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Tourismus-Wende auf den Kanaren: Weniger Urlauber im Juni, aber Einnahmen stabil

4,47 % weniger internationale Gäste als vor einem Jahr...

Lesedauer 4 Minuten

Kanaren – Im Juni 2026 verzeichneten die Kanarischen Inseln einen spürbaren Rückgang bei den internationalen Ankünften. Insgesamt empfing der beliebte spanische Archipel genau 1.030.193 ausländische Touristen. Dies entspricht einem Rückgang von 4,47 Prozent im direkten Vergleich zum Vorjahresmonat. Während weite Teile Spaniens derzeit neue Rekorde bei den Besucherzahlen feiern, bilden die Kanaren somit eine deutliche Ausnahme. Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr des Jahres 2026, so reisten zwischen Januar und Juni bisher knapp 7,8 Millionen internationale Touristen auf die Inseln ein. Dies bedeutet ein leichtes Minus von 0,56 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Ausgaben bleiben stabil: Ein klarer Trend zum Qualitätstourismus

Trotz der sinkenden Besucherzahlen blieben die Gesamteinnahmen im Tourismussektor auf den Kanaren erstaunlich stabil. Die finanziellen Ausgaben der internationalen Urlauber beliefen sich im Juni auf insgesamt 1.561 Millionen Euro. Das entspricht einer Veränderung von exakt 0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Laut Branchenexperten zeigt diese Entwicklung einen veränderten Trend in der Urlaubsregion: Die Ausgaben entwickeln sich stabiler als die reinen Ankunftszahlen. Dies gilt in der Tourismuswirtschaft als ein Indikator für eine Entwicklung hin zu einem qualitativ hochwertigeren Tourismus.

Die durchschnittlichen Tagesausgaben eines internationalen Urlaubers auf den Kanarischen Inseln stiegen im Juni um 4,87 Prozent auf 199 Euro. Bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 7,6 Tagen beliefen sich die Gesamtausgaben pro Person auf 1.515 Euro. Dies stellt einen Anstieg von 4,63 Prozent im Vergleich zum Juni des Vorjahres dar. Statistische Daten des Kanarischen Statistikinstituts (ISTAC) untermauern diese Verschiebung: Während die Zahl der reinen Übernachtungen im Juni um 1,8 Prozent auf 7,4 Millionen Nächte sank, stiegen die Gesamteinnahmen der Hotelbetriebe im gleichen Zeitraum um 5,3 Prozent auf rund 395 Millionen Euro.

Spanien verzeichnet landesweit historische Höchststände

Im starken Kontrast zur Entwicklung auf den Kanarischen Inseln steht das Gesamtergebnis für ganz Spanien. Die Erhebungen des Nationalen Statistikinstituts (INE) zu den Ankünften von Nichtansässigen (Frontur) und den damit verbundenen Ausgaben (Egatur) melden für das erste Halbjahr 2026 erneut historische Höchststände. Zwischen Januar und Juni reisten insgesamt 46,56 Millionen ausländische Touristen nach Spanien ein, was einem Zuwachs von 4,6 Prozent entspricht. Die Gesamtausgaben stiegen im selben Zeitraum um 7 Prozent auf insgesamt 63,836 Milliarden Euro.

Allein im Monat Juni kamen 9,7 Millionen Touristen aus dem Ausland nach Spanien, was ein Plus von 2,9 Prozent im Vergleich zum Juni des Vorjahres bedeutet. Die Ausgaben dieser Gäste summierten sich auf 13.579 Millionen Euro, ein Anstieg um 4 Prozent. Die Mehrheit der ausländischen Besucher verbrachte zwischen vier und sieben Nächten im Land. Diese Gruppe umfasste knapp 4,9 Millionen Touristen, was einem jährlichen Anstieg von 1,9 Prozent entspricht.

Wichtigste Herkunftsländer: Briten führen, deutsche Urlauber verhalten

Das Vereinigte Königreich bleibt weiterhin der mit Abstand wichtigste Herkunftsmarkt für den spanischen Tourismussektor. Im Juni reisten fast 2,3 Millionen britische Urlauber nach Spanien ein, was einem deutlichen Anstieg von 6,8 Prozent entspricht. Auf dem zweiten Platz folgt Deutschland mit 1,2 Millionen Besuchern, verzeichnete jedoch einen Rückgang von 5,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2025. Aus Frankreich kamen knapp eine Million Touristen, was einem Minus von 1,7 Prozent entspricht.

Betrachtet man das gesamte erste Halbjahr, führt Großbritannien ebenfalls die Liste an (über 9,3 Millionen Besucher, +4,3 Prozent), gefolgt von Deutschland (fast 5,7 Millionen Besucher, -1,1 Prozent) und Frankreich (über 5,6 Millionen Besucher, +1,0 Prozent). Die Verteilung der Ausgaben zeigt eine ähnliche Struktur: Britische Staatsbürger machten im Juni 20,6 Prozent der Gesamtausgaben aus, deutsche Urlauber 11,1 Prozent und französische Gäste 6,5 Prozent. Die Ausgaben britischer Reisender stiegen im Jahresvergleich um 7,1 Prozent, während die Ausgaben deutscher Touristen unverändert blieben und die französischer Besucher um 6,3 Prozent sanken. Die höchsten durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person wurden mit 256 Euro (+3,8 Prozent) in der Kategorie „Übrige Welt“ verzeichnet, zu der unter anderem Reisende aus Asien und dem Nahen Osten zählen.

Beliebteste Regionen: Balearen und Katalonien an der Spitze

Bei den regionalen Reisezielen innerhalb Spaniens lagen die Balearen im Juni an erster Stelle. Mit einem Anteil von 23,3 Prozent an allen internationalen Besuchern verzeichneten die Balearen ein leichtes Plus von 0,6 Prozent. Es folgten Katalonien mit 20,8 Prozent (+1,4 Prozent) und Andalusien mit 15,7 Prozent (+7,4 Prozent). Bei den durchschnittlichen Tagesausgaben pro Person führte Andalusien das Ranking der autonomen Gemeinschaften mit 288 Euro an (trotz eines Rückgangs um 12,5 Prozent), gefolgt von den Balearen mit 267 Euro (+6,4 Prozent).

Hintergrund: Strukturdebatte und Transformation im kanarischen Tourismus

Der Rückgang der internationalen Besucherzahlen und Ticketverkäufe auf den Kanarischen Inseln fällt zusammen mit einer anhaltenden Debatte über die Ausrichtung des regionalen Tourismusmodells. Wie Berichte regionaler Medien (unter anderem Cadena SER) dokumentieren, stehen die Inseln vor Herausforderungen bezüglich der Belastungsgrenzen von Infrastruktur und Wohnungsmarkt. Die verstärkte Regulierung von Ferienunterkünften und der Fokus auf eine höhere Wertschöpfung pro Gast spiegeln sich in den aktuellen INE- und ISTAC-Zahlen wider: Weniger Ankünfte bei gleichzeitig stabilen Gesamteinnahmen deuten auf den Beginn einer strukturellen Transformation des kanarischen Tourismus hin. – TF

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