Kanaren – Die Arbeitslosenzahlen auf den Kanarischen Inseln verzeichnen im August einen leichten Aufwärtstrend. Mit einem minimalen Zuwachs von 291 Personen steigt die Gesamtzahl der registrierten Erwerbslosen auf 144.459. Trotz dieses leichten Dämpfers im Monatsvergleich zeigt der langfristige Trend eine robuste Erholung der Inselwirtschaft. Besonders erfreulich: Die Langzeitarbeitslosigkeit fällt auf den niedrigsten Wert seit über 15 Jahren.
Dienstleistungssektor als Haupttreiber der monatlichen Entwicklung
Nach Angaben des zuständigen Ministeriums stieg die Zahl der Arbeitslosen im August um 0,20 Prozent gegenüber dem Vormonat Juli. Ein genauer Blick auf die Sektoren zeigt, dass der Dienstleistungsbereich für diesen Anstieg hauptverantwortlich ist. Hier wurden 270 neue Arbeitslose registriert. Dies ist auf den Kanarischen Inseln ein typischer saisonaler Effekt zum Ende der sommerlichen Hochsaison, in der viele kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse in Gastronomie und Tourismus auslaufen.
Hintergrundinformation: Der Dienstleistungssektor, stark geprägt vom Tourismus, macht rund 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der Kanarischen Inseln aus (Quelle: Instituto Nacional de Estadística, INE). Entsprechend sensibel reagiert der lokale Arbeitsmarkt auf saisonale Schwankungen in diesem Segment.
Neben dem Dienstleistungssektor verzeichneten auch das Bauwesen (plus 68 Personen) und die Industrie (plus 47 Personen) leichte Zuwächse. Positive Impulse kamen hingegen aus der Landwirtschaft, wo die Arbeitslosigkeit um 15 Personen sank. Auch in der Gruppe der Personen ohne vorherige Beschäftigung gab es einen Rückgang um 79 Meldungen.
Kontrastreiche Entwicklung in den Provinzen
Das Verhalten des Arbeitsmarktes gestaltete sich in den beiden Provinzen des Archipels durchaus unterschiedlich. In der Provinz Las Palmas (Gran Canaria, Lanzarote, Fuerteventura) setzte sich der positive Trend des Sommers fort: Hier sank die Zahl der Arbeitslosen im August um 94 Personen (minus 0,13 Prozent) auf insgesamt 74.777. Im Jahresvergleich entspricht dies einem deutlichen Rückgang von 3.473 Personen (minus 4,44 Prozent).
Anders stellte sich die Situation in der Provinz Santa Cruz de Tenerife (Teneriffa, La Palma, La Gomera, El Hierro) dar. Hier stieg die Arbeitslosigkeit im Monatsvergleich um 365 Personen (plus 0,56 Prozent) an. Die Gesamtzahl der Erwerbslosen beläuft sich dort nun auf 69.982. Dennoch fällt auch hier die langfristige Jahresbilanz positiv aus, da im Vergleich zum Vorjahr ein Abbau von 2.283 Arbeitslosen registriert wurde.
Langzeitarbeitslosigkeit auf Rekordtief seit 2009
Einer der positivsten Aspekte des aktuellen Wirtschaftsberichtes ist die Entwicklung bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Diese sank im August auf 63.326 Personen. Das ist der niedrigste Stand seit Januar 2009, als die Nachwirkungen der globalen Finanzkrise den spanischen Arbeitsmarkt massiv trafen. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen drastischen Abbau um 4.899 betroffene Personen, was einer Reduzierung von beachtlichen 7,18 Prozent entspricht. Diese Zahlen belegen, dass die wirtschaftliche Erholung zunehmend auch jene erreicht, die strukturell bedingt am schwersten auf den Arbeitsmarkt zurückfinden.
Arbeitsverträge: Hoher Anteil an unbefristeten Beschäftigungen
Die Dynamik auf dem Stellenmarkt spiegelt sich auch in der Art der neu geschlossenen Arbeitsverträge wider. Im August wurden auf den Kanaren insgesamt 59.880 neue Verträge unterzeichnet. Zwar sind das 10.378 weniger als noch im Juli, jedoch 2.339 mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.
Besonders bemerkenswert ist die qualitative Zusammensetzung: Von den knapp 60.000 Neuverträgen waren 25.026 unbefristet (auf unbestimmte Zeit) und 34.854 befristet. Mit einem Anteil von über 41 Prozent unbefristeten Verträgen bewegt sich der kanarische Arbeitsmarkt weiterhin auf einem historisch hohen Qualitätsniveau.
Hintergrundinformation: Diese nachhaltige Verbesserung der Vertragsqualität ist eine direkte Folge der spanischen Arbeitsmarktreform (Reforma Laboral) aus dem Jahr 2022. Diese Reform hat den Einsatz von befristeten Verträgen gesetzlich stark eingeschränkt, um die in Spanien historisch hohe Quote prekärer Arbeitsverhältnisse zu bekämpfen (Quelle: Spanisches Ministerium für Arbeit und Sozialwirtschaft).
Jahresvergleich als maßgeblicher Indikator
Die kanarische Regierung betont in ihrer offiziellen Stellungnahme, dass die jährliche Entwicklung ein weitaus repräsentativerer Indikator für die Gesundheit der Wirtschaft sei als die monatlichen, oft saisonal verzerrten Schwankungen. Betrachtet man diesen Jahresvergleich, so verzeichnen die Kanarischen Inseln insgesamt einen Rückgang von 5.756 Arbeitslosen (minus 3,83 Prozent) im Vergleich zum August des Vorjahres. Der Arbeitsmarkt des Archipels beweist damit, trotz der leichten Delle im August, eine anhaltende Stabilität und Widerstandsfähigkeit. – TF
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