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Neuer Hitzerekord auf den Kanaren: 44,3 Grad in Tasarte

Der Rekord von Samstag hat nur bis Sonntag gehalten...

Lesedauer 5 Minuten

Kanaren – Ein atemberaubender Temperatursprung hält die Kanarischen Inseln in Atem. Der erst am vergangenen Wochenende aufgestellte Jahresrekord bei der Höchsttemperatur hielt nicht einmal lange an. Am späten Sonntagnachmittag durchbrach das Thermometer in Tasarte auf Gran Canaria regelrecht die Decke und markierte mit unglaublichen 44,3 Grad Celsius einen neuen, drastischen Höchstwert. Angesichts dieser massiven Hitzewelle haben die staatliche Wetterbehörde Aemet sowie die kanarische Regierung drastische Maßnahmen ergriffen: Für Gran Canaria gilt nun die höchste Warnstufe Rot – sowohl wegen lebensbedrohlicher Temperaturen als auch aufgrund akuter Waldbrandgefahr.

Tasarte wird zum Backofen: Alter Jahresrekord rasend schnell pulverisiert

Noch am Samstagmittag schien der vorläufige Rekord festzustehen, als in Agüimes auf Gran Canaria um 13:40 Uhr exakt 42,2 Grad gemessen wurden. Doch die stetig einströmenden heißen Luftmassen verwandelten den Archipel am Sonntag endgültig in einen regelrechten Backofen. Um 16:30 Uhr übertraf die Messstation in Tasarte im Westen Gran Canarias den Wert vom Vortag nach gut 24 Stunden um satte 2,1 Grad und setzte mit 44,3 Grad das neue, unangefochtene Jahreshoch für die Kanaren.

Auch andere Regionen meldeten am Sonntag Extremwerte, die teils deutlich über der 40-Grad-Marke lagen. So stiegen die Temperaturen in Lomo Pedro Alfonso (San Bartolomé de Tirajana) um 17:50 Uhr auf 41,5 Grad. In Agüimes war es am Sonntag mit 40,6 Grad (gemessen um 14:10 Uhr) ebenfalls erneut extrem heiß. Die Hitze prägte den gesamten Tag, was zehntausende einheimische Familien und internationale Touristen Mitte August an die Küsten Gran Canarias trieb. Dort, fernab der noch heißeren Berge, meldete die Station Las Tirajanas um die Mittagszeit aber immer noch schweißtreibende 37,3 Grad.

Der enorme Kontrast dieses Wochenendes zeigte sich vor allem in den frühen Morgenstunden: Während die Hitze am Tag fast unerträglich wurde, wiesen einige höher gelegene oder windgeschützte Gemeinden in der Nacht moderate Tiefstwerte auf. In Izaña auf Teneriffa kühlte es auf 19 Grad ab, am Roque de los Muchachos auf La Palma wurden 20,1 Grad gemessen. Auch in Teror auf Gran Canaria (20,6 Grad), in Tinajo auf Lanzarote (20,7 Grad) und in La Orotava auf Teneriffa (20,8 Grad) ließ es sich in den Morgenstunden des Sonntags kurzzeitig durchatmen.

Rote Warnstufe am Montag: Gran Canaria im Zentrum der Gluthitze

Doch diese Abkühlung war nur von kurzer Dauer. Der absolute Höhepunkt dieser Hitzewelle trifft die Inseln zum Start in die neue Woche. Aufgrund der sich weiter verschärfenden Lage hat die staatliche spanische Wetterbehörde Aemet für den heutigen Montag eine Unwetterwarnung der allerhöchsten Stufe (Rot) ausgerufen. Diese gilt explizit für das Tejeda-Becken sowie die südliche Hälfte und die mittleren Höhenlagen im Südosten und Westen von Gran Canaria. Zwischen 11:00 und 20:00 Uhr müssen sich die Menschen dort auf Spitzentemperaturen von rund 40 Grad Celsius einstellen. Laut Aemet handelt es sich um ein absolut außergewöhnliches Wetterereignis, das äußerste Vorsicht erfordert.

Auch die restlichen Inseln bleiben von der Hitze nicht verschont. Für den Osten, Süden und Westen der Nachbarinsel Teneriffa hat das Aemet eine orangefarbene Hitzewarnung herausgegeben, hier klettern die Werte voraussichtlich auf bis zu 37 Grad. Für den restlichen Archipel rechnet man mit Spitzenwerten von bis zu 35 Grad, weshalb hier eine gelbe Warnung gilt. Eine Ausnahme bildet lediglich La Gomera, wo aufgrund der ansteigenden Temperaturen durchgehend die gelbe Warnstufe aktiv bleibt.

