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Kanaren, Balearen, Ceuta & Mellia arbeiten zusammen um Deckelung bei Flugpreisen zu erreichen – Fluggesellschaften warnen vor “Risiko”
Bild Info: Die Päsidenten der 4 Gebiete beim "Gipfel". Bild: AFCIPress

Kanaren, Balearen, Ceuta & Mellia arbeiten zusammen um Deckelung bei Flugpreisen zu erreichen – Fluggesellschaften warnen vor “Risiko”

Kanarische Inseln – Wir haben in den letzten zwei Jahren immer mal wieder darüber berichtet, die Flugpreise auf den Kanarischen Inseln sind seit der Anhebung des Rabattes für Residenten gestiegen, das wurde auch mehrfach von Politikern gesagt. Nun haben sich die Regierungen der Kanarischen Inseln, der Balearen, Ceutas und Mellias zusammengetan, man will Vorschläge ausarbeiten, die Preise für Luft- und Seeverkehr in ihren Verbindungen mit dem Festland zu deckeln, dafür dann die Kerosinsteuer beispielsweise abschaffen.

Seit der Einführung des Residentenrabattes in Höhe von 75% sind die Preise im Mittelwert um etwa 25% angestiegen, das haben Experten ermittelt, also genau die Summe, die zusätzlich an Rabatt gewährt werden soll. Der Präsident der Kanaren sagte, dass der Rabatt auf „jeden Fall etwas ist das erhalten bleiben muss und wenn möglich sogar verbessert werden muss“. Es sei nur notwendig „nach Lösungen zu suchen“.

Eine Preisdeckelung für Flüge ist rechtlich gesehen schwer durchsetzbar, allerdings sagte die Präsidentin der Balearen dazu, dass „der Preisnachlass von 75% auch kaum vorstellbar war und wir haben eine Lösung gefunden“. Daher werden „wir Vorschläge für Höchstsätze prüfen“.

Auch der Präsident von Melilla ist sich sicher, dass man „geeignete Rechtsmittel und Ressourcen finden wird“. Der Präsident von Ceuta fügte hinzu, dass „Raum für Verbesserungen besteht“.

Nach Frankreich und Deutschland wird auch in Spanien nun über eine Umweltsteuer auf Flüge diskutiert, etwas das sowohl die Kanarischen Inseln als auch die Balearen treffen würde, man wird in jedem Fall von der Zentralregierung erwarten, dass diese Besteuerung für die Inselgruppen nicht angewendet wird, ebenso wie man bei der EU solche Steuern für Flüge zu den Kanaren infrage stellt, dies widerspricht ja der eigentlichen Förderung der Randlage der Kanarischen Inseln, die ja auch von der EU gewollt ist.

Eine erste Idee für weiteren Einfluss auf Flugpreise ist die Beteiligung an der Verwaltung der Flughäfen auf den Inseln. So könnten die Kanaren und auch die Balearen Einfluss auf die Gebühren der Flughäfen nehmen, ohne den spanischen Staat immer darum zu bitten. Bisher ist AENA allein dem spanischen Staat unterstellt. Ein ähnliches Konstrukt gibt es im Übrigen auch bei den Schifffahrts-Häfen der Inseln. Es ist also nicht abwegig.

Unterdessen haben sich die Fluggesellschaften positioniert und eine Drohkulisse aufgebaut. Man lehnt es (natürlich) klar ab, dass die Ticketpreise gedeckelt werden könnten. Die Vereinigung der Fluggesellschaften (ALA) hat die vier „Vorreiter“ vor einem erheblichen „Risiko“ gewarnt, dies könnte die Konnektivität der Inseln sehr negativ beeinflussen. ALA glaubt, dass eben genau dies so wichtig für die Inselgruppen ist, besonders der Tourismus ist davon extrem abhängig. Bei einer Deckelung der Flugpreise werden sich wohl einige Fluggesellschaften überlegen, ob die Menge an täglichen Flügen zwischen dem Festland und den Inseln so hoch bleiben kann. Genau dies würde das „Risiko für die Gebiete bedeuten“.

Durch die Anhebung des Rabattes für Residenten auf 75% wurden nicht nur die täglichen Verbindungen verbessert, sondern auch mehr Zielflughäfen auf dem Festland angebunden. All das setzten die Inseln mit dem Vorstoß aufs Spiel. Aktuell gibt es zwischen den Balearen und dem Festland 46 Direktverbindungen mit dem Festland und von den Kanarischen Inseln aus 45 Direktverbindungen. In den letzten zwei Jahren wurden die Kapazitäten (laut ALA) um 19% (Balearen) und 26% (Kanaren) angehoben.

Man ließ es sich natürlich nicht nehmen und wies auch darauf hin, dass der „Luftverkehr einem freien Markt zugeteilt ist, welches den europäischen Vorschriften für Dienstleistungen entspricht“. Man unterstrich zudem, dass alles transparent auf den Webseiten der Fluggesellschaften einsehbar ist und man alle Vorschriften einhalte. Zudem untersteht man ohnehin der Kontrolle der Generaldirektion für Zivilluftfahrt (DGAC).

Beide Seiten bringen hier gute Punkte vor, die Frage ist letztendlich, wer wird sich durchsetzten? – TF

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