Gran Canaria – Die politische Landkarte auf Gran Canaria wird kurz vor den kommenden Wahlen komplett neu gezeichnet. In Maspalomas, dem touristischen Herzzentrum im Süden der Insel, haben die Volkspartei der Kanarischen Inseln (PP) und die traditionsreiche Anwohnervereinigung (AV) ein wichtiges Bündnis besiegelt. Mit vereinten Kräften wollen die beiden politischen Kräfte das Ruder herumreißen. Das erklärte Ziel der Allianz ist ambitioniert: Sie wollen den gesamten Archipel bei den nächsten Wahlen politisch „blau färben“ und die aktuelle linke Führung ablösen. Für Wähler und Beobachter markiert dieser Schritt den Beginn eines intensiven Wahlkampfs, der weitreichende Folgen für die Wirtschaft, den Tourismus und das tägliche Leben auf den Inseln haben könnte.
Strategischer Zusammenschluss im Süden Gran Canarias
Es war eine Demonstration der Entschlossenheit, die am Samstag im Süden Gran Canarias inszeniert wurde. Zahlreiche Parteimitglieder, Funktionäre und hochrangige Beamte kamen in Maspalomas zusammen, um die Vereinbarung offiziell zu unterschreiben. Diese Kooperation ist keineswegs zufällig gewählt. Die Anwohnervereinigung (AV) gilt seit vielen Jahren als eine der am besten etablierten politischen Organisationen im Süden der Insel. Indem sie sich nun der PP anschließt, entsteht ein neues politisches Schwergewicht. Die Verantwortlichen sprachen von einem großen, gemeinsamen Projekt, das nicht nur für Gran Canaria, sondern für den gesamten kanarischen Archipel richtungsweisend sein soll. Durch diese Fusion wird die bürgerlich-konservative Basis im wirtschaftlich so bedeutenden Süden massiv gestärkt.
Das große Ziel: Das Comeback der Volkspartei
Der Regionalpräsident der PP, Manuel Domínguez, ließ in seiner Rede keinen Zweifel an den Absichten der neuen Allianz. Er sprach von einem Tag der Freude, schickte aber gleichzeitig eine unmissverständliche Kampfansage an die politischen Mitbewerber. „Dies ist der Beginn des Comebacks, um den Archipel blau zu färben“, betonte Domínguez sichtlich kämpferisch. Für ihn ist die Kooperation in San Bartolomé de Tirajana nur der erste logische Schritt. Das unmittelbare Ziel vor Ort ist es, den nächsten Bürgermeister zu stellen. Doch das eigentliche Hauptquartier der Macht, das ins Auge gefasst wird, ist der Inselrat von Gran Canaria. Domínguez forderte die Parteibasis auf, die Wahlmaschinerie ab sofort auf Hochtouren laufen zu lassen, um die politische Wende auf Inselebene zu erzwingen.
Harte Kritik an der aktuellen Inselregierung
Warum halten die Parteichefs diese Wende für absolut notwendig? Hierzu fand Carlos Sánchez, der Präsident der Volkspartei auf Gran Canaria, sehr deutliche Worte. In seiner Diagnose der aktuellen politischen Lage sparte er nicht mit scharfer Kritik an den amtierenden linksgerichteten Regierungen. Sánchez prangerte einen spürbaren Stillstand in zentralen gesellschaftlichen Bereichen an. Seiner Ansicht nach versagt das aktuelle Management in wichtigen Fragen wie der öffentlichen Sicherheit, der Verkehrsanbindung der Inseln, der Schaffung von Arbeitsplätzen sowie bei der sozialen und gesundheitlichen Versorgung der Bürger. Besonders drastisch formulierte er seine Kritik am Wohnungsbau: „Kein einziges Haus wurde gebaut, und die Bevölkerung von Gran Canaria erwartet endlich Antworten“, so Sánchez. Gleichzeitig deutete er an, dass die PP offen dafür sei, in Zukunft weitere Bündnisse mit Kräften aus dem Mitte-Rechts-Spektrum einzugehen.
Tourismus als Lebensader: Klares Bekenntnis gegen die Kritiker
Ein zentraler Streitpunkt auf den Kanaren bleibt der Tourismus. In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Debatten und Proteste rund um die Urlaubsbranche. Hier bezog Marco Aurelio Pérez, Bürgermeister von San Bartolomé de Tirajana und Vorsitzender der AV, eine eindeutige Position. Er verteidigte den wichtigsten Wirtschaftszweig der Insel vehement gegen aktuelle Kritiker. „Diejenigen, die gegen den Tourismus sind, irren sich gewaltig“, erklärte Pérez entschieden. Er erinnerte daran, dass diese Branche die Wirtschaft und die Beschäftigung sowohl in seiner Gemeinde als auch auf der gesamten Insel im Laufe der Jahrzehnte fundamental zum Positiven verändert hat. Seine logische Schlussfolgerung: Wenn der Süden und seine Urlaubsgebiete nicht funktionieren, bricht die gesamte Wirtschaft von Gran Canaria zusammen.
Zwölf Jahre ohne Großprojekte? Ein Blick auf die Bilanz
Pérez zog zudem eine ernüchternde Bilanz der letzten Jahre unter der Führung des aktuellen Inselrates. Er warf der amtierenden Regierung vor, die Entwicklung der Insel massiv ausgebremst zu haben. Die vergangene Legislaturperiode bezeichnete er sogar als „vier verlorene Jahre“. Um die Leistungsfähigkeit der Volkspartei zu untermauern, zog er einen historischen Vergleich: Das letzte wirklich große Infrastrukturprojekt auf Gran Canaria sei die bekannte Gran Canaria Arena gewesen – ein Projekt, das damals unter einer PP-Regierung realisiert wurde. Seit mittlerweile zwölf Jahren sei das Ergebnis in wichtigen Bereichen wie Seniorenresidenzen, modernen Sportzentren oder bezahlbarem Wohnraum gleich null. Mit dem Slogan „Unter einer PP-Regierung herrscht gute Verwaltung“ schloss Pérez seine Rede und stimmte die Zuhörer auf den kommenden Wahlkampf ein. – TF
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