Alarmstufe Rot auch für extreme Waldbrandgefahr und Starkwind

Die extremen Temperaturen bringen eine weitere, hochgradig bedrohliche Gefahr mit sich: eine massive Waldbrandgefahr. Die Generaldirektion für Katastrophenschutz der Regierung der Kanarischen Inseln hat am Montag ab 11:00 Uhr nicht nur wegen der extremen Temperaturen, sondern zeitgleich auch wegen der absoluten Waldbrandgefahr die Alarmstufe Rot für Gran Canaria ausgerufen. Die westlichen Inseln des Archipels, insbesondere La Palma, verbleiben ebenfalls in anhaltender Alarmbereitschaft.

Besonders kritisch wird die Situation durch begleitende Starkwinde. Vorhergesagte Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde bringen bei der aufgeheizten Luft keinerlei Abkühlung, sondern wirken vielmehr wie ein gigantischer Föhn. Dieser entzieht der ohnehin ausgedörrten Vegetation die allerletzte Feuchtigkeit und könnte einen kleinen Funken binnen weniger Minuten zu einem unkontrollierbaren Großbrand anfachen.

Ursache der Hitzewelle: Afrikanische Inversionsschicht und Calima-Phänomen

Verantwortlich für dieses meteorologische Ausnahmeereignis ist der massive Zustrom extrem warmer und knochentrockener Luft vom afrikanischen Kontinent. Experten der regionalen Wetterdienste erklären dies mit einer starken Temperaturinversion, die sich wie eine unsichtbare Glocke über die Inseln legt. Auf Gran Canaria liegt diese Inversionsschicht bei etwa 400 Metern, auf den westlichen Inseln meist zwischen 500 und 700 Metern. Das Fatale daran: Oberhalb dieser Grenze sinkt die relative Luftfeuchtigkeit drastisch auf lebensfeindliche Werte von unter 30 Prozent ab.

Oftmals wird solch afrikanische Hitze vom gefürchteten Wetterphänomen „Calima“ begleitet. Dabei transportieren starke Höhenwinde feinen Wüstenstaub aus der Sahara direkt über den Atlantik. Auch wenn die Staubkonzentrationen am Boden bei dieser aktuellen Hitzewelle laut Experten zunächst noch moderat ausfallen sollen, sorgt die Calima für einen typisch diesigen, rötlichen Himmel und stark drückende Luft, die körperlich stark belastend wirken kann.

Lebenswichtige Ratschläge der Gesundheitsbehörden

Angesichts der roten Alarmstufe rufen Gesundheitsbehörden und der Katastrophenschutz die Bevölkerung und alle Urlauber zu absoluter Vorsicht auf. Körperliche Anstrengungen im Freien, insbesondere Wanderungen, Radtouren oder Freizeitsport in den ungeschützten Mittags- und Nachmittagsstunden, sollten zwingend vermieden werden.

Es gilt die dringende Empfehlung, sich bevorzugt in abgedunkelten, gut klimatisierten Räumen aufzuhalten und reichlich Flüssigkeit aufzunehmen. Falls sich die Luft durch eine aufziehende Calima eintrübt, raten Mediziner empfindlichen Personen wie Asthmatikern oder Menschen mit Herzerkrankungen sogar zum Tragen einer FFP2-Maske, um die empfindlichen Atemwege vor dem mikrofeinen Wüstenstaub zu schützen. Zudem gilt in allen Wald- und Bergregionen ein striktes Verbot für offene Feuer jeglicher Art; Ausflüge in besonders gefährdete Berggebiete sollten unbedingt auf ein Minimum reduziert werden.

Ausblick: Abkühlung in Sicht, aber mit neuen Gefahren

Laut den aktuellen Prognosen wird diese außergewöhnliche Wetterlage den Alltag auf den Kanaren noch mindestens bis in die Wochenmitte maßgeblich beeinträchtigen. Erst ab Mittwoch ist mit einem allmählichen Absinken der Temperaturen und dem Auslaufen der Hitzewarnungen zu rechnen. Allerdings verlagert sich das Extremwetter dann auf den Ozean: Das andauernde Sturmtief sorgt voraussichtlich für raue See, weshalb die Behörden bereits vor gefährlichem Wellengang warnen. An den Küsten von El Hierro sowie im Süden von Teneriffa und Gran Canaria könnten dann neue Küstenwarnungen in Kraft treten. Bis sich das Wetter vollständig beruhigt hat, lautet das Gebot der Stunde weiterhin: Vorsicht walten lassen und die Anweisungen der Behörden befolgen. – TF

Weitere Artikel zum Thema:
Hitze-Alarm Gran Canaria: Höchste Waldbrand-Warnstufe, vom 02.08.2026
Jahresrekord auf den Kanaren: 42,2 Grad in Agüimes, vom 02.08.2026

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