millionen Euro für das Infrastrukturprojekt bereit.
  • Stadtverwaltung Las Palmas de Gran Canaria (Ayuntamiento): Der Stadtrat beteiligt sich mit weiteren 15 Millionen Euro an der Aufstockung des Budgets.

Laut Aussagen von Inselpräsident Antonio Morales entspricht die gebündelte Bereitstellung öffentlicher und privater Gelder exakt dem Grundgedanken, mit dem die Kandidatur Gran Canarias ins Leben gerufen wurde. Durch den koordinierten Dialog zwischen der Inselverwaltung, der Regionalregierung, dem Stadtrat und UD Las Palmas sei es gelungen, insgesamt 100 Millionen Euro an externen Förder- und Investitionsmitteln für das kommunale Großprojekt zu sichern.

Ursachen des Preisanstiegs: Globaler Markt, Materialkosten und Lohnentwicklung

Die ursprüngliche Kostenschätzung für die Modernisierung des Stadions lag bei 114 Millionen Euro. Nach vertiefenden geotechnischen Untersuchungen des Baugrunds durch das Planungsteam musste das geplante Budget bereits in einer ersten Phase auf 174 Millionen Euro angehoben werden. Die darauffolgende internationale Ausschreibung blieb jedoch ohne zuschlagsfähiges Ergebnis, da kein Bauunternehmen ein Angebot innerhalb dieser finanziellen Obergrenze vorlegte.

Wie die Inselverwaltung in ihrer offiziellen Mitteilung ausführt, ist das Scheitern des ersten Ausschreibungsverfahrens auf unvorhersehbare Verwerfungen am internationalen Bausektor zurückzuführen. Insbesondere geopolitische Spannungen – darunter Einschränkungen im internationalen Handelsverkehr durch neue Zollbestimmungen sowie Lieferkettenunterbrechungen bei Rohöltransporten durch die Straße von Hormus – führten weltweit zu erheblichen Frachtkosten- und Preiserhöhungen.

Diese globalen Faktoren schlugen sich direkt auf die Beschaffungspreise der Kernbaustoffe nieder:

  • Baustahl: Der Marktpreis für Stahl verdoppelte sich im relevanten Planungszeitraum. Das Material bildet die statische Grundlage für die neue, freitragende Dachkonstruktion des Stadions.
  • Beton und Aluminium: Auch bei Beton und Aluminium verzeichnete die Bauwirtschaft drastische Preissteigerungen.
  • Arbeitskosten: Die Stundensätze für spezialisierte Fachkräfte auf den Kanarischen Inseln stiegen von vormals 16 bis 17 Euro auf durchschnittlich 25 Euro. In Spitzenzeiten werden für qualifiziertes Baupersonal bis zu 30 Euro pro Stunde aufgerufen.

Um eine Lösung innerhalb des alten Finanzrahmens zu prüfen, leitete das Cabildo de Gran Canaria zunächst ein direktes Verhandlungsverfahren mit vier namhaften internationalen Bauunternehmungen ein. Nachdem sich zeigte, dass kein Anbieter das Projekt für 174 Millionen Euro fertigstellen konnte, entschied sich die Behörde für eine Anpassung der Preiskalkulation und die Einleitung einer neuen öffentlichen Ausschreibung.

Das Projekt „La Nube“: Architektur von L35 und FIFA-Stadionstandards

Der architektonische Entwurf für den Umbau der Arena stammt aus einem internationalen Ideenwettbewerb, aus dem das renommierte Architekturbüro L35 Architects als Sieger hervorging. L35 erlangte internationale Bekanntheit unter anderem durch die umfassende Neugestaltung des Estadio Santiago Bernabéu in Madrid (Quelle: L35 Architects / Cabildo de Gran Canaria).

Das Konzept trägt den Titel „The Cloud“ („La Nube“) und sieht eine visuelle Transformation des im Stadtteil Siete Palmas gelegenen Stadions vor. Vorgesehen ist eine helle, schwebend wirkende Gebäudehülle, die dem Bauwerk ein modernes Erscheinungsbild verleiht. Ein zentrales Element der Planung ist die vollständige Überdachung aller Zuschauerplätze, die den Komfort für Besucher deutlich erhöhen und gleichzeitig höchste Standards für Energieeffizienz und Nachhaltigkeit erfüllen soll.

Um die offiziellen Kriterien des Weltfußballverbands FIFA für Austragungsorte der Weltmeisterschaft 2030 zu erfüllen, ist eine Erweiterung der Zuschauerkapazität erforderlich. Nach den FIFA-Stadionrichtlinien für WM-Endrunden müssen Stadien für Gruppenspiele eine Kapazität von mindestens 40.000 Sitzplätzen aufweisen (Quelle: FIFA Stadium Guidelines 2030). Das Estadio de Gran Canaria, das derzeit rund 32.400 Zuschauern Platz bietet, soll im Zuge der Ausbauarbeiten auf über 44.000 Sitzplätze erweitert werden.

Der Inselminister für Sport, Aridany Romero, betonte, dass der Zeitplan trotz der Verzögerung beim ersten Ausschreibungsverfahren eingehalten werden kann. Sämtliche FIFA-Vorgaben und Fristen für die Fertigstellung der Sportstätte seien im Terminplan der Inselregierung fest verankert.

Strategische Bedeutung der WM 2030 für die Infrastruktur der Kanaren

Die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 wird als Jubiläumsturnier in einer historischen Konstellation auf drei Kontinenten ausgetragen. Die Hauptausrichter sind Spanien, Portugal und Marokko, während drei Eröffnungsspiele in Südamerika (Uruguay, Argentinien und Paraguay) stattfinden. Der Spanische Fußballverband RFEF (Real Federación Española de Fútbol) bereitet die finale Liste der spanischen Spielorte vor, bei der Gran Canaria als aussichtsreicher Kandidat gilt.

Die Inselregierung von Gran Canaria versteht die Modernisierung des Stadions nicht nur als Investition für ein mehrwöchiges Sportevent, sondern als langfristige Strukturentwicklung. Die Arena soll nach Abschluss der Arbeiten als multifunktionale Veranstaltungsstätte für Sportwettkämpfe, Konzerte und Großveranstaltungen genutzt werden. Das Ziel der Verantwortlichen besteht darin, die Wirtschaftsstruktur der Insel nachhaltig zu diversifizieren, den Tourismussektor zu stärken und modernste Infrastruktur für zukünftige Generationen auf Gran Canaria zu schaffen. – TF

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